​Nach den Verpflichtungen von Axel Witsel, Thomas Delaney und Abdou Diallo sind die Kaderplanungen von Borussia Dortmund weitestgehend abgeschlossen. Einzig in der Frage, ob noch ein neuer Mittelstürmer kommen wird, herrscht aktuell noch Unklarheit: Während der BVB zuletzt betonte, dass auch Maximilian Philipp die Rolle als Neuner spielen könne und Sportdirektor Michael Zorc äußerte, dass ein internationaler Topstürmer für den BVB "zurzeit fast unmöglich zu realisieren" sei, hat Neu-Trainer Lucien Favre nach der Testspielniederlage gegen den SSC Neapel erneut auf die Probleme durch einen fehlenden Mittelstürmer hingewiesen. 


Am gestrigen Dienstag äußerte sich BVB-Sportdirektor Michael Zorc in einem Interview mit den ​Ruhr Nachrichten zum Stand der Dortmunder Kaderplanungen und der Möglichkeit der Verpflichtung eines neuen Torjägers. Dabei wurde nicht nur viel an der Mannschaft selbst verändert, sondern auch die sportliche Führung angepasst. Während Matthias Sammer als externer Berater fungieren wird, soll Sebasitan Kehl als Leiter der Lizenzspielerabteilung herangeführt werden. "Von Matthias erhoffen wir uns einen etwas distanzierteren Blick. Von Außen bewertet man Situationen einfach anders. Sebastian bringt viel Identifikation mit und kann rund um die Mannschaft hervorragende Arbeit leisten", beschreibt Sportdirektor Zorc die Aufgaben der beiden ehemaligen BVB-Spieler.

Wichtigstes Element der Neustrukturierung des Kaders war neben der Verpflichtung von Lucien Favre als neuem Trainer, und damit der Implementierung einer neuen Spielphilosophie, vor allem die Überarbeitung der allgemeinen Mentalität der Mannschaft. "In der Analyse der vergangenen Saison haben wir festgestellt, dass es in einigen Spielen schlicht zu einfach war, uns zu schlagen. Da hatten wir zu wenig Gegenwehr auf dem Platz. Und zu wenig Führungsfiguren, die gesagt haben, Jungs, reißt euch wieder zusammen, sonst geht das hier heute in die falsche Richtung. Das erwarte ich mir von Axel Witsel. Er hat große internationale Erfahrung und strahlt Ruhe aus. Er bringt eine Qualität und Erfahrung mit, die wir so in der Mannschaft nicht haben. Wir haben im zentralen Mittelfeld mit ihm und Thomas Delaney zwei Profis mit besonderen, aber unterschiedlichen Eigenschaften", beschreibt Zorc die Kernprobleme der letzten Saison und die Idee hinter dem Witsel-Transfer. 


Doch neben dem Umbau des Mittelfelds bleibt nach dem Ende der Leihe von Michy Batshuayi weiterhin das Sturmzentrum eine Kader-Baustelle von ​Borussia Dortmund. Trotz einem  Gesamt-Transferplus von aktuell 116 Millionen Euro seit Anfang 2017 sieht Geschäftsführer Zorc dahingehend aber auch finanzielle Beschränkungen: "Zum einen haben wir Spieler wie Marco Reus oder Maximilian Philipp im Kader, die für eine große Zahl an Toren gut sind. Zum anderen muss ich mich auch an wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Klubs orientieren. Wir haben in diesem Jahr schon deutlich mehr Geld ausgegeben als eingenommen. Auch für mich gilt die Priorität der wirtschaftlichen Vernunft. Ich muss mich an den finanziellen Vorgaben des Klubs orientieren. Internationale Topstürmer, da muss man ehrlich sein, sind für Borussia Dortmund zurzeit fast unmöglich zu realisieren", meint Zorc zu den Spekulationen um einen neuen Torjäger.

Ausschließen möchte er aber nichts. "Ich mache diesen Job fast zwei Jahrzehnte und habe ganz selten vor dem 31. August gesagt, das war’s. Warum sollte ich mich selbst einschränken?" Neu-Trainer Favre wies nach der gestrigen Testspielniederlage gegen den SSC Neapel auf jeden Fall erneut - freundlich aber bestimmt - auf die Wichtigkeit einer echten Neun hin: "Das ist klar, das fehlt: Die Läufe in die Tiefe, wir müssen manchmal auch über die Abwehr spielen - wie Napoli das mehrmals gemacht hat. Das ist auch wichtig, manchmal lang zu spielen", erläutert Favre die Wichtigkeit einer Anspielstation in der Spitze für die Tiefenstaffelung.