​Wohl kaum ein Spieler hat die letzten Jahre im deutschen Fußball so geprägt wie ​Thomas Müller. Von Louis van Gaal zu den Profis des ​FC Bayern München nach oben gezogen, war der Offensivspieler über Jahre hinweg das Musterbeispiel eines Spielers, der alles aus seinen Möglichkeiten herausholt und sich sogar bis zum Gewinn der Weltmeisterschaft durchdribbelt. Doch nach so manchem kleineren Formtief in den letzten Jahren durchläuft der Nationalspieler aktuell erneut eine kritische Phase und ist auch beim deutschen Rekordmeister längst nicht immer die erste Wahl.


So konnte Thomas Müller in dieser Saison lediglich in den ersten beiden Bundesligapartien seine Torgefährlichkeit unter Beweis stellen und wartet seitdem unter dem neuen Trainer​ Niko Kovac auf seinen nächsten Treffer. Dabei hängt dem nach außen immer noch meist fröhlich agierenden 29-Jährigen auch noch immer die Schmach von Russland nach. Dass ihm als Stammspieler der deutschen Nationalmannschaft das historische Vorrundenaus bei der Weltmeisterschaft unterlief, kann auch die bayrische Frohnatur nicht einfach wegstecken.

VfL Wolfsburg v FC Bayern Muenchen - Bundesliga

Zumeist zeigt sich Thomas Müller demonstrativ gelassen


Doch anstatt mit den Münchenern seinen Frust am jeweiligen Gegner auszulassen, fand sich der gebürtige Weilheimer bei den Bayern zuletzt immer häufiger auf der Ersatzbank wieder. Spätestens unter dem neuen Cheftrainer hat der legendäre Leitsatz von Louis van Gaal "Müller spielt immer" keine Gültigkeit mehr. Doch nicht nur bei den Bayern muss sich der Offensivspieler zuletzt mit seiner Rolle als Reservist zufriedengeben, auch unter Bundestrainer Joachim Löw, der dem Offensivspieler bislang stets die Treue hielt, war er beim wichtigen Spiel in der Nations League gegen Weltmeister Frankreich nur die zweite Wahl.


Gerade der Verzicht auf Müller bei wichtigen Spielen ist in dieser Form neu. Dies hat jedoch mehrere Gründe. So ist nicht nur die schwache Form des Angreifers für sein neues Reservistendasein verantwortlich, sondern auch die taktische Neuausrichtung vor allem bei den Bayern. So setzt Kovac in der aktuellen Phase vermehrt auf Spieler, die in der Lage sind schnell umzuschalten. In den Halbräumen haben sich so zuletzt Spieler wie James Rodriguez oder Leon Goretzka bewährt. Und auch auf den Flügeln haben derzeit andere die Nase vorn. So war Serge Gnabry auch beim 2:0-Erfolg gegen AEK Athen einer der besten Akteure der Bayern. Wenn wieder fit, gehört zudem Kingsley Coman auf den Außen des deutschen Rekordmeisters die Zukunft.


In den letzten beiden Partien gaben die Ergebnisse Kovac recht. Dennoch ist Müller noch immer eine wichtige Identifikationsfigur bei den Bayern. Schließlich ist der Bayer der dienstälteste Spieler und ging bislang ausschließlich für die Münchener auf Torejagd. Nach den Abschieden von Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm ist er so nach Ansicht so machen Fans der letzte verbleibende Ur-Bayer im immer schnelllebigeren Fußballgeschäft an der Säbener Straße.

AEK Athens v FC Bayern Muenchen - UEFA Champions League Group E

Thomas Müller bestritt bereits 452 Pflichtspiele für den FC Bayern München


Innerhalb der Mannschaft genießt Müller ohnehin weiterhin ein hohes Ansehen und so stärkte auch Joshua Kimmich seinem Nationalmannschaftskollegen zuletzt öffentlich den Rücken. Dabei lobte der Dauerläufer auf der rechten Abwehrseite die tadellose Mentalität Müllers, der seine Teamkollegen auch von der Bank aus stets anfeuert und nicht die beleidigte Leberwurst spielt. Das Rotationsprinzip bei den Münchenern wird jedoch ohnehin dafür sorgen, dass der 98-fache deutsche Nationalspieler schon bald wieder in der Startelf auftauchen wird.


Dass es sich dabei statt eines wichtigen Spiels in der Champions League womöglich um ein Ligaspiel gegen den 1. FSV Mainz 05 handeln wird, macht jedoch deutlich, dass Müller sich nun erst einmal über starke Leistungen empfehlen werden muss. In den letzten Jahren haben sowohl die Bayern, als auch die deutsche Nationalmannschaft einen Generationenwechsel ein Stück weit verschlafen - dass ausgerechnet Müller ein erstes Opfer der Kaderverjüngung wird, war so vor nicht allzu langer Zeit kaum abzusehen, angesichts der aktuellen Lage, sowohl bei den Bayern, als auch beim DFB, sind diese Schritte jedoch durchaus nachvollziehbar.