Überraschend verkündete ​Bayer Leverkusen am frühen Samstag, dass Sportdirektor Jonas Boldt sein Amt am Ende der laufenden Saison niederlegen und den Verein verlassen wird. Zugleich präsentierten die Verantwortlichen bereits dessen Nachfolger: Simon Rolfes. Der 36-jährige Ex-Spieler hinterließ beim Vorstand einen spürbar positiven Eindruck, und kann vor allem einen Vorteil für sich nutzen.


Wenn man den Namen Simon Rolfes hört, verbindet man ihn unweigerlich mit Bayer Leverkusen. Der ehemalige Profi wechselte im Sommer 2005 von Alemannia Aachen zur 'Werkself' und sollte den Verein bis zu seinem Karriereende vor drei Jahren nicht mehr verlassen. Insgesamt absolvierte Rolfes 377 Pflichtspiele unter dem 'Bayer-Kreuz', war ab 2010 Mannschaftskapitän und wurde nach dem Ende seiner Laufbahn zum Ehrenspielführer ernannt.


Danach erfolgte ein Ausflug in die Fernsehwelt: Rolfes ist als TV-Experte des ZDF tätig, ist vor allem in der Sportreportage zu sehen. Im vergangenen Jahr übernahm er mit seinem Geschäftspartner Markus Elsässer die Leitung von GoalControl und wagte somit einen Schritt in die unternehmerische Welt. 


Seit dieser Saison arbeitet er allerdings wieder für Bayer. Im Sommer wurde er als neuer Leiter der Bereiche Jugend und Entwicklung vorgestellt und kümmert sich seitdem laut einem Bericht der Rheinischen Post speziell um den Nachwuchs. Dabei sorgt er für die "Weiterentwicklung der Nachwuchsarbeit" und für eine höhere Durchlässigkeit der jungen Talente in die Profiabteilung. Zwar steht er auch mit Sportdirektor Jonas Boldt in Kontakt, doch sein Haupt-Ansprechpartner sei Scout und Kaderplaner Claus Costa.

Bayer 04 Leverkusen v Hertha BSC - Bundesliga

        Wird Simon Rolfes in seinen ersten Monaten betreuen: Noch-Sportdirektor Jonas Boldt



Ab dem ersten Dezember wird sich Rolfes' Aufgabenfeld jedoch ändern. Dann wird er besonders mit Boldt intensiv zusammenarbeiten, wenn dieser ihn in die Rolle des Sportdirektors einarbeitet, ehe Boldt den Verein am 30. Juni verlässt. 


Wichtig werden vor allem die Verbindungen nach Südamerika. Seit vielen Jahren wildert Leverkusen immer wieder in dieser Region, sicherte sich daher unter anderem die Dienste von Arturo Vidal, Renato Augusto, Charles Aranguiz oder Paulinho. Viel wichtiger erscheint jedoch der Stallgeruch. Rolfes kennt Leverkusen bestens, weiß genau was ihn erwartet.


In Leverkusen ist Rolfes immer willkommen


"Simon war langjähriger Kapitän der Werkself und ist eine allseits respektierte Identifikationsfigur. Er kennt den Klub wie kaum ein anderer", schwärmte Geschäftsführer Fernando Carro laut Bild. Und auch Werner Wenning, Vorsitzender des Gesellschafterausschusses, befindet: "Er hat den sprichwörtlichen Stallgeruch, ist darüber hinaus international bestens vernetzt und besitzt alle Fähigkeiten, um Bayer 04 erfolgreich nach vorne zu bringen."


Rolfes selbst freut sich ungemein - und steckt sich hohe Ziele: "Das mir entgegengebrachte Vertrauen möchte ich rechtfertigen und werde mich mit aller Kraft dafür einsetzen, Bayer 04 langfristig dort zu positionieren, wo nicht nur wir selbst uns sehen: in der Spitzengruppe des deutschen Fußballs, als Stammgast auf europäischer Bühne."

Simon Rolfes Visits Sport School Hennef Footbal Holiday Camp

  Klar ist: Die erfolgreiche Arbeit fortzuführen, wird für Rolfes kein leichtes Unterfangen



Seine neue Aufgabe ist klar: Rolfes spielt in Transfers eine wichtige Rolle, muss dabei eng mit dem Scouting zusammenarbeiten. Zugleich ist er der wichtigste Ansprechpartner für die Trainer, aber auch für das komplette Mannschaftsumfeld. Auch wird man ihn voraussichtlich wieder vermehrt bei Interviews sehen können, da er nun wieder stark in den Fokus rückt.


Dabei muss Rolfes weiterhin durch sein sympathisches und authentisches Auftreten überzeugen. Nicht nur als Kapitän, sondern auch als ehemaliges Mitglied des Spielerrats der Spielergewerkschaft Vereinigung der Vertragsfußballer (VdV) hat er bereits erste Erfahrungen darin gesammelt, Verantwortung zu übernehmen. Diese wird er auch brauchen, um einen Verein wie Bayer Leverkusen erfolgreich führen zu können.