Nach fünf gescheiterten Versuchen war es endlich soweit: Der SV Werder Bremen feierte am gestrigen Dienstag nach über fünf Monaten den ersten Heimsieg in der Bundesliga. Das 3:1 über Hertha BSC Berlin erlangte man laut Kapitän Max Kruse besonders dank eines taktischen Kniffs von Trainer Florian Kohfeldt, der gegen die 'Alte Dame' von seiner üblichen Formation abrückte.


In der abgelaufenen Rückrunde zeigten sich die Bremer in Hinsicht ihres Systems noch variabel, doch in den vergangenen Wochen kristallisierte sich ein 4-3-3-System als die Formation der Wahl heraus. Acht Punkte aus den ersten vier Spielen gaben ihnen dabei Recht, doch die Verantwortlichen und Spieler ärgerten sich über die verpassten Heimsiege gegen Hannover 96 und den 1. FC Nürnberg.


Gerade gegen den Aufsteiger aus Nürnberg - allerdings auch beim Gastspiel gegen den FC Augsburg vor wenigen Tagen - fehlte der Mannschaft die letzte Konsequenz und Konstanz, um ihr Spiel über 90 Minuten durchzuspielen. Doch nach dem Sieg gegen die zuvor noch ungeschlagenen Berliner lobte Kohfeldt auf der vereinseigenen Website: "Es war heute unser konstantestes Spiel in der Saison. Wir haben es geschafft, über nahezu 90 Minuten konstant guten Fußball mit hoher Intensität zu spielen. Die Mentalität hat uns heute ausgezeichnet, in jeder Situation konsequent zu verteidigen – gerade in den Momenten nach Ballverlust."

Auch Kapitän Max Kruse, der in der 66. Minute mit seinem Tor zum 3:1 die Partie pro Werder entschied, befand: "Wir haben endlich das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Fußballerisch war das heute schon richtig gut. Das Gegentor war natürlich wieder bitter. Aber wir haben uns schnell gefangen, weiter nach vorne gespielt und uns Chancen erarbeitet."


Tatsächlich war zu Beginn der zweiten Halbzeit ein wenig der Wurm drin, das Anschlusstor durch Javairo Dilrosun in der 53. Minute die logische Konsequenz. Doch während die Hertha auf den Ausgleich drängte, verursachte Linksverteidiger Marvin Plattenhardt nach einem Foul an Theodor Gebre Selassie einen Strafstoß, welchen Kruse eiskalt verwandelte.


System-Umstellung goldrichtig


"Der Trainer hat uns aber auch perfekt eingestellt und vor allem das System sehr gut überlegt", lobte Kruse, der damit bereits auf die taktische Umstellung andeutete. Statt des bereits erwähnten 4-3-3 begann Werder im besonders unter Thomas Schaaf üblichen 4-4-2 mit einer Mittelfeld-Raute, die Startelf-Debütant Nuri Sahin, Maximilian Eggestein, Davy Klaassen und Yuya Osako bildeten. Gemeinsam mit Martin Harnik begann Kruse in der Doppelspitze - auch der Rückkehrer von Hannover 96 traf, erzielte somit sein erstes Saisontor.


"Hertha hat nicht damit gerechnet, dass wir in einem 4-4-2 mit Raute spielen", fuhr der 30-Jährige fort. Dies habe "gut funktioniert", da die Mannschaft "die nötige fußballerische Qualität im Kader" besitze. Diese Variabilität wird in der Bundesliga weiterhin von Nöten sein, bei der ein System oftmals nicht reicht, wie man in der Vergangenheit am Beispiel von Borussia Mönchengladbach sehen konnte. 


Doch so oder so - die ersten Wochen hätten für Werder nicht besser laufen können. Vor den restlichen Partien am Mittwochabend belegen die Bremer mit elf Punkten den zweiten Tabellenplatz und haben nur zwei Zähler Rückstand auf den FC Bayern München, ​der gegen den FC Augsburg erstmalig patzte und nicht über ein 1:1 hinaus kam