Der 3:0-Auswärtssieg beim VfB Stuttgart lässt eigentlich vermuten, dass es beim ​FC Bayern München derzeit gänzlich harmonisch zugeht. Die ersten vier Pflichtspiele der Saison wurden gewonnen, lediglich ein Gegentor kassierten die Münchner dabei. Jedoch gab es am gestrigen Abend, wie schon beim ​Liga-Auftakt gegen die TSG Hoffenheim, ein wenig Ärger um die Personalentscheidungen von Trainer Niko Kovac, der seiner harten Linie treu bleibt.


Im Mittelpunkt stand dabei erneut Arjen Robben. Der Niederländer wurde in der vergangenen Woche nicht für die Startelf nominiert, doch im Gegensatz zu Mats Hummels, der gegen Hoffenheim ebenfalls zu Beginn auf der Bank Platz nehmen musste, ließ der 34-Jährige seinem Frust freien Lauf: "Natürlich war ich sauer. Ich bin eine Person, die immer offen und ehrlich ist. Beim Auftakt willst du dabei sein, das ist eine Riesen-Enttäuschung. Ich habe mich in der Vorbereitung so sehr reingehängt, da willst du natürlich beim Auftakt dabei sein", ​so Robben gegenüber dem ZDF


Aufgrund der Verletzung von Kingsley Coman durfte er dieses Mal von Anfang an ran, während Kovac im Mittelfeld beispielsweise Leon Goretzka für Javi Martinez ins Rennen schickte und Thiago somit auf die Position im defensiven Mittelfeld beorderte. ​Auch der spanische Abräumer hegte nach der Partie keinerlei Unmut, dafür aber erneut Robben - gemeinsam mit Franck Ribery.

VfB Stuttgart v FC Bayern Muenchen - Bundesliga

  Verschwand nach seiner Auswechslung umgehend in den Katakomben: Arjen Robben


Beide Altstars wurden nach dem 3:0, welches Thomas Müller in der 76. Minute erzielte, ausgewechselt, verstehen konnten die Entscheidung jedoch beide nicht. Während Ribery zunächst schimpfte und mit Sportdirektor Hasan Salihamidzic über die Auswechslung diskutierte, suchte Robben sofort den Weg in die Kabine. Wie schon in den Jahren zuvor ist ihnen der Frust darüber, nicht über die volle Distanz spielen zu dürfen, spürbar anzumerken, doch klar ist auch, dass Kovac den zuletzt verletzten James Rodriguez und Serge Gnabry ein paar Spielminuten geben wollte, ehe beide voraussichtlich nach der Länderspielpause wieder voll angreifen können.


"Das sind alles Weltklasse-Spieler und es ist Woche für Woche schwierig, da einige Spieler zuhause zu lassen", sagte der 46-Jährige nach der Partie laut der Abendzeitung München. "Als Trainer muss ich natürlich Entscheidungen treffen, aber als Mensch ist es schwierig", fuhr Kovac fort. Jede Entscheidung sei schmerzhaft, doch letzten Endes muss er schlicht und ergreifend auf den ein oder anderen Spieler zunächst verzichten: "Ich kann nicht mehr als elf Spieler aufstellen."


Kovac versichert: Alle bekommen ihre Einsatzzeiten


Zugleich blickte er auch auf die anstehenden Wochen mit den ersten englischen Wochen aufgrund der Champions League voraus. Spätestens dann werde jeder auf seine Kosten kommen: "Alle werden spielen und ich weiß, dass die Jungs enttäuscht sind. Aber das gehört dazu."

VfB Stuttgart v FC Bayern Muenchen - Bundesliga

   Auch nach dem zweiten Ligaspiel muss Niko Kovac erneut klarstellen: Er ist der Trainer - und daher derjenige, der über die Aufstellung bestimmt


Beistand erhielt der Trainer von Thomas Müller, der nach 80 Minuten für Corentin Tolisso weichen musste, zuvor jedoch mit einem Tor und einer Vorlage eine gute Leistung ablieferte. "Auf die Details" komme es an, zudem müsse aufgrund der hohen Leistungsdichte innerhalb des Kaders "jeder liefern. Deswegen kommt es zu solch einer engagierten Leistung." Doch unabhängig davon war der 28-Jährige mit der gesamten Mannschaftsleistung zufrieden: "Wir gehen mit einer guten Seriosität an die Sache ran. Wenn man sieht, wie Arjen, wie Franck, wie Lewa, also unsere vorderste Reihe gegen den Ball arbeitet, da muss man sagen 'Hut ab!'."


Zunächst haben Ribery und Robben Zeit, um ihre Gemüter wieder ein wenig zu beruhigen. Aufgrund der Länderspielpause folgt die nächste Partie gegen Bayer Leverkusen erst am 15. September, zugleich fällt wenige Tage später gegen Benfica Lissabon der Startschuss in der Champions League. In beiden Spielen wollen die Routiniers vermutlich von Anfang an oder über 90 Minuten dabei sein, doch sie werden nicht drumherum kommen, mit der schlussendlichen Entscheidung des Trainers leben zu müssen.