​Noch vor wenigen Monaten war beim ​VfB Stuttgart alles in Butter. Der Kader der Vorsaison konnte mit der Ausnahme von Daniel Ginczek gehalten werden und bereits früh in der Saisonvorbereitung konnte gleich ein halbes Dutzend Neuzugänge präsentiert werden. Zudem stand mit Tayfun Korkut ein Trainer an der Seitenlinie, der bis dahin eine der besten Bilanzen der VfB-Historie vorzuweisen hatte. Nun, nach neun Spieltagen in der neuen Saison, ist bei den Stuttgartern wieder Chaos ausgebrochen.


Dabei hatte es für Sportvorstand ​Michael Reschke noch vor nicht allzu langer Zeit Lob von allen Seiten gehagelt. Schließlich hatte der 61-Jährige zumindest mit der Verpflichtung von Tayfun Korkut, entgegen vieler Ressentiments der VfB-Anhänger, offenbar voll ins Schwarze getroffen. 


Doch nach einem schwachen Saisonstart zog der ehemalige Bayern-Chefscout bereits nach dem siebten Spieltag die Reißleine und entließ den Cheftrainer, mit dem man nur wenige Monaten zuvor den Vertrag ohne Not vorzeitig verlängert hatte.

Mit ​Markus Weinzierl wurde zwar ein bekanntes Gesicht aus der Bundesliga als neuer Trainer präsentiert, die ersten zwei Spiele gingen mit jeweiligen 0:4-Niederlagen jedoch kräftig in die Binsen. Dabei hatte der ehemalige Schalke-Trainer mit dem Tabellenführer Borussia Dortmund und der torhungrigen TSG 1899 Hoffenheim zwar ein zugegebenermaßen alles andere als einfaches Startprogramm, dennoch droht auch diese Entscheidung von Reschke bereits wieder zu verpuffen.


Angesichts der schwachen Ergebnisse in der bisherigen Spielzeit wird der mächtige Mann beim VfB nun auch von der Presse immer heftiger attackiert. Dabei hatte er sich mit seinen Äußerungen rund um die Korkut-Entlassung keinen Gefallen getan, als er erklärte, dass im Profifußball etwas 'Flunkern' dazugehöre. Dies mag nüchtern betrachtet sogar durchaus der Fall sein, in der Außenwirkung ist eine solche Aussage aber fast schon eine Bankrotterklärung. Dabei wird offensichtlich, dass der Sportvorstandsposten beim VfB die erste Stelle an vorderster Front für den Funktionär ist.


Zwar wurde Reschke zuletzt beim 'Doppelpass' auf Sport1 von seinem Präsidenten Wolfgang Dietrich mit vollem Einsatz verteidigt, dennoch könnte auch das Schicksal des Kaderplaners beim VfB mit dem Erfolg oder Nichterfolg von Weinzierl verknüpft sein. Schließlich haben sich die Schwaben in der Vergangenheit nicht nur als 'Trainerfresser' einen zweifelhaften Ruf erarbeitet, sondern stellten auch reihenweise Manager vor die Türe. 

VfB Stuttgart - Press Conference With New Team Coach

Michael Reschke setzt auf den neuen Trainer Markus Weinzierl


Dabei hilft Reschke mit Sicherheit auch nicht, dass bisher alle seiner Transfers aus diesem Sommer, aus welchen Gründen auch immer, nicht zünden konnten. Zwar steht der VfB nach der Ausgliederung der Profiabteilung auf soliden Beinen, eine Fehlinvestition von insgesamt 30 Millionen Euro kann sich der derzeitige Abstiegskandidat aber auch nicht leisten. Darüberhinaus wird dem gebürtigen Rheinländer vorgeworfen, dass er sich in der Vergangenheit zu sehr in die Aufgaben der Trainer eingemischt habe und so mit Ex-Trainer Tayfun Korkut aneinander geraten war. Der selbstbewusste Markus Weinzierl dürfte so etwas mit Sicherheit auch nicht gerne sehen.


In den kommenden Wochen und Monaten gilt es daher beim VfB umso mehr an einem Strang zu ziehen. Dabei würde es Reschke gut zu Gesicht stehen, wenn er sich aufs Wesentliche beschränken würde und auch auf dem Transfermarkt zu seiner alten Stärke zurückfindet. Bleiben die Schwaben auch bis zur Winterpause in den unteren Tabellenregionen stecken, könnte man im Winter die letzte Chance nutzen, um durch den einen oder anderen Glücksgriff das Pendel wieder in die andere Richtung ausschlagen zu lassen.