Die rund 81.000 Zuschauer im Signal Iduna Park erlebten am Samstagnachmittag eine schier verrückte Partie. Vor heimischer Kulisse lag Borussia Dortmund mit 0:1 zur Pause gegen den FC Augsburg zurück, ​doch Lucien Favre bewies erneut ein goldenes Händchen und leitete mit seinen Einwechslungen den vierten Pflichtspielsieg in Folge ein. Im Fokus stand Paco Alcácer, der sich bei den Fans mit einem Hattrick schon jetzt ein wenig unsterblich machte, und dem Trainer beinahe die Sprache verschlug.


59 Minuten lang verbrachte der Spanier auf der Bank, nachdem er wenige Tage zuvor beim 3:0-Erfolg in der Champions League gegen die AS Monaco über 90 Minuten auf dem Feld stand. Seit drei Jahren habe er kein Spiel mehr über die volle Distanz absolviert, erklärte Favre auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. Daher entschied sich der Schweizer für Maximilian Philipp, doch er wusste auch: Alcácer ist "immer bereit, für 30, 35 Minuten zu kommen."


Schon in seinen ersten beiden Einsätzen gegen Eintracht Frankfurt und Bayer Leverkusen erzielte er insgesamt drei Tore, und auch in seinem dritten Ligaspiel mussten die Fans des BVB nicht lange auf ein Tor der Leihgabe des FC Barcelona warten. Nur drei Minuten nach seiner Hereinnahme stand er im Strafraum goldrichtig, verwertete die insgesamt siebte Torvorlage von Jadon Sancho und erzielte den zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich. Nach dem erneuten Rückstand durch Philipp Max war es erneut Alcácer, der alles auf Null stellte, ehe er in der sechsten Minute der Nachspielzeit mit seinem dritten Tor den Schlusspunkt setzte: Ein Freistoß aus gut 25 Metern landete direkt im Tor, Borussia Dortmund schlug den FC Augsburg mit 4:3 - und alle wussten, wer der Matchwinner an diesem Nachmittag war.

"Er spürt Fußball einfach. Die Bewegung. Er ist sehr geschickt vor dem Tor, spielt die richtige Bewegung. Es ist gut für die anderen", schwärmt Favre von seinem neuen Torjäger. Speziell Alcácers dritter und letzter Streich ließ den 60-Jährigen im Interview mit der ​ARD staunen: "Der Freistoß war weit, 25 oder 28 Meter. Fantastisches Tor. Er hat seine Nominierung bei der spanischen Nationalmannschaft verdient."


Alcacer kann sich einen langfristigen Verbleib vorstellen


"Ein Hammerspiel, verrückt. Total verrückt", fuhr Favre spürbar überwältigt fort. Jedoch analysierte er in fast schon typischer Manier die Schwächen seiner Mannschaft, an denen er in den kommenden Wochen arbeiten will. So habe man sich gegen das "extreme Pressing" der Augsburger schwer getan, Lücken seien kaum zu finden gewesen. "Wir hatten Angst, den Ball zu bekommen, vor allem mit dem Gegner im Rücken. Da müssen wir viele Fortschritte machen. Du musst die Geduld haben, weil sie nachher müde sind und nicht mehr unser Tempo verfolgen können", lautete sein Appell.

An der Abwehr wolle Favre ebenfalls arbeiten, doch alles in allem war er einfach überwältigt: "Das Spiel war fantastisch. Was wollen wir mehr? Das sind Emotionen wie nie." Für diese Emotionen sorgte vor allem Paco Alcácer, der allerdings um Bescheidenheit bemüht war: "Die Mannschaft steht im Vordergrund. Ich versuche, zu helfen - ob von Anfang an oder als Joker", sagte er gegenüber Sky. Angesprochen auf seine Zukunft in Dortmund wollte er nicht allzu konkret werden, doch einen kleinen Hinweis gab er bereits: "Ich kann mir auch vorstellen, über das Jahr hinaus in Dortmund zu bleiben."


Finnbogason ärgert sich - Baum stolz


Des einen Freud ist des anderen Leid, dementsprechend bedient waren die Spieler des FC Augsburg. Über 90 Minuten stellten sie den BVB permanent vor Aufgaben und konnten sich von jedem Rückschlag erholen, ehe ihnen in am Ende schlichtweg die Zeit ausging. "Wir haben fast 90 Minuten super gespielt und hatten mindestens das Unentschieden verdient. Wir hatten zwischenzeitlich auch die Chance, das Spiel zu zumachen, was uns leider nicht geglückt ist", haderte beispielsweise Alfred Finnbogason laut ​Augsburger Allgemeine. Laut Trainer Manuel Baum könne man allerdings "erhobenen Hauptes nach Hause fahren. Wir haben uns nie versteckt, sehr mutig verteidigt und immer wieder versucht, nach vorne zu spielen." 


Für die 'Fuggerstädter' war es bereits die dritte Niederlage, zugleich wohl auch die schmerzhafteste. Borussia Dortmund hingegen liegt weiterhin an der Tabellenspitze und hat drei Punkte Vorsprung auf das Verfolger-Trio Borussia Mönchengladbach, Werder Bremen und Hertha BSC.