Es ist nicht allzu lange her, da wusste die Konkurrenz in der Bundesliga: Gegen den FC Bayern München, speziell in der Allianz Arena, gibt es nur selten etwas zu gewinnen. Mittlerweile hat sich das Blatt jedoch gewendet: Wettbewerbsübergreifend konnte der Rekordmeister nur eines der letzten sechs Heimspiele für sich entscheiden. Das späte wie blamable 3:3 gegen Aufsteiger Fortuna Düsseldorf war das vierte Remis. Es brodelt bei den Münchnern, die sich die Frage stellen müssen, wie lange Niko Kovac noch tragbar ist.


Noch vor wenigen Wochen beteuerte Präsident Uli Hoeneß, Kovac "bis aufs Blut" verteidigen zu wollen. Diese Aussage wurde am gestrigen Abend zumindest zum Teil ​wieder revidiert. Zwar stellt Hoeneß auch die Mannschaft infrage, doch die entscheidende Botschaft war: Jeder Stein wird in den kommenden Tagen umgedreht.


In Anbetracht des bisherigen Saisonverlaufs keine überraschende Entscheidung. Zwar glänzte der Rekordmeister in den ersten Wochen, strahlte die fast schon übliche Dominanz aus und überzeugte mit einer extremen Souveränität. Doch davon ist wenig übrig. "Wenn wir das umgesetzt hätten, was uns der Trainer auf den Weg gegeben hat", wurde Torhüter Manuel Neuer nach der Partie gegen Fortuna Düsseldorf bei ​Sport1 zitiert, "hätten wir heute 5:0 gewonnen."

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   17 Tore in zwölf Bundesligaspielen, erst sieben Mal zu Null - Manuel Neuer rätselt über die verheerenden Fehler seiner Vordermänner


Der 32-Jährige stellt sich vor den Trainer: "Das haben wir uns selbst zuzuschreiben. Wir haben aus unseren Fehlern nicht gelernt, obwohl wir die Klasse und die Erfahrung haben. Wir machen es dem Gegner oft zu leicht, gegen uns Tore zu erzielen und was mitzunehmen." Auch David Alaba sah die Schuld nicht bei Kovac, sprach von "bitteren" Gegentoren und richtete seine Kritik an die gesamte Mannschaft.


Arjen Robben, der die ersten 70 Minuten erneut auf der Bank verbrachte, wurde indes deutlicher: "Wir können analysieren, was wir wollen. Aber der Trainer hat vor dem Spiel noch gesagt, dass es schon vier Mal passiert ist, dass wir führen und das dann noch hergeschenkt haben. Jetzt passiert das heute wieder. Das ist unglaublich."

Die Stimmung innerhalb der Mannschaft droht zu kippen - zum Leidwesen von Kovac. Wie die Bild berichtet, sollen sich einige Spieler in der Kabine klar gegen den Trainer positioniert haben, obwohl sie sich vor laufenden Kameras noch in Teilen für ihn einsetzten. Doch auch von seiner Seite aus gibt es viel Gesprächsbedarf, nachdem seine Mannschaft zu viele hochkarätige Chancen liegen ließ und speziell bei den Gegentoren ein naives Abwehrverhalten an den Tag legte.


Kovac und Hoeneß wütend


"Ich weiß nicht, ob es eine Steigerung von sauer gibt. Wenn du das Spiel im Griff hast und wieder zig Mal führst, dann bin ich alles andere als glücklich, sondern sehr sauer", so der 47-Jährige spürbar verärgert. Speziell das zweite Gegentor durch Dodi Lukebakio stieß ihm sauer auf, nachdem Jerome Boateng den pfeilschnellen Angreifer der Fortuna nach dem Pass in die Schnittstelle passieren ließ und stehen blieb, um auf Abseits zu spekulieren. "Wir haben in der Besprechung gesagt, dass der Gegner auf Konter spielen wird und da vorne einen sehr schnellen Stürmer hat. Da dürfen wir nicht auf Abseits spielen, sondern da müssen wir mitgehen und die Pässe verhindern. Wenn du das nicht tust, dann hast du die Probleme", kritisierte Kovac deutlich.

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           Nach dem Spiel wurde Niko Kovac deutlich. Der 47-Jährige weiß: Lange kann es so nicht mehr weitergehen


Neben dem Trainer zeigte sich allerdings auch Uli Hoeneß sichtlich verärgert: "Man hat das Gefühl, dass die Mannschaft total verunsichert ist. Wenn man als Bayern München zwei Mal zuhause gegen Fortuna Düsseldorf führt, dann sollte man den Sieg in aller Ruhe nach Hause fahren. Aber man hat auf der Tribüne immer wieder das Gefühl, dass wir trotz einer klaren Führung bei jedem Angriff gefährdet sind, ein Gegentor zu kriegen." Zwar werde Niko Kovac im Champions-League-Duell gegen Benfica Lissabon (Dienstag, 21 Uhr) "sicherlich" noch an der Seitenlinie stehen, danach soll allerdings der große Rundumschlag erfolgen.


"Wir müssen die nächsten Tage, vielleicht auch Wochen dazu verwenden, um die richtige Lösung zu finden. Wir müssen zu einem Ergebnis kommen", so Hoeneß, der sich laut Bild noch immer über den Leistungsabfall nach dem erfolgreichen Saisonbeginn wundert: "Die ersten sechs Wochen hatte ich das Gefühl, wir haben alles richtig gemacht. Und jetzt, die letzten sechs Wochen, ist es ins Gegenteil umgekehrt. Und wir müssen jetzt die goldene Mitte finden. Was war am Anfang so gut und was ist jetzt so schlecht." Ob dann auch mit einer Entlassung von Kovac zu rechnen ist, ist derzeit völlig offen.