Nachdem man ihm Thibaut Courtois vor die Nase gesetzt hat, brachen schwere Zeiten für ​Real Madrids Torwart Keylor Navas an. Unter Santiago Solari scheint er sogar seinen Platz als Champions-League-Keeper verloren zu haben. Trotzdem sprach ihm der Trainer in der Pressekonferenz nach der Partie gegen Viktoria Pilzen den größten Respekt und Bewunderung zu.


Als Real Madrid im vergangenen Sommer weder Kosten noch Mühen gescheut hat, um den belgischen Nationalkeeper Thibaut Courtois vom ​FC Chelsea nach Spanien zu holen, war klar, dass Keylor Navas nur noch die zweite Geige spielen würde. Doch während er unter Julen Lopetegui wenigstens in der ​Champions League das Tor der Königlichen hüten durfte, fährt der neue Coach eine andere Linie. Trainer Santiago Solari setzte Navas auf die Bank und sprach dem 35-Millonen-Euro-Schnäppchen Courtois das Vertrauen aus.


​Bei Viktoria Pilzen gewann Real schließlich mit 5:0 und bestätigte das Vertrauen des Trainers. Dieser zeigte sich auch nach der Partie von seiner Ansicht der Aufstellung überzeugt: „Es ist eine Entscheidung, die ich getroffen habe“, sagte er angesichts des Auswärtssiegs selbstbewusst. Gleichzeitig räumte er aber ein, dass Navas eine wichtige Stütze in der Mannschaft darstellt: „Er ist als Persönlichkeit sehr gemocht und ist wichtig in der Kabine.“

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Mittlerweile ist Keylor Navas (li.) nur noch zweite Wahl hinter Thibaut Courtois



Ist er demnach nicht mehr wichtig auf dem Platz? ​Die Torwartfrage bei Real scheint nicht endgültig geklärt zu sein. Die Aussagen Solaris wirkten sehr emotional, auch seine Wortwahl unterstreicht den kommunizierten Inhalt: „Er ist ein Mann“, sagte der Trainer und hebt damit die Persönlichkeit und Würde des 31-jährigen Costa-Ricaners hervor. Es hörte sich nicht so an, als wäre er endgültig abgeschrieben, auch weil Solari seine fußballerische Qualität lobte: „Er hat meine Bewunderung und meinen Respekt als Fußballer“ – und eben als „Mann“.


Dies sind harmonische Töne. Solari wird sich unter Druck gesehen haben, die bestmögliche Mannschaft auf den Platz zu bringen und keine Rücksicht auf persönliche Befindlichkeiten zu nehmen. Real spielt eine schwierige Saison und hat im Hinspiel nur knapp mit 2:1 gegen Pilzen gewonnen. In der Primera División ist man ebenfalls nur auf dem sechsten Platz, sodass Courtois wohl auch gespielt hat, um noch besser in den Rhythmus zu kommen.


Der Druck bei Real sei immer da, sagte Solari, der erst vor knapp zwei Wochen Cheftrainer Reals geworden ist. Trotz der kurzen Zeit muss er sich von Spiel zu Spiel beweisen und steht immer unter intensiver Beobachtung. Das weiß Solari auch: „In Madrid leben wir eine permanente Krise – selbst, wenn wir die Champions League gewinnen.“