Beim 2:1-Sieg im DFB-Pokal gegen den SV Rödinghausen offenbarte der ​FC Bayern München erneut große Schwächen. Als größter Wermutstropfen kam dann auch noch die Verletzung von Thiago hinzu, der in der 75. Minute ausgewechselt worden ist. Weder die Aussagen der Bayern-Verantwortlichen noch Thiagos Gesichtsausdruck gaben Grund zur Hoffnung: Er verließ das Stadion als letzter Bayern-Spieler mit Schmerzen auf Krücken.


Zwei Dinge dürften die Bayern geplant gehabt haben: Zum einen: Das DFB-Pokal-Spiel gegen den SV Rödinghausen so früh wie möglich zu entscheiden und keine Zweifel aufkommen zu lassen – eine Pokalschlacht mit Gastgebern, die an einer Überraschung schnuppern, konnten die dreifachbelasteten Bayern überhaupt nicht gebrauchen. Zweitens ging es darum, verletzungsfrei durch den Abend zu kommen. Beides gelang nicht.


Der Pflichtsieg beim Regionalligisten war tatsächlich erst mit Abpfiff eingetütet, denn bis dahin machte Rödinghausen mutig Druck und spielte auf den Ausgleich. Gegen den Rekordmeister zeigten die Westfalen eine mutige Leistung und schlugen dabei bisweilen auch über die Stränge. In der 73. Minute senste Rödinghausens Björn Schlottke Bayerns Thiago auf Höhe der Mittellinie um und sorgte dafür, dass der Spanier ausgewechselt werden musste.


Die Bayern-Betreuer stützten ihn auf dem Weg ins Seitenaus, da er mit rechts nicht auftreten konnte. Nach einer kurzen Behandlung kam aber das Zeichen, dass der 27-Jährige nicht weiterspielen kann. Serge Gnabry kam für ihn in die Partie, während Thiago in die Katakomben des Stadions an der Bremer Brücke in Osnabrück humpelte. 


Trainer Niko Kovac zeichnete kurz nach Abpfiff ein düsteres Bild: „Ich möchte mich nicht zu weit rauslehnen, aber im Moment sieht es nicht so gut aus.“ Später hatte er im Interview mit der Sportschau weitere Infos: „Wir haben mit Thiago jetzt den nächsten verletzten Spieler“, bestätigte er seine Vorahnung. Eine Kapselverletzung steht im Raum, die genaue Diagnose steht noch aus.


Eine Diagnose hatte Sportdirektor Hasan Salihamidžić zwar auch nicht, wusste aber: „Er hat starke Schmerzen.“ Dann gab er ein klares Statement zu Thiago ab: „Er ist wirklich wichtig für die Mannschaft und ein Ausfall wäre alles andere als gut.“ Das belegen auch die Zahlen: Der frühere Spieler des FC Barcelona absolvierte mit der gestrigen Partie bereits ​1170 Minuten in der laufenden Spielzeit und verpasste nur das Champions-League-Spiel gegen Benfica Lissabon wegen einer Zehenverletzung. Unter Kovac ist Thiago ein Fixpunkt des Bayernspiels.


Personalsorgen an der Säbener


Die Franzosen Kingsley Coman und Corentin Tolisso fallen weiterhin auf unbestimmte Zeit aus. Rafinha ist gerade erst wieder fit geworden. In der gestrigen Partie gegen Rödinghausen fehlten unter anderem noch ​Arjen Robben, James Rodríguez und Jérôme Boateng – diese sind aber nur leicht angeschlagen und dürften bald wieder spielen können.


Thiagos Auswechslung wiegt hingegen schwer. Der Mittelfeldmotor des deutschen Meisters könnte für den Endspurt der Hinrunde nicht zur Verfügung stehen. Im Bundesligaspiel gegen den ​SC Freiburg am Samstag wird er jedenfalls fehlen. Am heutigen Mittwoch steht eine ausführliche Untersuchung an. Obwohl man im Pokal eine Runde weiter gekommen ist, hatten die Bayern also keinen rundum gelungenen Abend in Osnabrück.