Lars Stindl kam im Sommer 2015 von ​Hannover 96 zu ​Borussia Mönchengladbach. Der Hoffnungsträger stand kurz davor, in der Nationalmannschaft seinen Durchbruch zu landen. Doch immer wieder wurde er von Verletzungen geplagt und fehlte den "Fohlen". Im April dieses Jahres verletzte sich der 30-Jährige im Spiel gegen den ​FC Schalke 04 schwer am Knöchel und fiel seitdem aus. Gegen den ​VfL Wolfsburg war Stindl zum ersten Mal seitdem wieder im Kader, saß aber nur auf der Bank. Im kommenden Ligaspiel beim ​FC Bayern München könnte er den Unterschied machen – falls er zu einem Einsatz kommt.


Schon 2012 war Lars Stindl mit einer ähnlichen Verletzung lange ausgefallen, ​im April 2018 hat es ihn wieder erwischt: Gegen Schalke zog er sich eine schwere Kapsel- und Bandverletzung mit einer Verletzung des Syndesmosebandes im linken Sprunggelenk zu. Er musste operiert werden und war damit auch für die Weltmeisterschaft keine mögliche Option mehr. Jetzt ist er wieder gesund – und das genau zur richtigen Zeit. Am Samstag spielt die Borussia gegen den FC Bayern in der Allianz-Arena. ​Der Rekordmeister ist nach drei Spielen ohne Sieg reichlich angeschlagen. Der ​FC Augsburg, ​Hertha BSC und zuletzt Ajax Amsterdam in der ​Champions League haben gezeigt, wie man gegen die Bayern Punkte holen kann. Gladbach wird sich anschließen wollen.

Gegenüber Bild gibt sich Stindl demütig: „Ich bin froh, wenn ich wieder vernünftig in den Rhythmus komme und konstant trainiere.“ Der etatmäßige Kapitän der Borussen weiß um seine Wichtigkeit für das Team, äußert sich aber noch recht vorsichtig zu seinem Comeback auf dem Platz: „Ich war über vier Monate raus. […] Vielleicht reicht es am Samstag in München für ein paar Minuten.“ 


Auch Trainer Dieter Hecking bestätigt die Einschätzung des Mittelfeldspielers: „In Wolfsburg hat Lars den ersten Schritt gemacht, er wird sich von Tag zu Tag steigern.“ Gegen den VfL stand Stindl erstmals in dieser Saison im Kader, kam aber nicht zum Einsatz. Seine Leistung erbrachte er abseits des Platzes. „Es war schön zu sehen, wie er die Mannschaft in der Kabine nach dem 2:2 aufgemuntert hat“, berichtet Hecking.


Lars Stindls Bilanz gegen die Bayern ist durchaus positiv. Bisher lief er schon vier Mal für Gladbach gegen den FCB auf, davon ging nur eine Partie verloren. Somit wird seine Anwesenheit auch mentale Unterstützung geben. Die Gesamtbilanz geht freilich an die Münchner: Von 107 Spielen gewannen sie 54 gegen die Borussen, spielten 30 Unentschieden und verloren nur 23 Mal. Stindl ist motiviert, die Statistik aufzubessern. „Wenn ich kann, versuche ich natürlich, der Mannschaft zu helfen“, sagt er der Bild. Ein Einsatz von Beginn an wird im Spiel gegen Bayern aber wohl etwas zu früh für den 30-Jährigen kommen. „Uns tut aber natürlich noch ein bisschen weh, dass er null Spielpraxis hat“, macht Hecking deutlich.


Borussia Mönchengladbach ist auswärts saisonübergreifend seit acht Bundesligaspielen sieglos. Den letzten Sieg in der Fremde fuhr das Team im Februar 2018 bei Hannover 96 ein. Seitdem wechselten sich auswärts Niederlagen und Unentschieden ab, sodass nach dem 2:2 in Wolfsburg eine Niederlage in München die Serie fortsetzen würde. Da die Bayern in den englischen Wochen erstmals in der Saison Punkte abgeben mussten, wird die Borussia alles daran setzen, ihre schlechte Auswärtsserie zu stoppen.


Trainer Hecking kann dabei zumindest als Backup auf Lars Stindl zählen. Allerdings wird Gladbach ohne Offensivspieler Raffael auskommen müssen. ​Der Brasilianer pausiert bereits seit über zwei Wochen wegen Wadenproblemen. Beim Training am Donnerstag konnte Raffael nicht komplett belastet werden und verließ den Platz früher als der Rest der Mannschaft. Er sei nur 15 Minuten gelaufen, teilte er knapp mit.


Louis Jordan Beyer kann ebenfalls nicht spielen. Der 18-jährige Junioren-Nationalspieler übernahm die Rechtsverteidigerposition des Schweizers Michael Lang und kommt in seiner ersten Profisaison bereits auf drei Einsätze. Momentan laboriert er an Hüftproblemen und wird daher gegen Bayern vom 'Ersetzten' Lang 'ersetzt'. Lang fiel zuletzt mit einem Außenbandteilriss im Knie aus und steht mit der Partie in München ​nach seiner Rückkehr gegen Wolfsburg wieder vor einer harten Belastungsprobe.


Der defensive Mittelfeldspieler Christoph Kramer wurde bei seinem ersten Startelfeinsatz gegen Eintracht Frankfurt ​ins kalte Wasser geworfen und überzeugte mit einer guten Leistung, sodass Hecking jetzt wieder mehr Alternativen für die Aufstellung hat. Die Borussen stehen aktuell mit elf Punkten und 12:9 Toren auf dem vierten Tabellenplatz. Daher hat Hecking zumindest keinen immensen Druck, die angeschlagenen Spieler gegen den Favoriten aus München auflaufen zu lassen.