​Noch vor wenigen Wochen strahlten die Fans des ​VfB Stuttgart munter um die Wette. In der Transferperiode waren die Schwaben unter der Führung ihres Sportvorstands Michael Reschke so emsig wie selten zuvor und auch die vergangene Rückrunde gab Anlass zur Vorfreude auf die kommende Spielzeit. Nach drei Niederlagen zum Auftakt gerät nun aber vor allem Trainer ​Tayfun Korkut immer mehr in die Kritik. Dabei bot der Deutsch-Türke durch diskussionswürdige Personalentscheidungen zuletzt viel Angriffsfläche.


Die Niederlage zum Saisonauftakt im Pokal gegen Hansa Rostock konnte man noch als Betriebsunfall verbuchen. Der verpatzte Start in der Bundesliga beim 1. FSV Mainz 05 war da schon besorgniserregender, schließlich konnte man im Spiel nach vorne nur selten überzeugen. Bei der Heimspielpremiere gegen den FC Bayern München am vergangenen Samstagabend hingegen, hatte wohl niemand mit einem Sieg der Stuttgarter gerechnet, die zögerliche Spielweise insbesondere in der zweiten Halbzeit war dennoch eine Enttäuschung.


Konnte der VfB in der vergangenen Saison noch auf eine stabile Defensive bauen, zeigte sich diese in den ersten drei Partien über weite Strecken zwar als ordentlich - absolute Spitzenklasse, wie noch in der Vor-Saison, verkörperte sie jedoch nicht. Dabei muss man jedoch auch festhalten, dass einige der insgesamt sechs Gegentore durch individuelle Aussetzer entstanden. Vielmehr als die Defensive, macht dennoch die Offensive Sorgen. Bislang muss sich Korkut den Vorwurf gefallen lassen, dass kein schlüssiges Offensivkonzept erkennbar ist. Insbesondere Mario Gomez konnte noch so gut wie gar nicht in das Spiel der Schwaben integriert werden.

Beim Spiel gegen die Bayern durfte der von den Fans schon seit längerem geforderte ​Anastasios Donis von Beginn an ran. Der Grieche machte seine Sache gut, war bissig und sehr engagiert, auch wenn auch er freilich kaum für offensive Akzente sorgen konnte. In der 57. Spielminute wurde der Youngster dennoch von seinem Cheftrainer ausgewechselt. Die Anhänger des VfB reagierten mit einem gellenden Pfeifkonzert in Richtung des Trainers. Nach der Partie versuchte der 44-Jährige seine Entscheidung dadurch zu erklären, dass er sich durch die Einwechslung von Erik Thommy mehr Ballkontrolle erhofft habe.


Der Plan ging jedoch überhaupt nicht auf und die Münchener traten in der Folge eher noch dominanter auf. Nach der Partie gab sich Donis ziemlich gefrustet und zeigte öffentlich wenig Verständnis für seine Auswechslung. Zwar gelang es dem Trainer im Anschluss die Wogen wieder zu glätten, seine Position wurde dadurch aber mit Sicherheit nicht gestärkt. Das Spiel gegen die Bayern wäre jedoch mit Sicherheit auch dann verloren gegangen, wenn der junge Grieche hätte durchspielen dürfen. Zu harmlos agierte das gesamte Kollektiv der Schwaben. 


In der Länderspielpause gilt es nun für den VfB die richtigen Lehren aus den ersten Partien zu ziehen. Beim Auswärtsspiel in Freiburg müssen dann unbedingt drei Punkte her, um nicht noch mehr Boden zu verlieren. Von Seiten der Vereinsführung erhält der Trainer indes noch die volle Rückendeckung. "Korkut ist jemand, der einen klaren Plan hat, da mache ich mir keine Sorgen. Er wird daran arbeiten, dass wir in der Offensive besser werden. Wir haben zwar bisher noch nicht so viel richtig gemacht, aber die Leistungen waren in Ordnung", so Sportvorstand Michael Reschke am Sonntag bei Jörg Wontorras Fußballtalk auf Sky.