Lange war das 4-4-2, welches unter Ex-Trainer und Neu-BVB-Coach Lucien Favre zur Perfektion gebracht wurde, das System in Mönchengladbach. Nachdem man am Niederrhein in der vergangenen Saison aber einsehen musste, dass der Code der Fohlen geknackt war, orientiert man sich in dieser Saison endgültig neu.


Lucien Favre ist zurück in der Bundesliga. Es schmerzt viele Borussen, den Romand bei der Namenscousine aus Dortmund auf der Bank sitzen zu sehen, doch wie das Gladbacher Portal seitenwahl.de so treffend vor wenigen Wochen beschrieb, braucht es wohl diese schmerzliche Konfrontation. Damit man sich am Niederrhein endgültig vom einstigen „Erwecker“ emanzipiert und lossagen kann.


Natürlich waren die Jahre unter Favre gerade für die jüngeren Anhänger, die die Meisterschaften der 70er nur von den Bildern im Nordpark kennen, und für die Martin Dahlin nur eine schemenhafte Erinnerung aus Tagen geprägt von Windeln und Sabberlätzen ist, der absolute Höhepunkt mit dem Verein. Und auch die älteren Anhänger fühlten sich in eine längst vergangene Epoche zurückversetzt, als man sich regelmäßig mit europäischen Großmächten messen konnte.

Doch so wirklich schien eine emotionale Trennung nach dem Abgang von Favre nie stattgefunden zu haben, immer wieder wurde seine Zeit als Coach bemüht, um Vergleiche zu Ist-Situationen heranzuziehen. Da auch das 4-4-2-System über die Jahre beibehalten wurde, weil der Großteil der Spieler die Aufstellung im Schlaf beherrscht, schien eine endgültige Emanzipation nie so recht stattgefunden zu haben.


In dieser Saison aber soll es endlich soweit sein. In der Fehleranalyse nach der abgelaufenen Spielzeit erläuterte Hecking: „Unser Problem im letzten Jahr war, dass wir häufig keine guten Lösungen hatten und zu langsam und statisch gespielt haben. Viel quer und häufig zurück - das ist ein Schwerpunkt, dass wir mehr Zug nach vorne entwickeln wollen.“ Als Lösung für die fehlende Durchschlagskraft soll eine Systemumstellung erfolgen.


Zwar soll das alte System „nicht gänzlich in der Mottenkiste landen“, wie Hecking auf torfabrik.de zitiert wird, „aber das 4-3-3 steht natürlich im Mittelpunkt“, so der Trainer. „Nach den Möglichkeiten, die wir im Kader haben, ist es natürlich auch mein Anliegen, so viel Qualität wie möglich auf dem Platz zu haben.“ Dabei kommen vor allem den schnellen Außenspielern wie Ibo Traore oder Fabian Johnson Schlüsselrollen zu.


Auch im Mittelfeld, welches nunmehr aus nur noch drei Spielern besteht, wird es einen größeren Konkurrenzkampf als zuvor geben, die Qualität der Einzelspieler hingegen muss sich vor niemandem in der Bundesliga verstecken. „Mit der Doppel-Acht, wenn Räume da sind und nachgestoßen wird, ist das vielversprechend. Wir haben dann sehr viele Leute um den Strafraum und können schnell ins Gegenpressing gehen. Ich glaube, es ist der richtige Schritt umzudenken und sich ein bisschen eine neue Definition zu geben“, führt Hecking aus.

„Mit Kramer, Hofmann, Neuhaus, Zakaria, Cuisance, Bénes, Strobl, Stindl und Raffael, der auch aus der etwas hängenden Rolle spielen kann, gibt es sehr viel Variationsmöglichkeiten. Ich hoffe, dass es nicht zu viele sind und dass man zu sehr in ein Mischmasch verfällt“, zeigt sich der Trainer eher besorgt, nicht jedem Spieler die Minuten verschaffen zu können, die er spielen könnte.


Dennoch deutet sich so etwas wie eine Zeitenwende in Mönchengladbach an. Max Eberl, Dieter Hecking und Co. haben ihren Worten Taten folgen lassen und neben den Neuerungen im Staff und der medizinischen Abteilung hat man sich endlich dazu entschlossen, auch auf dem Platz einen neuen Weg gehen zu wollen. Allein dieser Umstand macht die Saison aus Gladbacher Sicht weitaus interessanter, als wenn man erneut versucht hätte, mit dem 4-4-2 die Liga zu erschrecken.