Am Sonntagmorgen kündigte Uli Hoeneß gegenüber Sky-Moderator Jörg Wontorra und Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke an, dass der alternde Kader des ​FC Bayern München im kommenden Sommer ​"ein neues Gesicht" erhalten werde. Der Umbruch, den viele Fans seit Jahren fordern, soll endlich vorangetrieben werden. Dabei stellt sich die Frage: Welche Spieler könnten den Verein verlassen? Und wer hat das Potenzial dazu, sich auf Anhieb beim Rekordmeister zurecht zu finden? 


Egal ob im Tor, der Abwehr, dem Mittelfeld oder im Angriff: Die Stars des FC Bayern kommen wortwörtlich in die Jahre. Mit einem Durchschnittsalter von 27,4 Jahren ist der Rekordmeister der älteste aller 18 Bundesligisten. Zum Vergleich: Borussia Dortmund, aktueller Spitzenreiter, liegt im Alters-Ranking auf Platz 15. Und RB Leipzig, das mit dem Sieg gegen Leverkusen an den Bayern vorbeigezogen ist, stellt mit 23,7 Jahren den jüngsten aller Kader.


Neun der insgesamt 23 Spieler haben die Grenze von 30 Jahren schon überschritten, Mats Hummels wird am 16. Dezember dieses Jahres der zehnte sein - und auch Thomas Müller feiert im kommenden Jahr seinen 30. Geburtstag. 


Mit Spielern wie Corentin Tolisso, Renato Sanches, Kingsley Coman, Serge Gnabry, Niklas Süle, Joshua Kimmich oder Torwart-Talent Christian Früchtl hat man zahlreiche junge Spieler im Kader, doch es bedarf eine Verjüngungskur, bevor die Situation in einigen Jahren möglicherweise drastische Folgen haben könnte.


Speziell auf den Flügeln dürfte neues Personal kommen. Ob Franck Ribery und Arjen Robben erneut beide verlängern, scheint fraglich. Doch wenn sich die Verantwortlichen für einen entscheiden müssten, könnte Robben den Vorzug vor Ribery genießen. Der Franzose absolvierte gegen Borussia Dortmund zwar eine sehr gute Partie, doch auf dem linken Flügel gehört dem (noch) verletzten Kingsley Coman die Zukunft. 

FC Bayern Muenchen v AEK Athens - UEFA Champions League Group E

   Dass Franck Ribery den FC Bayern bald nach zwölf Jahren verlässt, erscheint im Zuge des Umbruchs als realistisch - und wohl auch notwendig


Auch im Abwehrzentrum wird es möglicherweise zu Veränderungen kommen. Bereits im Sommer wurde über eine Einigung mit Benjamin Pavard über einen Wechsel im kommenden Jahr spekuliert. Laut Michael Reschke, Sport-Vorstand des VfB Stuttgart, könnten die Bayern möglicherweise einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz genießen. Weltmeister Pavard fühle sich in der Bundesliga wohl - und der FC Bayern ist ein Verein, der dauerhaft um alle drei großen Titel mitspielt. Dass in einigen Jahren anstelle von Jerome Boateng und Mats Hummels also Süle und Pavard regelmäßig nebeneinander auflaufen, gilt daher durchaus als möglich.


Ohnehin soll Süle künftig noch mehr zur Stammelf gehören und sich in München weiterentwickeln. Doch ob Boateng nach all den Spekulationen im Sommer trotz des klärenden Gesprächs mit den Vereinsbossen über die Saison hinaus in München bleibt, oder sich doch noch einmal den Traum von einer neuen Herausforderung verwirklicht, bleibt weiter offen.

FC Bayern Muenchen v AEK Athens - UEFA Champions League Group E

  In den vergangenen Monaten galt Jerome Boateng als Wechselkandidat. Wie lange er dem Rekordmeister erhalten bleibt, scheint fraglich


Spekulieren könnte man auch über einen Abgang von Javi Martinez. Der Spanier wechselte 2012 für die damalige Rekordsumme von 40 Millionen Euro nach München, ist unter Kovac allerdings kaum gesetzt. Jupp Heynckes verlieh ihm eine elementare Rolle im Spiel der Mannschaft, weshalb er in der letzten Saison zu einem der Schlüsselspieler zählte. Kovac allerdings setzt lieber auf Thiago Alcantara oder Corentin Tolisso, der aktuell aufgrund eines Kreuzbandrisses fehlt.


Die Zukunft von James Rodriguez ist ebenfalls offen. Der Kolumbianer hätte offenbar gerne mehr Spielzeit, doch der Trainer setzt in der Zentrale eher auf das Duo um Thomas Müller und Leon Goretzka. Zwischen James und Kovac sollen erhebliche Spannungen bestehen, weshalb ein Verbleib in München trotz der einseitigen Kaufoption in Höhe von 42 Millionen Euro nicht gesichert sei.


Wer könnte die Münchner verstärken?


In den vergangenen Wochen wurden wieder viele Spieler mit einem möglichen Interesse seitens der Bayern in Verbindung gebracht, so beispielsweise Florian Thauvin und Nabil Fekir (beide Olympique Lyon), Aaron Ramsey (FC Arsenal), Matthijs de Light (Ajax Amsterdam), Nicolas Pepe (LOSC Lille) oder Cengiz Ünder (AS Rom).

Olympique Lyonnais v TSG 1899 Hoffenheim - UEFA Champions League Group F

 Nabil Fekir ist vielerorts begehrt, stand allerdings schon unmittelbar vor einem Wechsel zum FC Liverpool - ehe dieser platzte


Die häufigen Verbindungen nach Frankreich sind kein Zufall. Im Januar wechselte Chefscout Laurent Busser von Bayer Leverkusen nach München. Das Problem: ​Offenbar sucht man verstärkt nach Spielern, die der Mannschaft sofort helfen können - was schon aufgrund der immer weiter steigenden Preise als schwieriges Unterfangen gilt.


Mit Alphonso Davies wechselt schon bald ein junges, aufstrebendes Talent aus Kanada an die Säbener Straße, doch der 18-Jährige wird aller Voraussicht nach eine gewisse Eingewöhnungszeit benötigen. Für Transfers wie Fekir, Thauvin, Pavard oder de Ligt, die tatsächlich eine sofortige Verstärkung wären, müsste man tief in die Tasche greifen. ​Doch genau dafür sorgt man laut Hoeneß schon seit Monaten vor, weshalb der FC Bayern möglicherweise vor einer wegweisenden Shopping-Tour steht.  

2018 MLS All-Star Game: Juventus v MLS All-Stars

  Wird Alphonso Davies mittel- und langfristig gesehen der neue Star des FC Bayern?


Die Verantwortlichen dürften daher alle Hände voll zu tun haben. Speziell in der Offensive benötigt man Verstärkung, um Robert Lewandowski auch in den kommenden Jahren mit Hereingaben zu versorgen. Coman und Gnabry sind dafür geeignet, doch wer - außer möglicherweise Robben - noch hinzukommt, wird sich wohl erst in vielen Monaten zeigen.