In einem Interview mit der Rheinischen Post im April erklärte Dieter Hecking, die Verletztenmisere sei der Hauptgrund für die eher mäßigen Leistungen seines Teams in der Saison 2017/2018. Wenn alle Spieler fit seien, gäbe es auch wesentlich bessere Resultate und daran würde er sich dann messen lassen. Bis auf Raffael, dem nur noch wenige Prozentpunkte fehlen, hat Hecking jetzt alle Mann an Bord - Zeit für das Maßband.


​Borussia Mönchengladbach hatte in der Saison 2017/18 wahrlich ein Problem mit Verletzungen. An die zusammengerechnet 1923 Verletzungstage aller Spieler kam kein anderer Bundesligist heran, im Schnitt fehlten den Fohlen mehr als sieben Akteure pro Spiel. Dieter Hecking konnte so nie aus dem Vollen schöpfen und musste die Mannschaft ständig verändern. Für den Coach der Fohlen war dies ganz klar der Hauptgrund für Platz neun und das Verpassen des europäischen Geschäfts.


Doch konnte dies wirklich der alleinige Grund für die teilweise sehr schwachen Auftritte sein? Wichtige Spieler wie Matthias Ginter, Jannik Vestergaard, Thorgan Hazard oder auch Lars Stindl standen beinahe die gesamte Saison zur Verfügung und Verletzungen waren sicher nicht der Grund für den einen oder anderen uninspirierten Auftritt. Als Beispiel wäre hier die 0:1-Niederlage in Stuttgart zu nennen, bei der der VfB nach fünf Minuten traf und sich danach nur noch hinten einigelte - doch der Borussia fiel nichts ein. Oder auch das 2:2 gegen Werder Bremen, als vor heimischer Kulisse eine Zwei-Tore-Führung verspielt wurde. In beiden Fällen stand eine erfahrene Mannschaft, bestehend überwiegend aus Stammkräften, auf dem Feld.


Aus diesem Grund gab es aus dem Fanlager der Gladbacher durchaus lauter werdende Kritik an Hecking und auch der Coach selbst gab gegenüber der Rheinischen Post zu, dass so mancher Punkt mehr möglich gewesen wären. Auf den Einwand hin, dass es ohne Widrigkeiten ja dann deutlich besser laufen müsste, sagte Hecking: "Es wäre auch besser gelaufen, davon bin ich zu 100 Prozent überzeugt. Daran lasse ich mich gerne messen, wenn es so weit ist." 


Die Verantwortlichen der Borussia haben daraufhin im Sommer gehandelt und nicht nur den Kader, sondern auch das Team drum herum, inklusive medizinischer Abteilung, verändert. Ob es daran liegt oder ob der VfL nun einfach mehr Glück hat, ist reine Spekulation, doch bis auf Raffael sind bei der Borussia aus Mönchengladbach mittlerweile alle Spieler wieder fit. Nun ist also der Zeitpunkt gekommen, das Maßband anzulegen. 


Beim Blick auf die Tabelle fällt dabei schnell auf: Hecking wusste offensichtlich genau, wovon er sprach, denn nach acht Spieltagen stehen die Fohlen auf Rang zwei. Dies ist vollkommen zurecht der Fall, denn die Elf vom Niederrhein spielt im veränderten System sehr attraktiven und offensiven Fußball, wie zuletzt beim 4:0 gegen Mainz 05 wieder beobachtet werden konnte. Zudem tun die Wechselmöglichkeiten dem Team gut, besonders im Mittelfeld ist die Mannschaft so gut und vor allem tief besetzt wie kaum ein anderer Bundesligist. Mittlerweile wird im Borussia-Park nur noch davon gesprochen, wie denn bitte ein ​Raffael, der eigentlich auch immer spielen muss wenn er fit ist, auch noch integriert werden soll.

Dieter Hecking nutzt die volle Verfügbarkeit seines Kaders perfekt aus und konnte deshalb nach dem Mainz-Spiel sagen: "Für mich sind dabei gerade die wichtig, die heute nicht gespielt haben, die nicht im Kader waren. Denn diese Spieler halten die Qualität im Training sehr hoch und sorgen dafür, dass sich jeder strecken muss, um zu spielen." 


Offenbar hat tatsächlich genau das der Fohlenelf im Vorjahr gefehlt. Bei all der berechtigten Kritik an Hecking im vergangenen Sommer muss zum jetzigen Zeitpunkt resümiert werden, dass der Trainer die Chance verdient hatte, mit einem vollständigen Kader zu beweisen, dass er die Borussia zurück nach Europa führen kann. Das sollte auch die letzten Gegner Heckings zumindest für den Moment verstummen lassen.