Auch das dritte Bundesliga-Spiel unter Lucien Favre verbrachte Mario Götze die kompletten 90 Minuten auf der Bank. Nach dem ​3:1-Sieg über Eintracht Frankfurt rechtfertigte der Trainer von Borussia Dortmund seine Entscheidung, während Götze allen voran von Sebastian Kehl und Matthias Sammer Rückendeckung erhielt. 


Schon wieder gab es keinen Platz für Mario Götze: Der Weltmeister von 2014 schaffte auch am dritten Spieltag nicht den Sprung in die Startelf und musste stattdessen zusehen, wie Marco Reus, Thomas Delaney und Mahmoud Dahoud den Vorzug erhielten. "Wir haben im Mittelfeld sehr sehr viele Spieler. Aber wir werden die nächsten Tage und Wochen sehen", betonte Lucien Favre laut Sky nach der Partie. Doch der 60-Jährige ließ auch durchblicken: "Wie gesagt, es liegt am System der anderen und vor allem an unserem System."


Favre scheint aktuell keine Position für Götze zu finden, dessen Qualitäten nicht gerade im Spiel gegen den Ball liegen. Immer wieder plädiert der Trainer für körperliche Präsenz im Mittelfeld, die eben Delaney oder auch Axel Witsel mit sich bringen - Mario Götze allerdings kaum. Doch die frühe Diskussion um die Zukunft des Nationalspielers sorgt nicht nur für Unruhe, sondern auch für Unverständnis: "Erstens ist der BVB-Kader groß und zweitens geht die Saison jetzt erst los. Und Mario kommt aus einer Situation, auch aus der letzten Saison, wo er auch mal Ruhe und ein bisschen Zeit braucht, um diesen Rhythmus zu finden", mahnte Matthias Sammer, externer Berater des BVB und TV-Experte, bei ​Eurosport. 

FC Bayern Muenchen v EWE Baskets Oldenburg - easyCredit BBL

    Hegt kein Verständnis für die aufgekeimte "Scheindiskussion": Matthias Sammer


Es sei eine "Scheindiskussion" um den 26-Jährigen entstanden, welche überhaupt nicht von Nöten sei. Man müsse es "dem Trainer zugestehen", Götze zunächst einmal zu beobachten und dessen Fortschritte abzuwarten. "Er hat aufgrund seiner Eindrücke diese Entscheidung gefällt, um auf Dauer zu sehen, wie Götze sich entwickelt."


Im Bezug darauf glaubt Sammer, dass die Entwicklung des Mittelfeldspielers voranschreite, doch es gebe durchaus noch "ein bisschen Spielraum und ein bisschen Luft", was Favre wiederum auffalle. "Deshalb sage ich auch, dass es sich um eine Scheindiskussion in der Öffentlichkeit handelt", hielt er fest.


Kehl: "Es nervt ihn auch"


Ähnlich sieht es auch Sebastian Kehl, der als Leiter der Lizenzspielerabteilung nah bei der Mannschaft arbeitet und daher weiß, wie es Götze selbst sieht: "Mario wundert sich immer selber, weil dieses Thema in den letzten Tagen wieder aufgekommen ist." Allerdings wolle er auch um jeden Preis auf den Platz zurückkehren, weshalb er täglich seine volle Leistung abruft. "Ich sehe überhaupt keinen Prozentpunkt, wo er nachlässt. Er arbeitet hart an sich und unterwirft sich dieser Leistungskultur." Götze bereite sich "auf den Moment vor, der in den nächsten Wochen kommen wird. Mario ist ein guter Junge. Ich bin fest davon überzeugt, dass er uns helfen wird." 

Borussia Dortmund Training Camp

  Ex-Kapitän Sebastian Kehl (l.) steht Mario Götze täglich zur Seite und stärkt ihm daher den Rücken


Zuspruch erhält er auch von Thomas Häßler, der selbst von 1998 bis 1999 in Schwarz-Gelb aktiv war. Der 52-Jährige erinnerte bei Sport1 an die vergangenen Jahre und zeigt sich daher optimistisch, dass der bislang glücklose Götze seinen Platz im System von Lucien Favre finden wird: "Bei all seinem Talent und seiner Qualität traue ich ihm auch andere Nebenpositionen wie die 'Acht' oder falsche 'Neun' zu. Wenn Mario mehr Vertrauen und Rückendeckung vom Trainer und Verein bekommt, wird er dies schnell zurückzahlen." 


Klar ist: Götze wird sich anpassen müssen - wenn es keine vorgefertigte Rolle für ihn gibt, muss er in eine für ihn entsprechende Position hineinwachsen. Dann wird er auch wieder regelmäßig auf dem Platz stehen können und versuchen, die "Scheindiskussion" im Keim zu ersticken.