​​Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald sorgte in dieser Woche mit einem Interview für Aufsehen. Der 57-Jährige hatte sich dabei klar gegen die Alternative für Deutschland (AfD) positioniert und die Bundesliga-Klubs dazu aufgerufen, sich verstärkt für eine offene und tolerante Gesellschaft einzusetzen. Unterstützung erhielt der Bremer Klubboss aus Berlin und Freiburg.


"Jeder AfD-Wähler sollte schon wissen, dass es ein Widerspruch ist, Werder gut zu finden und die AfD zu wählen", erklärte Hess-Grunewald im Interview mit Mein Werder. Die Tore des Weser-Stadions würden zwar auch für AfD-Wähler offenstehen. Diese sollten "sich aber mit unserer Haltung auseinandersetzen und sich vielleicht überzeugen lassen, sich doch für eine offene, tolerante Gesellschaft ohne Ausgrenzung und Populismus einzusetzen", betonte der Funktionär. 

Hess-Grunewald begrüßte die Aktion der Werder-Fans, die sich am letzten Spieltag mit Spruchbannern klar gegen "rechtsradikale und rechtpopulistische Tendenzen positioniert haben". Dies sei ein starkes Zeichen gewesen, weil eine große Anzahl an Bannern zu sehen war. "Ein Großteil der Stadionbesucher ist sich bewusst, für welche Werte der Verein steht und dass man sich in einer Minderheitenposition befindet, wenn das mit dem eigenen Wertesystem nicht überein gebracht werden kann", sagte der Werder-Präsident. 


Der 57-Jährige sieht die Bundesliga-Klubs sogar in der Pflicht, "sich vermehrt für Humanismus, Toleranz und Mitmenschlichkeit einzusetzen, weil der Fußball, wie wir ihn lieben, nur in einer vielfältigen, toleranten und humanen Zivilgesellschaft funktionieren kann". Zuspruch erhielt Hess-Grunewald nicht nur von anderen Parteien, sondern auch von Freiburgs Cheftrainer Christian Streich und Hertha-Geschäftsführer Michael Preetz. 

Sport-Club Freiburg v VfB Stuttgart - Bundesliga

Spricht sich für Aktionen gegen Rassismus aus: Freiburgs Cheftrainer Christian Streich


"Ich würde es sinnvoll finden, wenn wir in der Bundesliga an manchen Wochenenden gemeinsame Aktionen starten, Videos aufnehmen und uns klar positionieren", gab Streich zu Protokoll. Preetz sieht diese "Art der Einmischung" als notwendig an, da die Vereine besonders in der Öffentlichkeit stehen und auch eine "gesellschaftliche Verantwortung" haben. 


Kritik musste Hess-Grunewald von der AfD Bremen einstecken. "Wir weisen diese absurden Äußerungen zurück. Ich bin von den Aussagen aber auch nicht überrascht", wird der AfD-Bürgerschaftsabgeordnete Alexander Tassis von Mein Werder zitiert. "Es ist eine Schande, dass Wohlfahrtsverbände und Sportvereine wie Werder Teil der Merkel‘schen Flüchtlingsindustrie geworden sind. Werder sollte sich schämen."