​Hannover 96 steckt in einer Krise. Die Saison läuft noch nicht besonders gut und nach zehn Spieltagen nimmt Präsident Martin Kind Manager Horst Heldt und Trainer André Breitenreiter bereits in die Pflicht. Kind macht klar, dass man in der Vorstandsriege keinen Abstiegskampf bis zum letzten Tag der Saison erleben möchte. Angesichts der Tabellenkonstellation könnte 96 deshalb im Winter auf dem Transfermarkt tätig werden. Sportdirektor Horst Heldt bestätigte, dass man sich stark damit beschäftigt, einen Innenverteidiger zu kaufen.


Manager Heldt erklärte im Gespräch mit der Neuen Presse: „Mit Felipe haben wir wieder einen verletzten Spieler. All das sind Themen, die in so eine Bewertung einfließen.“ Zumindest ein weiteres einfließendes Thema kann benannt werden: Der Druck, welcher auf den Verantwortlichen lastet.


„Heldt und Breitenreiter haben die Mannschaft zusammengestellt und trainieren sie“, stellte 96-Präsident Martin Kind fest und machte eine Bemerkung zu der Erwartungshaltung im Verein: „Beide haben mit versichert, dass die Mannschaft den Klassenerhalt sicher schafft. Davon sind sie auch weiter überzeugt.“


Während die Genannten dieser Aussage verständlicherweise nicht widersprechen, könnten sie in der kommenden Transferperiode noch mal Änderungen am Kader vornehmen, um das erwartete wie versprochene Saisonziel garantiert erreichen zu können. Deshalb sagte Heldt: „[Breitenreiter und ich] müssen beide vorangehen. Wir haben die Verantwortung und müssen dementsprechend auch agieren.“ Dabei wäre ein Einkauf im Winter eher eine Reaktion auf die schlecht laufende Saison bis hierher.

Hannover 96 v 1. FSV Mainz 05 - Bundesliga

Beschäftigt sich laufend mit dem Markt: Hannover 96-Präsident Martin Kind


„Es gehört zu meiner Verantwortung, sich permanent mit dem Markt zu beschäftigen“, sagte Kind, der Heldt also genau auf die Finger schaut. Heldt hat den Weckruf gehört, will aber gelassen bleiben: „Ich will das nicht ausschließen, aber es auch nicht als verbrieft ansehen“, kommentierte er mögliche Transfers zur Jahreswende. Allerdings sieht es besonders in der Abwehr der Niedersachsen schlecht aus: Von zehn Spielen konnte man nur zwei gewinnen und kassierte dabei schon 21 Tore.


Dabei wurde die Mannschaft im Sommer bereits in der Breite verstärkt. Doch jetzt muss man wegen der Verletzungen von Timo Hübers und Felipe wieder Abstriche machen. Nach dem Abgang von Abwehrchef Sadio Sané zum ​FC Schalke 04 bilden zumeist Felipe, Waldemar Anton und Josip Elez eine Dreierkette bei den Roten. Auch Oliver Sorg rückte gelegentlich von der Außenbahn in die zentrale Defensive.


Leihspieler Kevin Wimmer von Stoke City konnte sich noch nicht in der ersten Mannschaft etablieren, hat aber auch schon zwölf Einsätze für 96 hinter sich. Auch Elez kam erst im Sommer, bietet aber noch nicht die nötige Sicherheit. Somit wiegt der Ausfall von Felipe umso schwerer: Gegen Schalke wurde er noch in der ersten Halbzeit durch Kevin Wimmer ersetzt. Hannover bekam anschließend drei Tore eingeschenkt. Breitenreiter habe im Sommer bereits einen weiteren Verteidiger verpflichten wollen, was nicht zustanden kam. ​Der verletzungsanfällige Felipe sollte einen zuverlässigeren Ersatz bekommen.


Daran wird sich auch Martin Kind erinnert haben, als er Breitenreiter sein Vertrauen ausgesprochen hat: ​„Wir diskutieren nicht über den Trainer“, machte er deutlich, „auch wenn die Ergebnisse das nicht immer bestätigen.“ Wenn man die Chance im kommenden Winter nicht nutzt, die Mannschaft ligatauglich zu machen, wird aber auch dieser Kredit eines Tages verspielt sein. Umso wahrscheinlicher ist ein Neuzugang für die Abwehr. Im Niedersachsen-Derby gegen den ​VfL Wolfsburg (Freitag um 20:30 Uhr) ist 96 noch auf den verletzungsgeschwächten Kader angewiesen.