Der ​VfB Stuttgart steckt tief in der Krise und hat auch unter Markus Weinzierl den Negativlauf nicht stoppen können: In den ersten beiden Spielen unter dem neuen Trainer setzte es zwei 0:4-Klatschen gegen ​Borussia Dortmund und die ​TSG Hoffenheim. Stuttgarts Sportvorstand Michael Reschke sprach bei Sky von einkalkulierten Niederlagen und ist weiterhin von der eigenen Strategie überzeugt.


Seit 2014 saßen beim VfB Stuttgart insgesamt zwölf Trainer auf der Bank, sportlichen Erfolg gab es aber nur in der zweiten Bundesliga, als nach dem Abstieg 2016 der direkte Wiederaufstieg gelang. Im August 2017 übernahm Michael Reschke den Posten des Sportvorstandes, doch auch Reschke konnte auf dem Trainerstuhl nicht für Kontinuität sorgen: Auf Hannes Wolf folgte im Januar diesen Jahres Tayfun Korkut, welcher vor kurzem durch Markus Weinzierl ersetzt wurde.


Auch deshalb dürften bei einer Umfrage des TV-Senders Sky ganze 57% der Fans gewählt haben, der VfB Stuttgart sei ein "Verein ohne Strategie". Eine Auffassung, die Reschke nicht teilt: "Wenn jemand sagt, sie haben keine Strategie, das kann ich nicht nachvollziehen", sagte er während einer Live-Schalte in der Sendung Wontorra, "ich finde, wir haben eine gut durchdachte Strategie. Dass das im Moment nicht gegriffen hat, steht außer Frage."


Momentan ist allerdings auch nicht zu erkennen, was die Strategie des VfB ist. Die Trennung von Hannes Wolf Anfang des Jahres war nachvollziehbar, auch wenn sie einige Fragen aufbot. Tayfun Korkut leistete daraufhin gute Arbeit und entwickelte die Schwaben zur zweitbesten Rückrundenmannschaft, Reschke fackelte nicht lange und verlängerte den Vertrag mit dem Übungsleiter. Der Kader für die laufende Saison wurde sicher auch nach Korkuts Vorstellungen zusammengestellt - nur um den Trainer nach wenigen Wochen erneut zu wechseln. 


Spätestens seit der Entlassung Korkuts ist auch Reschke öffentlich in die Kritik geraten. Direkt nach der 1:3-Niederlage bei ​Hannover 96 am siebten Spieltag stärkte der Sportvorstand seinem Trainer noch den Rücken und betonte, dass eine Trainerdiskussion nicht geführt werde.​ Wenige Stunden später war Korkut gefeuert. Für die Entlassung an sich kann man Reschke allerdings nicht zwingend einen Vorwurf machen, alleine die Aufstellung für das Spiel in Hannover war bereits ein Offenbarungseid. 


Neuzugänge mit Problemen


Wofür man Reschke allerdings zur Verantwortung ziehen kann und muss, ist die Art und Weise der Entlassung und die Tatsache, den Vertrag mit Korkut zu verlängern. Der VfB hat in der Rückrunde 2017/18 klar über seinen Möglichkeiten gespielt und eine Regression zur Mitte hin war zu erwarten, wieso also nicht zunächst den Saisonverlauf abwarten? Des Weiteren muss zum jetzigen Zeitpunkt auch klar die bis dato missglückte Kaderplanung angesprochen werden.


35 Millionen Euro haben die Schwaben im vergangenen Sommer in neue Spieler investiert um in dieser Saison nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben, eventuell sogar um die europäischen Plätze zu spielen. Bisher konnten die neuen Spieler allerdings noch überhaupt nicht überzeugen, was auch Reschke weiß: "Bisher läuft es bei den Neuzugängen nicht optimal". Vor allem der Verkauf von Daniel Ginczek erweist sich Stand jetzt als Fehler, neben Mario Gomez fehlt ein weiterer, starker Stürmer. Der junge Argentinier Nicolas Gonzalez, für 8 Millionen Euro verpflichtet, benötigt sicher noch Zeit - wie zu erwarten war.


Reschke ist vom Kader und Klassenerhalt überzeugt


"Wir sind nach wie vor von dem Kader überzeugt", stellte Reschke bei Sky klar, schloss aber auch Neuverpflichtungen im Winter nicht aus: "Nachjustierungen sind in der Natur der Sache und wir beschäftigen uns momentan damit." Trotzdem seien die VfB-Verantwortlichen weit davon weg, den Kader komplett in Frage zu stellen.


Für den VfB Stuttgart, Michael Reschke und Markus Weinzierl kommt es nun darauf an, diesen Kader, der sicher andere Ansprüche hat, bestmöglich auf den Abstiegskampf einzustellen. Dafür müsse der VfB "auch einiges Verändern", wie Reschke weiter ausführte. Der 61-Jährige glaubt fest an seinen Kader und seinen Trainer: "Wir sind nach wie vor fest davon überzeugt, dass wir die Liga halten."