Nach dem Pokalsieg erlebte ​Eintracht Frankfurt einen turbulenten Sommer, der aus Sicht von Sport-Vorstand Fredi Bobic ob des überraschenden Erfolgs unvermeidbar war. Nach den vielen Abgängen konnten die Verantwortlichen mit der ​Vertragsverlängerung von Ante Rebic sowie der Verpflichtung von Torhüter Kevin Trapp zwei Coups feiern, mit denen nicht viele gerechnet haben dürften. Im Exklusiv-Interview mit dem Online-Portal transfermarkt.de  sprach der 46-Jährige nun über den Umbruch im Sommer, die Erfolge bei Rebic und Trapp sowie das Interesse an Kevin Mbabu.


In der abgelaufenen Transferperiode kam plötzlich viel Arbeit auf Eintracht Frankfurt zu. Die Hessen, die schon im Vorjahr in beide Richtungen auf dem Transfermarkt aktiv waren, verpflichteten insgesamt zehn Spieler, während zwölf Akteure dem Verein den Rücken kehrten. 


Überraschend war dies jedoch keineswegs, wie Bobic erklärt: "Dass wir wieder einen Umbruch vollziehen müssen, war nach dem nicht eingeplanten Pokalgewinn fast klar. Der Erfolg war eine tolle Geschichte. Wenn du danach Spieler verlierst, musst du auch wieder neue einbauen und in die mittelfristige Zukunft investieren."

FC Schalke 04 v Eintracht Frankfurt - DFB Cup Semi Final

   Hatte in den vergangenen Wochen viel zu tun: Sport-Vorstand Fredi Bobic


Allerdings braucht es Zeit, vor allem für den Trainer. Als Nachfolger von Niko Kovac muss Adi Hütter nun die Mischung aus seiner eigenen Spielidee und dem komplett neuen Spielermaterial unter einen Hut bringen, weshalb der Stotter-Start alles andere als Zufall war. Daher bleibt man am Main ruhig, wie Bobic betont: "Wenn es nun mit den englischen Wochen losgeht, wird sich herauskristallisieren, wo man im Vergleich zu den Konkurrenten steht."


Insbesondere die Abgänge von Lukas Hradecky (Bayer Leverkusen), Marius Wolf (Borussia Dortmund), Omar Mascarell (FC Schalke 04) und Kevin-Prince Boateng (US Sassuolo Calcio) waren schmerzhaft, doch aufgrund "der Größe unseres Klubs" stehe man eben ab und an "in einer schlechten Position. Spieler kommen und gehen, die Verträge sind mit Klauseln so konstruiert, dass du sie automatisch wieder verlierst, wenn sie besser werden. Das kann man nicht verteufeln."


Bobic: "Solche Heroes wollen wir halten"


Doch einer, der geblieben ist, ist Ante Rebic. Der Pokalheld, der später auch bei der Weltmeisterschaft auf sich aufmerksam machen konnte, wurde lange mit einem Wechsel in Verbindung gebracht, entschied sich jedoch für eine Vertragsverlängerung bis 2022 - wohl auch, weil die "ganz großen Klubs " kein Interesse meldeten.


"Ante Rebic war eine ganz wichtige Personalie, auch um ein Zeichen zu setzen: Wir wollen nicht verkaufen, sondern verlängern und gehen dafür auch mal über unsere Grenzen hinaus", so Bobic. "Nach der WM war Bewegung da, aber auch nicht so, dass es mir total Angst gemacht hätte." 

Bayern Muenchen v Eintracht Frankfurt - DFB Cup Final

  Auch, weil es offenbar an attraktiven Angeboten mangelte, blieb Ante Rebic in Frankfurt


"Heroes", wie Rebic nun mal einer sei, wolle man "so lange halten, wie es möglich ist. Die Situation und Überzeugung, dass es mit ihm weitergehen kann, war vorhanden. Wir sind sehr froh, dass es uns gelungen ist. Alle im Klub haben daran gearbeitet", zeigte sich der Sport-Vorstand froh darüber, das Aushängeschild der Mannschaft halten zu können.


Trapp-Transfer "hat nichts mit Aktionismus zu tun"


Genauso überraschend war allerdings auch die Rückkehr von Kevin Trapp. Der Torhüter wechselte kurz vor Transferschluss zurück nach Frankfurt, allerdings nur auf Leihbasis. Spontan sei die Aktion jedoch nicht gewesen, viel mehr habe man schon im Vorfeld Gespräche mit der eigentlichen Nummer eins, Frederik Rönnow, geführt.


"Er ist eigentlich unser Torhüter der Zukunft, wir haben ihn nicht umsonst lange beobachtet, viele Gespräche geführt und verpflichtet. In der Woche, als wir uns entschlossen haben, Kevin Trapp zurückzuholen, war er wieder verletzt. Der eine oder andere sagt nun: Das hätte man wissen müssen. Nein, das kann man nicht, wenn so etwas dazwischen kommt", verteidigt Bobic den Transfer.

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  Kevin Trapp soll Frederik Rönnow genug Zeit zur Entwicklung und Genesung geben


"Die Verletzung von früher kam jetzt zweimal innerhalb kurzer Zeit wieder auf. Das hat die Alarmglocken bei uns schrillen lassen." Trapps Bereitschaft, zu seinem Ex-Klub zurückkehren zu wollen, habe dabei vieles erleichtert. "Das sieht am Ende einer Transferphase vielleicht nach Aktionismus aus, hat damit aber nichts zu tun. Er kennt sich hier aus und benötigt keine Anlaufzeit."


Interesse an Mbabu bestätigt - Neuverstärkungen im Winter?


Gleichzeitig bestätigte Bobic ​das Interesse an Kevin Mbabu. Der Rechtsverteidiger habe vor allem nach der Verletzung von Timothy Chandler im Fokus gestanden, doch finanziell habe man sich den Transfer nicht leisten können. "Bei Kevin waren wir auf jeden Fall interessiert. Wir hätten es sehr gerne gemacht, aber es war wirtschaftlich nicht darstellbar. Wir hatten noch andere Optionen, die uns allerdings nicht wirklich überzeugt haben." 


Allerdings folgt möglicherweise ein erneuter Angriff im Winter, für den man sich alle Optionen offenhalten will: "Wir müssen erstmal sehen, wie die Situation ist. Wir haben ein, zwei Verletzte dazubekommen. Wenn noch was passiert, wird es eng. Im Spätherbst werden wir uns Gedanken darüber machen, auf welchen Positionen wir nachbessern wollen."