In einer Bayern-Mannschaft, in der sich das Karriere-Fenster für einige Leistungsträger langsam schließt, gestaltet sich der Kompromiss aus alt und neu, nicht immer einfach. Einer, der in den Zukunftsmodellen von Trainer Nico Kovac eine dezimierte Rolle spielt, glänzt in diesen turbulenten Zeiten durch Ruhe und Loyalität - Javi Martinez.


Woran der ​FC Bayern dieser Tage zu nagen hat, ist die Tatsache, dass der altbewährte Ballbesitz-Fußball allmählich an Effektivität verliert. Der Sport hat sich insofern verändert, als vermeintlich schwächere Mannschaften jede kleine Ungenauigkeit knallhart ausnutzen. Vielfach verliert dadurch dieser Tage das balldominante Team ein Spiel, weil es ein- zweimal ausgekontert wird. Nur darauf spekulieren die "Kleinen" - mit Erfolg.


Doch während sich die Münchener mit diesem Umstand zurechtfinden müssen, arbeiten FCB-Trainer Niko Kovac und sein Team noch an einer anderen Fragestellung: Wie gelingt ein homogener Generationswechsel in einer Top-Mannschaft, ohne das renommierten und hochdekorierten Spielern auf die Füße getreten wird?


Das ist alles andere als einfach. Inzwischen haben zahlreiche Spieler, insbesondere die, die schon vor fünf Jahren beim Champions-League-Sieg dabei waren, die 30 geknackt. Gleichzeitig drängen junge Akteure auf Spielzeit. So herrscht eine hohe Rotation in der Startelf der Bayern, bei denen man verzweifelt nach Konstanz sucht.

VfL Wolfsburg v FC Bayern Muenchen - Bundesliga

München-Trainer Niko Kovac probiert in seinen Mannschaftsaufstellungen noch viel aus



So kommt es, dass selbst Mittelfeld-Routinier Javi Martínez im Schnitt nur in jedem zweiten Bundesligaspiel eingesetzt wird. Erst zweimal durfte der 30-Jährige gar über 90 Minuten ran. Kovacs Mut und Experimentierfreude in allen Ehren - wäre nicht gerade der Spanier einer, der dem Rekordmeister zu alter Souveränität verhelfen könnte?


Die Statistik gibt hier eine deutliche Antwort: In der bayerischen Mini-Krise gingen zwei Spiele verloren - gegen Berlin und Gladbach. Beide Male saß der 40-Millionen-Transfer von 2012 die volle Spielzeit auf der Bank. In acht Pflichtspielen mit Martínez musste der FCB nicht eine Niederlage einstecken - sechsmal gewannen die Münchener. 


Trotz dieser Faktenlage findet sich der spanische Weltmeister häufig auf der Bank wieder. Abseits der Platzes jedoch macht er genau das, was ihm auch auf dem Rasen so gut gelingt - seine Mannschaft entlasten. Woraus mancher dem Trainerstab einen Strick drehen würde, wird vom Bayern-Sechser nicht groß beachtet. Nach den Niederlagen, bei denen er nur zusah, ​stellte er sich schützend vor sein Team. "Genießt euren Moment", sagte der Ex-Nationalspieler seinerzeit den Kritikern und kündigte eine Rückkehr zu alter Stärke an.

FC Bayern Muenchen v Borussia Moenchengladbach - Bundesliga

Aktuell nicht selten auf der Bank: Javi Martinez (2. v. l.)



Ob es nun die Loyalität des Spaniers war oder nur eine taktische Maßnahme von Coach Kovac: Die angekündigte Reaktion durfte Martínez am vergangenen Wochenende volle 90 Minuten zeigen. Und sein Versprechen bewahrheitete sich: Mit einem ​3:1-Sieg gegen Wolfsburg machte der amtierende Meister den ersten Schritt in Richtung Trendwende - auch dank des defensiven Mittelfeldspielers. 


Dem Bundesliga-Veteran gelang es, mit seiner Präsenz der Abwehr ein wenig den Druck zu nehmen. Ob dem Trainer das Plus an defensiver Sicherheit als Empfehlung für mehr Spielzeit genügt, bleibt abzuwarten. Verdient hätte der loyale Javi Martínez jede Minute.