​Es war eine denkwürdige Pressekonferenz, die sich am heutigen Freitagmittag an der Säbener Straße abspielte. Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge und FCB-Präsident Uli Hoeneß sowie Sportdirektor Hasan Salihamidzic versammelten sich vor der Presse, um eine Brandrede gegen selbige zu halten.

Die Bayern-Verantwortlichen forderten eine "faktische Berichterstattung" ein, und gingen dabei soweit, das Grundgesetz zu zitieren und öffentlich Unterlassungsklagen bekannt zu machen. Was bleibt, ist der Eindruck von Scheinheiligkeit und die Frage, welches Ziel die Bayern mit dieser Posse verfolgen. 


Die ​Pressekonferenz und die darin erhobenen Vorwürfe offenbarten der gesamten Fußballöffentlichkeit überdeutlich, wie angespannt die Lage beim FC Bayern nach zuletzt vier sieglosen Spielen in Folge tatsächlich ist. Die altgedienten Bayern-Bosse Hoeneß und Rummenigge zeigten dabei eine extrem dünnhäutige Reaktion auf die deutliche, teils sehr harte, aber definitiv berechtigte Kritik an den Leistungen des FC Bayern in den letzten Spielen, den Leistungen der deutschen Nationalmannschaft in den letzten Monaten und dezidiert einiger bayrischer Nationalspieler. 


Die Kritik an Spielern wie Thomas Müller, Jerome Boateng, Mats Hummels und Manuel Neuer, aber auch den Trainern Joachim Löw und Niko Kovac sei nach Meinung der Bayern-Bosse "despektierlich, respektlos" und "polemisch" gewesen.

Die Kritik am Stil der Medien ist scheinheilig


Diese Vorwürfe hindern die Hoeneß und Rummenigge jedoch nicht daran, in genau derselben, von ihnen angeprangerten Weise über andere Spieler und Personen zu sprechen. Man denke dabei an Hoeneß' Kommentar zu Mesut Özil ("seit Jahren einen Dreck gespielt"). Und so erlaubte sich der FCB-Präsident auch, auf genau derselben Pressekonferenz, bei der der Bayern-Vorstand den Stil der Medien und Experten angriff, absolut despektierlich über einen ehemaligen eigenen Bayern-Spieler zu sprechen: "Als wir in Sevilla gespielt haben, war Juan Bernat fast alleine dafür verantwortlich, dass wir aus der Champions League beinahe ausgeschieden sind. Was er für einen Scheißdreck gespielt hat. Da wurde entschieden, dass er verkauft wird", polterte Hoeneß über den vor der Saison zu Paris Saint-Germain gewechselten Linksverteidiger Juan Bernat, nur um wenige Augenblicke später zu betonen: "Wir agieren hier familiär. Das Wort Dankbarkeit spielt bei uns eine große Rolle." Solche Äußerungen, während man selbst gerade eine Medienschelte anbringt, sind an Scheinheiligkeit nicht mehr zu überbieten.


Berechtigte Kritik muss frei sein


Ohne Frage schießt die mediale Berichterstattung in ihrer Überspitzung teilweise über das Ziel hinaus, ohne Frage ist es das gute Recht von Vereinen und Spielern, sich rechtlich gegen Falschbehauptungen zu wehren, und ohne Frage haben Personen wie Manuel Neuer, Thomas Müller oder Joachim Löw große Verdienste um den deutschen Fußball - dennoch erforderten die Leistungen sowohl von ​Bayern München, als auch der deutschen Nationalmannschaft und einzelner Spieler, dass in einer deutlichen, kritischen Art und Weise darüber berichtet wird. Und die Bewertung, welcher Stil und welche Positionen dabei angemessen sind, liegt in der Hand der Medien selbst und notfalls der Justiz. Abseits des rechtlichen Rahmens liegt es nicht in der Hand des FC Bayern zu entscheiden, welche Meinung "richitg" und welcher Stil angemessen ist.

Die Bayern-Bosse sollten zu den eigenen Worten stehen


Rummenigge bemühte auf der heutigen Pressekonferenz gar das Grundgesetz, um den Vorwürfen Nachdruck zu verleihen: "Die Würde des Menschen ist unantastbar. Man macht sich offensichtlich keine Gedanken mehr über Werte wie Würde und Anstand. Polemik scheint keine Grenzen mehr zu kennen." 


Dem ist angesichts der polemischen Einlassungen der Bayern-Bosse zu entgegnen, dass diese Würde und dieser Anstand nicht einseitig gelten - man denke an den hinterrücks gescholtenen Juan Bernat. Und um bei Hoeneß eigenen Worten zu bleiben: "Wir lassen Ihnen Ihre Meinung und sie lassen uns unsere." Worten sollten Taten folgen - denn so wie für "die Medien" der von Rummenigge zitierte erste Artikel des Grundgesetzes gilt, gilt auch für den FC Bayern der fünfte Artikel: 'Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten.'


Sollte das Ziel der Bayern-Bosse gewesen sein, mit der heutigen Pressekonferenz etwas Druck aus der sportlichen Situation zu nehmen, oder die mediale Aufmerksamkeit von der Mannschaft und Trainer Kovac abzulenken, war dies ein Irrtum - die Reaktionen auf diese denkwürdige PK zeigt, dass die Arbeit des FC Bayern und vor allem der in Schutz genommenen Spieler nun unter einem Brennglas liegt.