​Das 3:1 des FC Bayern München über Bayer Leverkusen klingt auf dem Papier nach einem souveränen Erfolg des Rekordmeisters, doch dieser hatte allen Grund zur Aufregung: Weltmeister Corentin Tolisso sowie Rafinha werden den Münchnern lange Zeit fehlen. Allen voran das Foul von Karim Bellarabi an Rafinha sorgte für viel Aufregung, allerdings auch für unterschiedliche Reaktionen. Während sich Trainer Niko Kovac deutlich ärgerte, wählte Leverkusens Geschäftsführer Rudi Völler eine andere Sichtweise.


Erst nach 72 Minuten wechselte Bayer-Trainer Heiko Herrlich Karim Bellarabi ein, um noch einmal Druck auf die Münchner auszuüben, die zu diesem Zeitpunkt mit 2:1 in Führung lagen. Doch nur acht Minuten später musste der Joker bereits wieder vom Platz, nachdem er Rafinha von hinten rüde in das linke Bein trat und von Schiedsrichter Tobias Welz die erste Rote Karte in seiner Laufbahn erhielt.

FC Bayern Muenchen v Bayer 04 Leverkusen - Bundesliga

         Mit schmerzverzerrtem Gesicht musste Rafinha (Mitte) in Begleitung der Mannschaftsärzte das Spielfeld nach gut 80 Minuten verlassen


Der 33-jährige Brasilianer, der an diesem Tag für David Alaba in die Startformation rückte, erlitt dabei einen Teilriss des Innenbandes und wird mehrere Wochen ausfallen, noch schlimmer erwischte es Corentin Tolisso. Der Mittelfeldspieler feierte heute seinen ersten Einsatz von Beginn an, verdrehte sich kurz vor der Halbzeitpause bei einem Zusammenprall mit Kevin Volland das Knie und wird nun aufgrund eines Kreuzbandrisses womöglich sogar bis zum Saisonende fehlen. 


Während man schockiert auf die Verletzung des Weltmeisters reagierte, da dieser schlicht und ergreifend nur Pech hatte, ​wütete Uli Hoeneß nach der Verletzung von Rafinha und schoss sich dabei auf den Sünder ein: "Das Foul von Karim Bellarabi war geisteskrank. Das war vorsätzliche Körperverletzung. Der gehört drei Monate gesperrt. Aber für Dummheit. Sowas macht man nicht", so der 66-Jährige. 


"Habe das Gefühl, dass wir Freiwild sind" - Kovac lässt seinem Ärger freien Lauf


Auch Niko Kovac fand auf der Pressekonferenz nach dem Spiel deutliche Worte. Zwar habe er auf dem ersten Blick gemeinsam mit Herrlich nicht den Eindruck gehabt, dass Bellarabis Foul tatsächlich einen Platzverweis nach sich ziehen sollte. Doch nachdem er die Szene im Nachhinein noch einmal betrachtete, war er anderer Meinung: "Das ist nicht nur Rot, das ist Doppel-Rot. Standbein ist immer gefährlich. Wenn der Fuß in der Luft ist, dann kann man reagieren. Aber wenn der Fuß am Boden ist, dann hast du keine Chance, da wirst du überrollt."

Besonders ärgerte sich der 46-Jährige darüber, dass der Kader nach dem frühen Ausfall von Kingsley Coman, ​der nach einem rüden Einsteigen von Hoffenheims Nico Schulz rund drei Monate aufgrund eines Syndesmosebandrisses fehlen wird, nun die nächsten beiden Ausfälle zu beklagen hat: "Es ist nicht das erste Mal und so langsam reicht es mir. Wir haben den dritten Bundesliga-Spieltag und ich habe das Gefühl, dass wir hier Freiwild sind. So macht man das nicht."


Hoeneß: Die Mannschaft kann das wegstecken


Auf Seiten der 'Werkself' sah Rudi Völler besagte Szene jedoch nicht ganz so schlimm: "Ich hätte keine Rote Karte gegeben. Es war schon ein dummes Foul, deshalb hätte ich die Rote Karte vielleicht doch gegeben. Aber es gab schon andere Fouls, da gab es keine Rote Karte", so der Geschäftsführer Sport laut Welt. Ohnehin ärgerten sich die Leverkusener mehr über die dritte Ligapleite in Folge, womit man den schlechtesten Saisonstart in der 40-jährigen Bundesliga-Historie hinlegt. "Wir sind noch im Urlaub. Gegen Mainz haben wir ein Endspiel", ​mahnte Kapitän Lars Bender


Die Bayern hingegen blicken nun auf die anstehenden englischen Wochen. Die nächste Partie findet bereits am Mittwoch statt, wenn man im Estadio da Luz gegen Benfica Lissabon antreten wird, doch mit nur zwei Außenverteidigern und drei Flügelspielern spitzt sich die Personallage langsam aber sicher zu. "Das ist ganz bitter. Wir haben in den letzten beiden Spielen teuer bezahlt", sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic laut Bild. Hoeneß versprühte nach seinem Wutanfall jedoch wieder Stärke und betonte, der Kader sei "groß genug, um das aufzufangen", und die Mannschaft wäre ohnehin "so stark und gefestigt, dass sie auch so ein Pech wegsteckt." Das wird sie von nun an unter Beweis stellen müssen.