Mit Arturo Vidal verliert der FC Bayern München zwar einen sportlich gesehen kompensierbaren Spieler, doch der 31-Jährige war vor allem neben dem Platz und in der Kabine ein wichtiger Faktor für den Rest der Mannschaft. Daher stellt sich die Frage, wer von nun an diese Rolle übernehmen und daher auch als Anführer der Mannschaft fungieren wird.


Arturo Vidal steht vor allem für eins: Mentalität. Der chilenische Mittelfeldspieler ist eine Kämpfernatur, die nie aufgibt und seine Mannschaftskollegen stets mitzieht – auch, wenn er das ein oder andere Mal über das Ziel hinausschießt. Dass seine Art nicht immer von Vorteil ist, zeigte sich besonders in der Saison 2016/17, als der FC Bayern im Viertelfinale der UEFA Champions League auf Real Madrid traf. Im Hinspiel in der Allianz Arena erzielte Vidal die 1:0-Führung, verschoss jedoch einen Elfmeter deutlich und vergab so vor dem Pausenpfiff die Chance zu erhöhen. Nach der späteren 1:2-Niederlage wurde er im Rückspiel nach einer Gelb-Roten Karte des Feldes verwiesen, in Unterzahl musste man sich daher mit 2:4 in der Verlängerung geschlagen geben.

Real Madrid CF v FC Bayern Muenchen - UEFA Champions League Quarter Final: Second Leg

   Im April vergangenen Jahres war Arturo Vidal die tragische Figur der Mannschaft in der Champions League


Dennoch legte Vidal eine Art an den Tag, die es in München vielleicht braucht. Nach sechs Meisterschaften in Serie wird es zunehmend schwerer, die Spieler bei Laune zu halten, vor allem, wenn der große Traum – der Triumph in der Champions League – erneut platzt. Spürbar war dies besonders in der letzten Saison, in der man im Halbfinale erneut an Real Madrid scheiterte. In den darauffolgenden Wochen wirkte die Mannschaft lustlos, verlor am letzten Spieltag deutlich mit 1:4 gegen den VfB Stuttgart und war schlussendlich auch im DFB-Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt mit 1:3 unterlegen.


Eins zu eins kann Vidal nicht ersetzt werden


Ohne den 'Krieger', der zum FC Barcelona gewechselt ist, fehlt das südamerikanische Temperament, was mit der leidenschaftlichen Note Vidals einhergeht. Daher sind nun andere Spieler gefragt, die die Mannschaft mitreißen – sowohl auf, als auf neben dem Platz.

Die Rolle von Manuel Neuer rückt daher immer weiter in den Fokus. Der 32-jährige Torhüter übernahm nach dem Karriereende von Philipp Lahm das Kapitänsamt, nach seiner überstandenen Fußverletzung will er wieder voll angreifen. Neuer hat seit jeher das Siegergen verinnerlicht, denkt einzig und allein an den Erfolg der Mannschaft und ergreift daher – intern – oft das Wort, um seine Vordermänner auf Kurs zu lenken. Ähnlich erfüllt er diese Aufgabe in der Nationalmannschaft, bei der er ebenfalls als Kapitän und etablierter Spieler vorangeht. 

Bayern Muenchen v Manchester United - Friendly Match

   Mannschaftskapitän und Führungsspieler: Manuel Neuer


Doch es wird nicht nur ein Akteur gefragt sein, sondern mehrere. Ein weiterer Spieler wäre daher Mats Hummels, der ebenfalls kein Blatt vor den Mund nimmt. Der Innenverteidiger legt oftmals den Finger in die Wunde und kennt das Gefühl der Verantwortung aus der Zeit bei Borussia Dortmund, wo er nach dem Karriereende von Sebastian Kehl die Kapitänsbinde übernahm, ehe er im Sommer 2016 zurück nach München wechselte.


Auch Müller rückt in die Verantwortung


Beide werden vermutlich die hauptsächlichen Führungsspieler sein, die die Spieler – ähnlich wie ein unbändiger Arjen Robben – mit sich reißen und in der Kabine stets die Laune aufrecht erhalten sollen. Dafür wird allerdings auch ein Thomas Müller verantwortlich sein, der den Spaß stets in den Vordergrund stellt und daher vor allem für positive Stimmung sorgen soll – auch, wenn er mal nicht spielt.


Denn beim FC Bayern zählt nur eins: Leistung. Woche für Woche steht der Sieg im Vordergrund, jedes andere Ergebnis ist kaum zufriedenstellend. Dafür braucht es die richtige Einstellung, die Neuer, Hummels und auch Robben vorleben. Doch nebenbei wird auch ein wenig Spaß erlaubt sein müssen, wobei neben Müller auch ein Franck Ribéry seit Jahren als Spaßvogel gilt.


Klar scheint daher, dass man die Wirkung von Arturo Vidal neben dem Platz nicht alleine kompensieren kann, ​stattdessen werden die Aufgaben aller Voraussicht nach auf mehreren Schultern verteilt – so, wie es in der Vergangenheit bereits der Fall war. Denn auch, wenn er sich auf dem Feld den ein oder anderen Patzer leistete, der am Ende über Sieg oder Niederlage entschied: Typen wie ihn findet man im heutigen Fußball nur selten.