​Die Saison 2017/18 verlief nicht optimal für Borussia Mönchengladbach. Die Mannschaft schien sich unter Trainer Dieter Hecking nicht weiterzuentwickeln und zeigte oftmals keinen ansehnlichen Fußball. Zur aktuellen Spielzeit kann man aber nach sieben Spieltagen sagen: Der Turnaround ist geglückt!


Am 10. März 2018 war ​Borussia Mönchengladbach bei Bayer Leverkusen zu Gast. Trotz einer mäßigen Hinrunde mit teilweise einschläferndem Fußball und einem verkorksten Rückrundenstart war die Borussia noch immer im Rennen um die Europapokalplätze. Ein direkter Konkurrent dabei war Bayer Leverkusen. Die Werkself zeigte sich ebenfalls ein wenig inkonstant und hatte die letzten beiden Heimspiele verloren. Als der Schiedsrichter abpfiff, stand es dennoch 2:0 für Bayer und die Borussia-Fans auf der Tribüne blieben ratlos und enttäuscht zurück.


Es entwickelte sich das Gefühl, dass die Fohlenelf auf dem Rasen nicht wirklich alles versuchte, um in diesem Spiel zu punkten. Leverkusen war alles andere als dominant und bis Julian Brandt in der Nachspielzeit das zweite Tor schoss, war es eine Schlafmützigkeit in der Gladbacher Abwehr, die den Unterschied ausmachte. Immer wieder ergaben sich Möglichkeiten und Räume für den VfL, doch die Mannschaft verlangsamte das Spiel immer wieder und bot einen absolut ideenlosen Offensivfußball. Es wurde eine große Möglichkeit verpasst, bei einem Tabellennachbarn auswärts zu punkten und als die Spieler nach Abpfiff in die Gästekurve liefen, bekamen sie den Unmut der mitgereisten Borussen-Anhänger zu spüren. Diese Situation gab es in der Saison 2017/2018 des Öfteren, was bei den Spielern und Verantwortlichen für Unverständnis sorgte. Doch die Mannschaft von Trainer Dieter Hecking schien sich in dieser Saison schlicht nicht entwickelt zu haben und somit stieg der Unmut unter den Anhängern. 


Als Hecking die Mannschaft zur Winterpause der Saison 2016/2017 übernahm, lag sie am Boden. Er schaffte es, ihr neue Stabilität zu verpassen und spielte eine gelungene Rückrunde. Am Ende wurden die europäischen Plätze nur knapp verpasst, eigentlich ein gutes Zeugnis – doch wäre hier bereits mehr möglich gewesen. Zum Ende der Saison, als große Sprünge in Richtung der internationalen Plätze machbar gewesen wären, setzte es immer wieder unnötige Niederlagen. Auch die guten Auftritte in der Europa League in Florenz oder beim absolut unglücklichen Ausscheiden gegen Schalke 04 konnten nicht über das Gesamtbild hinwegtäuschen, nach der Stabilisierung konnte der nächste Schritt nicht gemacht werden.


In der neuen Spielzeit ging es nun darum, das durchaus vorhandene Potenzial der Mannschaft abzurufen. Auch wenn Max Eberl und alle anderen Verantwortlichen gebetsmühlenartig weiterhin vom einstelligen Tabellenplatz sprachen, war der Kader definitiv gut genug aufgestellt, um unter den besten Sechs der Bundesliga zu landen. Doch war der Spielstil offensiv meist viel zu langsam und ungefährlich, dazu kam eine anfällige Defensive. Das Team stagnierte und zeigte nicht sein gesamtes Können, Spiele der Borussia anzusehen war oftmals langweilig. Zugegeben, Hecking hatte mit einem großen Verletzungspech zu kämpfen. Trotzdem stand dort zu jeder Zeit eine überdurchschnittliche Bundesliga-Mannschaft auf dem Rasen und Tugenden wie Einsatz und Wille, die augenscheinlich manchmal fehlten, haben damit nichts zu tun.


Eberl ließ sich im Sommer 2018 dennoch nicht auf eine Trainerdiskussion ein. Er stellte frühzeitig klar, dass Hecking, dessen Vertrag noch ein Jahr Laufzeit beinhaltete, bleiben werde. Doch eines tat er nicht: Den Vertrag verlängern. Eberl gab Hecking also noch eine Chance, doch er hielt sich ein Hintertürchen offen, den Trainer noch eine Weile zu bewerten. Dass dies überhaupt möglich war, muss Hecking hoch angerechnet werden. Er sah es nicht als fehlendes Vertrauen, wie etwa Ralph Hasenhüttl in Leipzig, der nicht mit nur einem Jahr Vertragslaufzeit arbeiten wollte. Laut eigenen Aussagen war es für den VfL-Coach schlichtweg nicht wichtig – die Gespräche würden zu gegebener Zeit schon kommen.


Das Beispiel Tayfun Korkut, dessen Vertrag beim VfB Stuttgart im Sommer 2018 nach erfolgreichem Start sofort verlängert wurde, zeigt, dass Eberl hier schlau gehandelt hat. Hätte es Hecking nicht geschafft, die Mannschaft wirklich nach vorne zu bringen, hätte er ohne große finanzielle Verbindlichkeiten handeln können. Stuttgart hat Korkut nun noch fast anderthalb Jahre auf dem Gehaltszettel. Doch dies scheint nun ohnehin nicht nötig. Dieter Hecking verpasste der Fohlenelf im Sommer ein neues Gesicht. Die Systemumstellung auf 4-3-3 erwies sich als echter Glücksgriff und endlich zeigt die Mannschaft, was in ihr steckt. Die starken Neuverpflichtungen, allen voran natürlich Alassane Plea, tun ihr übriges.

Plötzlich wird nicht mehr darüber diskutiert, ob Hecking vielleicht gehen sollte. Stattdessen fragt nun jeder, wann denn endlich der Vertrag verlängert wird. Noch ist es zu früh, ein Fazit zu ziehen, denn es sind schließlich erst sieben Spieltage in der Bundesliga gespielt. Doch eines muss man festhalten: Max Eberl steht für Kontinuität und dies hat sich erneut ausgezahlt. Er erledigte seinen Job, Hecking einen verbesserten Kader zur Verfügung zu stellen, und der Coach holt nun endlich alles aus der Mannschaft heraus.


Nichts ist mehr zu sehen vom gähnend langweiligen Spielstil im März in Leverkusen. Beim fast schon märchenhaften 3:0-Sieg in München zeigte die Mannschaft wieder einmal eine grandiose Laufleistung (Borussia Mönchengladbach steht hier auf Platz drei in der Bundesliga), ließ im defensiven Verbund, bei dem ausnahmslos jeder mitarbeitete, so gut wie keine richtigen Torchancen zu und war zudem nach vorne zielstrebig, schnell und gnadenlos effektiv. Alles, was die Elf vom Niederrhein in der Vorsaison vermissen ließ, ist plötzlich da.


Eberl und Hecking haben über den Sommer hervorragende Arbeit geleistet. Es gab viele Zweifler, vor allem am Trainer. Aber auch ​Eberl wurde ob seiner konservativen Aussagen zur Zielsetzung und dem Festhalten am Coach kritisiert. Doch mittlerweile sollte auch der letzte Nörgler eingesehen haben, dass sich die sachliche Arbeit erneut ausgezahlt hat und es eine mehr als nur positive Entwicklung gab. Und auch wenn eine zu erwartende Schwächephase eintritt, sollte eines nicht vergessen werden: Eberl und Hecking haben bewiesen, dass sie daraus die richtigen Schlüsse ziehen und das Blatt wenden können. Ein beruhigender Gedanke.