Wenn es darum geht, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, ist Manchester-United-Trainer José Mourinho eine Klasse für sich. Nach einem verkorksten Saisonstart und Auseinandersetzungen mit einigen seiner Leistungsträger nutzte "The Special One" nun die Gelegenheit, nach dem knappen Sieg gegen Newcastle gestern Abend die mediale Berichterstattung um seine Person ein weiteres Mal zu kritisieren. 


Nachdem Alexis Sánchez am Samstagabend per Kopf in letzter Minute das 3:2-Siegtor für seine Mannschaft aus Manchester erzielte, konnte auch Trainer José Mourinho nicht verbergen, wie wichtig die drei Punkte für sein Team und für ihn sind. Die Fäuste ballend kniete der 55-Jährige am Spielfeldrand. Zu groß war der Druck im Vorhinein, auf ihn mehr noch als auf die Spieler. Nicht nur hatte es dem englischen Rekordmeister zuletzt an Klasse gefehlt, auch war es der portugiesische Trainer-Star selbst gewesen, der durch ​Auseinandersetzungen mit seinen Athleten für Schlagzeilen sorgte

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Erleichtert bejubelte José Mourinho den Siegtreffer von Alexis Sánchez


Um so wichtiger der gestrige Sieg in einem Spiel, das Manchester United trotz des Ergebnisses fernab von souverän gestaltete. Früh lagen die Red Devils gegen Newcastle 0:2 zurück, erst in der zweiten Hälfte kämpfte sich die Mourinho-Truppe in die Partie, die sie in letzter Minute zu ihren Gunsten entscheiden konnte. Immerhin: Trotz durchwachsener Leistungen vergangener Wochen zeigte das Team Moral und schaffte sich so dringend nötigen Rückenwind. 


Ohne zu zögern nutzte diesen Coach Mourinho nach dem Spiel, um seine Warte der Dinge zu veranschaulichen. Als Buhmann fühle er sich, als Verfolgter, der nichts richtig machen könne: "Wenn ich heute Abend nach London gehe und es dort morgen regnet, ist es meine Schuld. Wenn es Probleme mit dem Brexit gibt, ist es meine Schuld. Es gibt viel Boshaftigkeit, eine offensichtliche Jagd auf mich", erklärte "The Special One" verbittert den Reportern. Was diese Jagd beenden könne, fragte einer. Die nicht minder enttäuschte Antwort des Portugiesen: "Gar nichts".

Und so gelang es José Mourinho mit seinem Selbstmitleid, dass es an einem erfolgreichen Abend seiner Mannschaft letztendlich wieder um ihn ging. Ruhe kehrt in Manchester durch seine Aussagen dabei sicher nicht ein. Vielmehr sorgte "Mou" selbst dafür, als Trainer von Manchester United weiterhin und mehr denn je kritisch hinterfragt zu werden - und dabei ein wenig zu wirken wie ein beleidigtes Kind.