Bayer Leverkusen hat das letzte Spiel in der Bundesliga gegen Bayern München mit 1:3 verloren und den Saisonstart damit endgültig in den Sand gesetzt. Die Frage nach den Gründen ​für den schwachen Start in die neue Spielzeit ist kompliziert, denn diese sind vielfältig.


Bei ​Bayer 04 Leverkusen hat man sich den Start in die neue Saison definitiv anders vorgestellt. Denn nach der jüngsten Niederlage gegen die Bayern ist klar: Der Saisonstart ist ordentlich vergeigt worden. 


Nach drei Spielen und einem Torverhältnis von 2:8 steht man mit null Punkten auf dem letzten Platz in der Tabelle und Besserung ist derzeit nicht in Sicht. Von dem beneidenswerten Offensiv-Fußballs des letzten Jahres ist derzeit so gut wie nichts mehr zu sehen. ​Trainer Heiko Herrlich scheint zunehmend ratloser.


Dabei hatte in Leverkusen auch in diesem Jahr wieder alles auf eine erfolgreiche Saison hingedeutet. Die Transferperiode wurde beispielsweise effizient genutzt. Die einzigen beiden nennenswerten Abgänge, Keeper Bernd Leno und Verteidiger Benjamin Henrichs wurden durch die Verpflichtungen von Lukas Hradecky und Mitchell Weiser adäquat ersetzt. 


Darüber hinaus schaffte man es weitere Stammspieler und Leistungsträger der letzten Saison zu halten. Jonathan Tah, Lars Bender und auch Julian Brandt konnten allesamt gehalten werden. Noch dazu wurde mit dem Brasilianer Paulinho ein weiteres vielversprechendes Talent an die Werkself gebunden. Gerade bei Tah und Brandt wurde einer weiterer Schritt nach vorn erwartet. 


Doch bisher können nur wenige Akteure in der Mannschaft wirklich ihr volles Leistungsvermögen abrufen. Jonathan Tah ist bisher nicht der Abwehrchef der er normalerweise hätte sein sollen und leistet sich zum Leidwesen seines Trainer immer mal wieder den ein oder anderen Fehler. 

​Julian Brandt dagegen, immerhin einer der wenigen Gewinner der Weltmeisterschaft in Russland, sollte in dieser Saison endgültig de Durchbruch in der Offensive schaffen und zum Angreifer der Zukunft werden. Zur Klarstellung: Das ist er immer noch. Brandt besitzt womöglich das größte Angriffspotenzial im gesamten Kader.  Doch seine derzeitige Form qualifiziert ihn nur bedingt für die erste Elf.


FC Bayern Muenchen v Bayer 04 Leverkusen - Bundesliga

Stürmerhoffnung mit Ladehemmung: Julian Brandt



In den ersten beiden Partien der Saison gab der 22-Jährige nur zwei Torschüsse ab. Im Spiel gegen die Bayern konnte er ebenfalls wenige bis gar keine Impulse nach vorne setzen. Und das beschreibt das eine große Problem der Leverkusener in dieser Saison treffend. Nicht nur fehlt den wichtigen Leistungsträgern die richtige Form, den letztes Jahr so starken Akteuren in der Offensive - 58 Tore machten Leverkusen zum viertbesten Team im Angriff - fehlt derzeit scheinbar der Rhythmus. 


Intern wird bereits diskutiert, ob nicht der eigene übermut und die eigene Selbsgefälligkeit Schuld am derzeitigen Schlamassel sind. Sportdirektor Rudi Völler sprach gegenüber dem kicker Klartext: "Auch einige Spieler haben mir ein wenig zu viel davon gesprochen, wie gut wir sind und wie weit vorne wir landen können." 


Darüber hinaus machte auch das Verletzungspech der Werkself einen Strich durch die Rechnung. Mit Lars und Sven Bender, Julian Baumgartlinger, Charles Aranguiz und Lukas Hradecky fielen zu Saisonbeginn nicht nur spielerisch wichtige Stützen, sondern auch moralisch unersetzbare Bausteine aus. ​Mit Karim Bellarabi fehlt nach dessen üblen Foul und der darauffolgenden Sperre für vier Partien ein weiterer Offensivakteur wochenlang



Klar ist, dass Leverkusen in den kommenden Wochen einiges an Arbeit vor sich hat. Mit etwas mehr Entschlossenheit und wieder mehr Vertrauen in die eigenen, vor allem offensiven Fähigkeiten kann das Ruder noch herumgerissen werden. Mit Heiko Herrlich steht dazu ein durchaus fähiger Trainer an der Seitenlinie. Der ehemalige Stürmer sollte jedenfalls die Probleme in der Offensive schnellstmöglich in den Griff kriegen. 


In der nächsten Partie geht es in der Europa League gegen Razgrad. Hier wird man als klarer Favorit anreisen. Vielleicht eine willkommene Gelegenheit, um sich den Frust von der Seele zu schießen.