​Der amtierende DFB-Pokalsieger Eintracht Frankfurt ist unter dem neuen Trainer Adi Hütter völlig überraschend in der ersten Runde der neuen Pokalsaison mit 1:2 gegen den klaren Außenseiter SSV Ulm 1846 ausgeschieden. Mit dem Pokalaus ist die Generalprobe vor dem Ligastart am kommenden Wochenende völlig missraten. Der Umbruch bei der SGE scheint derzeit noch nicht wirklich eingeleitet und braucht wohl noch Zeit.


Adi Hütter und ​Eintracht Frankfurt hatten sich den Pflichtspielauftakt gegen den Viertligisten aus Ulm sicher anders vorgestellt. Nach einem 0:2-Rückstand kamen die Hessen in den Schlussminuten nur noch zum 1:2-Anschlusstreffer durch Neuzugang Paciencia und sind damit ​als amtierender Pokalsieger bereits in Runde eins ausgeschieden. Schon vor dem Bundesligaauftakt am Samstag auswärts gegen den SC Freiburg herrscht damit bereits Unruhe am Main, Druck ist auf dem Kessel. Dabei sollte allen Beteiligten sowie auch den interessierten und aufmerksamen Fans der SGE eines klar sein: Es braucht Zeit, bis der Umbruch vollzogen ist und erste Früchte trägt.

SSV Ulm 1846 Fussball v Eintracht Frankfurt - DFB Cup

Hatten sich den Pflichtspielauftakt sicher anders vorgestellt: Die beiden Neuzugänge Felix Wiedwald (l.) und Flügelspieler Nicolai Müller 


Zu allererst ist zu sagen, dass die Mannschaft im Vergleich zum Vorjahr große personelle Verluste hinnehmen musste. Mit Stammkeeper Lukas Hradecky, Omar Mascarell, Kevin-Prince Boateng und Marius Wolf hat man nicht nur vier unumstrittene Stammspieler verloren - man hat auch absolute Leistungsträger und Grundpfeiler der Mannschaft verloren. Dazu kommt der Abgang von Erfolgscoach Niko Kovac, der mit seiner Art sehr gut ankam bei den Spielern und sie in wenigen Monaten von einem Wackelkandidat auf den Abstieg bis hin zu einem Klub mit Europa-League-Ambitionen formte. Diese Ambitionen muss man nun wohl vorerst wieder begraben, wie das Spiel am Samstag erahnen ließ. Zwar hat man in Frankfurt auf der anderen Seite auch knapp 20 Millionen in neues Spielermaterial investiert, eine direkte Hilfe kristallisierte sich dabei bislang aber nicht heraus. Hier ist Sportdirektor Bruno Hübner sowie Sportvorstand Fredi Bobic durchaus ein Vorwurf zu machen - sie hätten sich bereits viel früher um die Neuzugänge kümmern können und sollen, denn so hätte das Team deutlich mehr Zeit gehabt, sich einzuspielen und kennenzulernen.


Dass man ​mit Marco Fabian nun einen der kreativen Köpfe aus dem Vorjahr und möglichen Leistungsträger für die kommende Saison in die "Trainingsgruppe 2" degradiert hat, tut ein Übriges dazu. Der Mexikaner ist in Topform ein absoluter Fixpunkt im Frankfurter Spiel, muss unter Adi Hütter nun aber um seinen Platz bangen und steht gar vor einem Abschied vom Main. Zwar kokettierte der Nationalspieler in den letzten Wochen immer wieder mit einem Wechsel (sein Vertrag läuft nächsten Sommer aus), dennoch sollte man mit Blick auf den doch deutlich veränderten Kader gerade auf ihn zwingend bauen. Er kennt das Team aus dem Vorjahr, kann die neuen Spieler führen und vor allem auch das Spiel nach vorne mit Toren und Vorlagen ankurbeln. Mit Chico Geraldes hat man Fabian darüber hinaus einen Spieler vor die Nase gesetzt, der zumindest auf den ersten Blick kein Upgrade im Vergleich zum Mexikaner ist. Für Geraldes ist es seit 2016 bereits die dritte Leihe in Folge. Nachdem er zunächst für Moreirense FC aktiv war, lief er in der vergangenen Saison für Rio Ave FC auf. Dort brachte es der ehemalige Junioren-Nationalspieler Portugals auf 38 Pflichtspiele, vier Treffer und elf Vorlagen. Dennoch sind beide Klubs eher schwächer als Eintracht Frankfurt einzuordnen. Bei seinem Stammklub Sporting Lissabon konnte sich der 23-Jährige trotz einer Ausstiegklausel von stolzen 45 Millionen Euro nicht durchsetzen. Ihm droht der Stempel "ewiges Talent". 

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Soll in die großen Fußstapfen von Kevin-Prince Boateng treten: Mijat Gacinovic


Insgesamt wirkt es zumindest aktuell so, als konnte man weder den personellen Aderlass kompensieren, noch die richtigen Spielertypen für den von Adi Hütter bevorzugten Power-Fußball verpflichten. So gibt die Eintracht nach außen hin momentan eher das Bild eines verunsicherten Bundesligisten ab, der die hohen Ansprüche, die er nach der guten letzten Saison hatte, nun noch einmal gründlich überdenken sollte. ​Mit Filip Kostic steht aktuell zwar ein durchaus prominenter Spieler vom Absteiger Hamburger SV als weiterer Neuzugang bevor, auch er dürfte mit seinem schwierigen Charakter und seiner Position (er ist der 4. nominelle Flügelspieler im Kader) jedoch sicher nicht auf Anhieb als Problemlöser dienen - sofern er diese Rolle denn überhaupt erfüllen kann. 


Alles in allem klafft so eine Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit, die es möglichst schnell zu schließen gilt. Auch wenn man so früh in der Saison sicher noch keine voreiligen Schlüsse ziehen sollte, wird der Druck für Adi Hütter sicher nicht weniger. Zu seiner Verteidigung bleibt immerhin eines zu sagen: Gut Ding will Weile haben.