Seit nun sechs Spieltagen grüßt ​Borussia Dortmund von der Tabellenspitze. Nach einer zwischenzeitlichen Findungsphase in Hannover und Hoffenheim folgten furiose Kantersiege, spektakuläre Comebacks und Last-Minute-Thriller. Für BVB-Fans, aber auch für den neutralen Fußball-Liebhaber, war alles dabei, was das Fußballherz begehrt.


Dass die Dortmunder Erfolgsgeschichte auch nach der 3. Länderspielpause weitergehen wird, liegt nicht zuletzt an den Schwarz-Gelben selbst. Die Borussen sind mental stabiler als noch im Vorjahr. Rückschläge und Gegentore wirken sich eher motivierend als hemmend auf die Mannschaft aus. So konnten sie bereits fünf Spiele nach Rückstand zu ihren Gunsten drehen, einzig in Hoffenheim (1:1) und Madrid (0:2) fand man keine weitere siegbringende Antwort.


Erfolgreicher Mix aus Talent und Erfahrung


Des Weiteren trägt das homogene Mannschaftsgefüge zum Erfolg bei. Eine gesunde Mischung aus Talent und Erfahrung bringt die Dortmunder Maschinerie in Fahrt. Im Zentrum kurbeln Kapitän Marco Reus und WM-Bronze-Gewinner ​Axel Witsel die Mannschaft an, unterstützt vom unermüdlichen Box-to-Box-Player Thomas Delaney. Flankiert wird das Trio von jungen Tempodribblern wie Jadon Sancho, Jacob Bruun Larsen oder Christian Pulisic, die Cheftrainer Lucien Favre je nach Gegner und Spielanlage munter durchtauscht.

Immer wieder die Neun und die Zuversicht durch den großen Kader


In der Sturmspitze haben die Verantwortlichen des BVB rund um Michael Zorc zum wiederholten Male ihr glückliches Transferhändchen bewiesen: Lucas Barrios, Robert Lewandowski, Pierre-Emerick Aubameyang, Michy Batshuayi und jetzt Paco Alcacer! Der 25-jährige Spanier schlug direkt ein. Acht Tore in sechs Spielen sind - vor dem Hintergrund, dass er nur zwei Spiele von Anfang an und keines über die volle Distanz absolviert hat - mehr als beeindruckend. Hoffnung auf eine Fortsetzung seiner Serie macht eine bessere, körperliche Verfassung nach der Länderspielpause. Alcacer wurde im bisherigen Saisonverlauf oft von Muskelverletzungen heimgesucht und wird die Zeit nutzen, um sich wieder auf ein Top-Level zu hieven.

Freude über geschlossene Mannschaftsleistung - Mittendrin Erfolgsgarant: Axel Witsel

Vieles spricht für Borussia Dortmund. Das kommende Programm ist mit Mainz, Brügge und Freiburg unangenehm, aber machbar. Der breite Kader kann verletzte Leistungsträger qualitativ auffangen. So fiel in den letzten Wochen fast die komplette Viererkette aus und trotzdem war kein Leistungsabfall zu erkennen. Selbst als Roman Bürki für den deutschen Clasico passen musste, wurde niemanden in Dortmund bange, weil man mit Marwin Hitz einen absoluten Topvertreter in seinen Reihen hat. Und in Abwesenheit von Torgarant Paco Alcacer, gab sich Mario Götze als "falsche Neun" als sehr bewegliche Anspielstation und cleverer Ballverteiler. Lucien Favre scheinen die Ideen nicht auszugehen, seine Mannen reagieren flexibel auf taktische Änderungen. Außerdem kann er jederzeit auf eine starke Bank zurückgreifen.


Junge Defensive und das Quäntchen Glück


Das Team muss aber defensiv stabiler werden. Manuel Akanji, Abdou Diallo und Dan-Axel Zagadou sind junge, schnelle, physisch starke Innenverteidiger mit gutem Spielaufbau, doch dem Alter geschuldet fehlt verständlicherweise noch die Erfahrung. Wenn Axel Witsel als Feuerwehrmann nicht dazwischen grätscht, rutschen die Bälle auch mal durch. Viele davon konnte Roman Bürki oftmals sensationell abwehren.


Das Spielglück in engen, hart umkämpften Partien wird sich auch beim BVB irgendwann mal wieder drehen. Doch glaubt man dem ewigen "Verbesserer" Favre, ist die Entwicklung seiner Mannschaft noch lange nicht am Ende, sodass man sich in Zukunft nicht zwangsweise auf dieses Quäntchen Glück verlassen muss.