Juventus Turin kennt es, Oliver Kahn sowieso. Bei allen rekordverdächtigen Serien ohne Niederlage oder Gegentor kann man in jedem Fall mit Gewissheit sagen: irgendwann findet jeder Lauf sein Ende. So auch beim BVB am 6. November 2018, bei dem eine Serie aus 15 Pflichtspielen ohne Niederlage ihr jähes Ende fand. Wir analysieren, warum dieser Misserfolg keine Überraschung darstellt und für die Dortmunder vor dem Spitzenspiel am Samstag möglicherweise gerade zur rechten Zeit gekommen ist.


Das mediale Echo auf den Sturmlauf der Dortmunder fiel in den letzten Wochen überschwänglich aus. Nachdem man den Dortmundern die heimische Meisterschale schon in die Post legen wollte und ​Diego Simeone sein Loblied auf Favre & Co. gesungen hat, schien auch der Triumph in Europa in greifbarer Nähe zu sein. Nun die Niederlage in Madrid und schon titeln einige Gazetten des Landes, dass der BVB jetzt auch gegen die Bayern seine Schwierigkeiten haben wird. 


Hierbei ist es zielführend, eine klare und objektive Sichtweise auf die Leistung der Dortmunder in dieser Saison an den Tag zu legen. Natürlich hat der BVB einen grandiosen Saisonstart hingelegt und wusste vor allem in vielen Partien wieder auf spielerischer Linie (sehr) gute Haltungsnoten zu bekommen – Balsam auf die in der letzten Saison arg strapazierte Geduld der treuen Anhänger.


Sehen wir uns beispielsweise das Hinspiel gegen Atletico Madrid an. Ketzerisch gesagt, geht der BVB hier durch einen entscheidend abgefälschten Torschuss in Führung und kann nur mit einer großen Portion Glück und Pfosten der Druckphase von Atletico zu Beginn der zweiten Halbzeit das eigene Tor sauber halten. Beim Stand von 2:0 hätte der verunglückte Pfostentreffer von Correa in der 78. Spielminute auch sicherlich wieder einiges an Spannung in die Partie zurückgebracht. 


Auch im Rückspiel in Madrid musste der ​BVB viele starke Szenen von Atletico über sich ergehen lassen, konnte sich dieses Mal jedoch nicht dagegen verwehren, in Rückstand zu geraten. Eine starke Defensivleistung sowie ein perfekter Konter später, und der BVB fährt mit der ersten Niederlage im Gepäck zurück nach Dortmund. Jedoch war in dieser Partie gewiss nicht alles schlecht. Sicher haben die jungen Offensivdribbler um Pulisic und Sancho nicht ihren besten Tag erwischt, kann Guerreiro seine Riesenchance in der zweiten Hälfte jedoch aus fünf Metern verwerten, läuft auch dieses Spiel möglicherweise vollkommen anders ab.

Borussia Dortmund v 1. FC Union Berlin - DFB Cup

Hakimi, Pulisic, Reus, Sancho und Guerreiro (v. l.) sind in diesem Jahr wichtige Hauptfiguren in der Dortmunder Offensive


Die Verantwortlichen wie auch die Spieler des BVB haben den Erfolg der letzten Wochen sehr gut moderiert und immer wieder glaubhaft bekräftigt, dass nach wie vor viel Arbeit vor der Mannschaft steht und in vielen Bereichen Verbesserungspotenzial herrscht. Trotz der besonders in den letzten Wochen hohen Siege und der scheinbar historischen Krise der Bayern, konnte sich der BVB nur einen Vorsprung von vier Punkten erspielen. Unabhängig von der anstehenden Partie der beiden Vereine am kommenden Samstag und den anderslautenden Berichten der Presse, kann sich kein Team der Welt nach zehn Spieltagen bereits in Sicherheit wiegen.


Somit ist es in vielerlei Hinsicht nicht überraschend, dass die Serie des BVB nun ihr Ende gefunden hat - zeigte der BVB neben vielen Glanzpunkten in fast jedem Spiel aber auch, dass die Leistung auf verschiedenen Ebenen ausbaufähig ist. Dadurch, dass der Lauf nun beendet ist, verringert sich möglicherweise der mediale Druck von außen auf die Mannschaft und bringt zurück, was besonders gegen Atletico und auch über weite Strecken in Wolfsburg gefehlt hat: eine gewisse Leichtigkeit und Unbekümmertheit in puncto Kreativität und Kombinationen in der gegnerischen Hälfte. Davon wird man in Dortmund besonders ​gegen den FC Bayern einiges brauchen, zeigten die Bayern doch häufig in der Vergangenheit, dass sie am gefährlichsten sind, wenn alles scheinbar gegen sie läuft. In jedem Falle erwartet Fußball-Deutschland ein hochbrisantes Spitzenspiel.