Wieder was gelernt: Die 14 Erkenntnisse vom Fußball-Wochenende

Mit jedem Spieltag lernen wir ein wenig mehr über Entwicklungen, Trends und Kuriositäten aus Bundesliga  und internationalen Fußball. 14 Dinge, die wir vom Wochenende mitnehmen:

1. Eggestein, Glück allein - Werder im Höhenflug

Was wurde Florian Kohfeldt vor der Saison belächelt, als er ambitioniert den europäischen Wettbewerb als Saisonziel ausgab. Heute sind fünf Siege aus acht Spielen, nur eine Niederlage und vor allem Platz drei zuverbuchen! Das hätten sich selbst manche Bremer Fans vor der Saison wohl nicht träumen lassen. Doch nach souveränem Auftritt in der Veltins-Arena und einem Doppelpack von Matchwinner Maximilian Eggestein, der aktuell in gewisser Weise seinen Durchbruch feiert und immer stärker in den Dunstkreis der Nationalmannschaft rückt, sind die Weichen nach wie vor auf Europa gestellt. Zudem trennen die Werderaner nur drei Punkte von der Tabellenspitze. Top!

2. Schalke unstabile (Schein-)Stabilität

Ganz kurz hatte man gedacht, der Vizemeister der vergangenen Saison hätte sich gefangen. Wie trügerisch aber zwei Bundesliga-Siege sein können, von denen einer auch noch gegen einen Aufsteiger gelingt, zeigten die Königsblauen am Wochenende eindrucksvoll. Die defensive Vorsicht, die Schalke an den Tag legte, zahlte sich zum einen nicht aus, zum anderen wich sie offensiv der Zaghaftigkeit und Ineffektivität. Für das Spiel gegen Istanbul am Mittwoch müssen sich die Knappen mehr, oder zumindest etwas anderes einfallen lassen. 

3. Nach PK-Beben: Bayern is Back!

Auf diese Reaktion werden die Bayern-Bosse gehofft haben. Nach der zornigen Pressekonferenz des Vereinsvorstands und dessen Appell an Zusammenhalt, ließ der Rekordmeister nach vier sieglosen Spielen gegen den VfL Wolfsburg endlich mal wieder die Muskeln spielen - Lewandowski sei Dank. 

Der 3:1-Sieg gegen die Wölfe soll ein Befreiungsschlag sein, doch gilt es, die gute Leistung morgen in Athen zu bestätigen und nicht (wie der FC Schalke) rückfällig zu werden. 

4. Der BVB mit meisterlichen Werten!

Während eine Ruhrpott-Mannschaft wankt, kommt die andere aus dem Jubeln gar nicht mehr heraus. Der BVB hat unter Lucien Favre noch immer nicht verloren und schoss gegen den VfB Stuttgart zum fünften Mal in acht Spielen mehr als drei Tore. Mittendrin natürlich auch wieder Paco Alcácer mit seinem siebten Tor in vier Einsätzen. Der Spanier trifft in der Bundesliga alle 18 Minuten - Wahnsinn!

Und in Dortmund häufen sich jetzt die Rekorde: 10 Joker-Tore in acht Spielen gab es noch nie, dazu hat Marco Reus in seiner Karriere nun an jedem Spieltag mindestens einmal getroffen. Besser als in dieser Saison waren die Dortmunder bis hierhin nur 2010/11. Damals wurden die Borussen Meister!

5. VfB Stuttgart: Hoffnung trotz Niederlage?

0:4-Niederlage zum Einstand - das klingt nach einem rabenschwarzen Debüt für den neuen Coach des VfB Stuttgart, Markus Weinzierl. Doch schon innerhalb der zugegebenermaßen deutlichen Partie des Tabellenvorletzten konnte man den Einfluss des 43-Jährigen bemerken. Kassierten die Schwaben vor der Halbzeitpause drei der vier Gegentore, zeigten sie in Hälfte zwei deutlich mehr Courage und kamen gegen den Tabellenführer sogar zu ausgezeichneten Chancen. Grund dafür auch: Die Systemumstellung auf ein 3-4-3 bzw. 3-5-2. Eine Ausrichtung für die Zukunft?

Sollte der zweite Durchgang ein Vorgeschmack der Richtung sein, in die sich der VfB unter Weinzierl entwickelt, darf man in Stuttgart trotz verlorener Punkte hoffnungsvoll nach vorne schauen. Schon gegen die womöglich Europa-geschwächten Hoffenheimer ist am Samstag ein Punktgewinn möglich.

6. Aller Aufstieg ist schwer!

Das Dasein als Aufsteiger ist unfair! Da gewinnt man ein Jahr lang mehr als mindestens 16 andere Teams und zum Dank darf man im Folgejahr versuchen, gegen 17 andere Mannschaften nicht ständig und deutlich zu verlieren. Erstliga-Neulingen gelingt das mal besser, mal schlechter. 

In dieser Spielzeit tun sich sowohl die Düsseldorfer Fortuna als auch der FC Nürnberg extrem schwer mit der Mission Klassenerhalt. Während Düsseldorf nach der 1:7-Klatsche in Frankfurt Bundesliga-Schlusslicht ist, steht der Club zwar nach acht Spieltagen auf einem Nicht-Abstiegsplatz, musste aber in 0:6- und 0:7-Niederlagen in dieser Saison ebenfalls schon erkennen, dass sich ihre Leistung der Liga noch nicht angepasst hat. Beide Aufsteiger müssen Acht geben, irgendwie Anschluss zu finden, bevor es zu spät ist, denn Eines ist gewiss: Eine Bundesliga-Saison ist lang und hart - gerade für Neulinge. 

7. Mehr Eintracht geht nicht!

Pokalsieger hin oder her - Vor der Saison rechnete keiner mit den Frankfurtern. Trainer weg, Mehrfach-Belastung durch die Europa League, zu viel sprach gegen die Hessen. Als der Verein dann auch noch in der ersten Runde des DFB-Pokals ausschied, fühlten sich alle Zweifler bestätigt: Frankfurt spielt gegen den Abstieg. 

"Nichts da!", muss sich Adi Hütter gedacht haben, der auch nach wackeligem Bundesliga-Start nicht den Glauben an seine Truppe verlor und zuletzt nun nicht mehr ans Verlieren denkt. Seit dem 30. September spielen die amtierenden Pokalsieger gar nicht erst Unentschieden. Der Klub aus der Main-Metropole gewann seine vier letzten Partien - drei davon mit mindestens drei Toren Vorsprung. 

Eine Wahnsinns-Entwicklung, die die SGE neben dem Trainer einer resoluten Defensive und seinen zahlreichen Offensiv-Waffen zu verdanken hat. Spätestens seit neben Haller und Jovic auch Vizeweltmeister Ante Rebic wieder mit von der Partie ist, läuft der Frankfurter Angriff so rund wie lange nicht. Beim 7:1 gegen Düsseldorf der Kroate nicht einmal dabei. Beim hessischen Bundesligisten herrscht mehr Eintracht denn je und Mainhattan schielt schon wieder nach Europa.

8. Bayer strauchelt weiter - Hat Heiko sich verHerrlicht?

Europäisch spielt derzeit auch noch die Werkself aus Leverkusen. Mit nominell starker Truppe und großen Ambitionen in die Saison gestartet, verloren die Leverkusener bislang alle Spiele gegen große Vereine. Nach Remis gegen den SC Freiburg und nun auch Hannover 96 stellt sich die Frage, wie eine Mannschaft, der nicht mehr gelingt Elfmeter im Tor unterzubringen, in dieser Saison überhaupt noch oben angreifen möchte. Auch die Stimmen, die eine Beurlaubung von Bayer-04-Trainer Heiko Herrlich fordern werden lauter. Am Donnerstag in Zürich müssen die Rheinländer ein Zeichen setzen, sonst dreht sich womöglich bald wieder das Trainerkarussell. 

9. Wenn Borussen Borussen jagen...

Am selben Fluss, nur weiter nördlich, weht ein anderer Wind. Da sorgt Borussia Mönchengladbach nämlich aktuell für Furore. Nachdem die "Fohlen" überraschend schon Rekordmeister Bayern München 3:0 aus der Allianz-Arena gefegt hatten, legten sie gestern zu Hause gegen Mainz gleich noch einen drauf - 4:0! Am Niederrhein herrscht beste Stimmung, auch weil die Offensive mit Pléa, Hazard und Jonas Hofmann derzeit bestens aufgelegt ist. Mönchengladbach steht nach dem Sieg nun auf dem zweiten Tabellenplatz und ist damit Dortmund-Verfolger Nummer eins. Was eine Schwächephase des FC Bayern so alles ausmachen kann...

10. Ein (Hof-)Mann für Jogi?

Eine Mannschaft im Aufschwung profitiert stets von einzelnen Akteuren, die über sich hinauswachsen. Im Fall von Borussia Mönchengladbach ist das in erster Linie Mittelfeldspieler Jonas Hofmann. Hatte er gegen die Bayern noch "nur" zwei Tore aufgelegt, schlug er gegen seinen Ex-Klub aus Mainz selbst zu - und zwar nicht zu knapp. Ein Dreierpack stand für den zentralen Mittelfeldspieler am Ende zu Buche und der lässt nun Forderungen aufkommen, in Zeiten des Umbruchs beim DFB auch dem 26-jährigen Gladbacher eine Chance in der Nationalmannschaft zu geben. Für die U21 hatte Hofmann seinerzeit noch gespielt. Dabei war er erfolgreich: In zehn Länderspielen traf der Borusse fünfmal. 

11. Chelsea weiter ungeschlagen - nächster Mourinho-Ausraster

Während die Bundesliga spannender ist denn je, lohnt sich weiterhin auch ein Blick auf die Insel. Dort ist der FC Chelsea nach einem Lucky Punch von Ross Barkley in der 96. Minute - sehr zum Unmut von Manchester-United-Trainer Mourinho - seiner ersten Saison-Niederlage entkommen. Ungeschlagen stehen die Londoner von Coach Maurizio Sarri nun auf Platz drei der Premier League, während ManUnited auf den zehnten Rang fällt. 

12. Kein Aufhalten für ManCity und die "Reds"

Zwei Teams jedoch stehen noch besser da als die Blues: Ebenfalls ohne Liga-Niederlage und punktgleich belegen Manchester City und der FC Liverpool die ersten beiden Tabellenplätze. Während sich die Mannschaft von Jürgen Klopp mit einem 1:0 gegen den Vorletzten aus Huddersfield gerade so drei Punkte ergatterte, dominierten die Cititzens um Pep Guardiola erneut und schlugen den FC Burnley mit 5:0. ManCity, bei denen Nationalspieler Leroy Sané den Endstand markierte, siegte damit zum dritten Mal in dieser Spielzeit mit fünf Toren Vorsprung und hat nun 23 Tore mehr erzielt als seine Gegner - nach nur neun Spielen unfassbar!

13. Kroos-los: Real mit Negativ-Rekord

In Spanien läuft derweil nach dem Abgang von Cristiano Ronaldo bei Real Madrid nichts mehr zusammen. Die Hauptstädter, die inklusive Champions League keines ihrer letzten fünf Spiele gewinnen konnten, verloren am Samstag in der Liga gegen Levante und rutschten prompt auf den siebten Tabellenplatz ab. 

Kurios: Toni Kroos, als Leistungsträger der Madrilenen sonst gesetzt, saß 90 Minuten lang auf der Bank. Solch fragwürdige Entscheidungen von Trainer Julen Lopetegui könnten bei Fortsetzung des Negativtrends dessen baldiges Aus bei den Königlichen bedeuten. 

Gegen Pilsen muss für den Champions-League-Sieger der vergangenen Saison nun ein Sieg her, um am nächsten Liga-Spieltag mit Selbstbewusstsein auftreten zu können - Da geht es nämlich im "Clásico" ausgerechnet gegen den Tabellenführer FC Barcelona.

14. Icardi: König von Mailand

Eines der größten italienischen Derbys fand am vergangenen Wochenende statt. Das Stadt-Duell zwischen Inter und AC Mailand drohte lange als torloses Remis zu enden. Mauro Icardi wollte sich damit allerdings nicht ganz zufrieden geben. In der zweiten Minute der Nachspielzeit entschied er das Match per Kopfball für die Nerazzurri. Für den 25-jährigen Inter-Kapitän das vierte Saisontor - und was für ein wichtiges. Sein Verein steht damit nach neun Spieltagen auf dem dritten Tabellenplatz, Stadtkonkurrent AC Mailand dümplet auf Rang zwölf. 

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