Neun Punkte, nur zwei Siege, zudem eine eklatante Auswärtsschwäche: Hannover 96 befindet sich wieder mitten im Abstiegskampf. Nachdem die Mannschaft von André Breitenreiter in der vergangenen Rückrunde noch von der guten Hinserie nach dem Aufstieg profitierte, wird die Lage für die Niedersachsen immer bedrohlicher. Kritik gibt es vor allem an der Zusammenstellung des Kaders, wobei sich innerhalb der Diskussion offenbart: Auf beiden Seiten herrscht Uneinigkeit.


​Schon ​während der Vorbereitung bemängelte Breitenreiter die fehlende Breite innerhalb des Kaders. Der Trainer befürchtete, dass mögliche Ausfälle nicht ausreichend kompensiert werden können - und sollte recht behalten. Wenn Schlüsselspieler wie Walace, Ihlas Bebou oder Pirmin Schwegler wie zuletzt fehlen, wird der Abstiegskampf für die Rothosen noch schwieriger.


"Wir haben nicht alle auf dem Leistungsstand, wie wir sie bräuchten. Aber wir haben nur dieses Material zur Verfügung, damit müssen wir uns auseinandersetzen", monierte Sportdirektor Horst Heldt laut NDR nach der 1:4-Niederlage bei Borussia Mönchengladbach. Und auch Breitenreiter befand: "Wenn wir den Weg einschlagen wollen als 96 und nicht das Geld in die Hand nehmen, dann ist das unser Weg. Aber dann muss ich damit leben, dass wir Spiele verlieren."

Borussia Moenchengladbach v Hannover 96 - Bundesliga

  Übt erneute Kritik an der zurückhaltenden Transferpolitik: André Breitenreiter


Er könne nun einmal "nicht zaubern, Geld schießt halt Tore." Klubchef Martin Kind hat die Situation derweil anders bewertet und übte vor allem Kritik an der Kaderplanung vor der laufenden Saison: "Die beiden [Horst Heldt, André Breitenreiter, Anm. d. Red.] haben die Mannschaft zusammengestellt. Die Planungen lauteten anders, und die Beurteilung der Transfers war auch deutlich anders als sich jetzt zeigt." Noch in der vergangenen Saison habe man "eine preiswertere Mannschaft" aufgeboten, die zudem "erfolgreicher gespielt" habe. 


"Wir wissen, dass die Qualität nicht ausreicht, die Frage ist aber - was tun?", gab sich Kind fast schon ratlos. Daher soll schnellstmöglich nachgerüstet werden, um in der Rückrunde noch einmal anzugreifen: "Wir dürfen nicht schon wieder absteigen. Dem Ziel, den Klassenerhalt zu sichern, werden wir alles unterordnen. Das betrifft auch mögliche Transfer-Entscheidungen."


Hannover übt sich in Geduld


Allerdings ziehen sich die sportlichen Probleme bereits seit vielen Monaten. Der letzte Auswärtssieg in der Bundesliga stammt vom Oktober vergangenen Jahres, als man sich am neunten Spieltag gegen den FC Augsburg mit 2:1 durchsetzte. Pikant: Es war der bislang zweite und letzte Auswärtssieg seit dem Wiederaufstieg 2017.


Einzig in Bremen und Leverkusen sammelte man Zähler in der Fremde, die restlichen sieben Erfolge fuhr man in der heimischen HDI-Arena ein. Noch bleibt Breitenreiter optimistisch: "Wir müssen Ruhe bewahren und weiter trainieren. Irgendwann kommt das Glück zurück" (via Bild). Doch Kind mahnte an: "Von den fünf Spielen werden wir drei gewinnen müssen."

Der Trainer stehe allerdings nicht zur Debatte. Breitenreiter habe "das volle Vertrauen und die volle Loyalität", weshalb er sich voll und ganz auf die Arbeit mit der Mannschaft konzentrieren kann. Die Spieler wird er allerdings zu Höchstleistungen treiben müssen, um das vorgegebene Ziel vor der Winterpause zu erreichen.