​Wenig überraschend hat Liverpool-Trainer Jürgen Klopp bestätigt, dass der für über 60 Millionen Euro neu verpflichtete brasilianische Nationaltorwart Alisson Becker als neue Nummer Eins der Reds in die kommende Saison gehen wird. Damit müssen sich Loris Karius und Simon Mignolet erst einmal hinten anstellen - oder neue Klubs suchen. 


In einem Exklusiv-Interview mit ​Sky Sport nahm Klopp Stellung zur Verpflichtung des momentan teuersten Torhüters aller Zeiten, zur Torwart-Situation des ​FC Liverpool, sowie Klopps veränderter Einstellung hinsichtlich Top-Transfers, seit der auf der Insel arbeitet. "Wir haben versucht, eine richtig gute Fußballmannschaft, die wir letztes Jahr schon hatten, zu verstärken, was nicht wahnsinnig leicht ist auf diesem Niveau. Die Basis in der Truppe war so gut, dass wir mit gezielten Verstärkungen das Gefühl haben, den nächsten Schritt machen zu können", erklärt Klopp die hohen Ausgaben der aktuellen Transferperiode.

Auf der Torwartposition herrsche nun wie auf allen anderen Positionen auch ein Zweikampf: "Wir müssen in der Breite wirklich Qualität haben. Für Loris Karius mag die Situation nicht so wahnsinnig toll sein - wenn man die Nummer Eins von Brasilien verpflichtet, dann sagt man natürlich nicht: 'Der muss sich jetzt erstmal sechs Wochen zeigen.' Wir haben genügend Spiele, dass auch alle Spiele haben werden. Klar, dass Alisson bei uns zwischen den Pfosten steht, sonst muss man das Geld ja nicht investieren. Aber Loris hat jetzt trotzdem die Möglichkeit, sich als Torhüter weiterzuentwickeln und wird Spiele haben. Er ist ein herausragender Torwart, und das kann er weiterhin auch bei uns zeigen."


Karius zeigte sich offensichtlich wenig begeistert von seiner Situation in Liverpool: "Das ist natürlich nicht optimal für mich." Er könne noch nicht beantworten, ob er Liverpool nun verlässt. "Es ist ja noch ein bisschen Zeit. Mein Fokus ist jetzt, hier gute Spiele zu machen, gut zu trainieren, mich in meine beste Form zu bringen, jeden Tag das Beste herauszuholen." Zu einem möglichen Wechsel könne er sich zu diesem Zeitpunkt nicht äußern. Ausschließen wollte Karius aber nichts.

Klopp erläuterte bei Gelegenheit auch die anderen Transfers des FC Liverpool in diesem Sommer: "Naby Keita wollten wir letztes Jahr schon haben, da hat sich Leipzig ein bisschen quer gestellt, deswegen ist er jetzt erst gekommen. Wir mussten Emre Can ersetzen und das haben wir mit Fabinho getan, ein außergewöhnlich guter Spieler. Wir brauchten in der Breite mehr Qualität im Offensivbereich, das haben wir mit Shaqiri getan. Und dann konnten wir einen Weltklasse-Torhüter verpflichten mit Alisson und haben das eben auch getan." Damit sei man sehr weit in den Kaderplanungen und unter Umständen sogar fertig, was aufgrund der durch die WM kurzen Vorbereitung sehr wichtig sei. Durch die letzten Transfers haben die Reds seit Anfang 2017 über 300 Millionen Euro für Neuverpflichtungen ausgegeben.


Noch 2016 hatte Jürgen Klopp im Zusammenhang mit dem 110-Millionen-Euro-Transfer von Paul Pogba zu ​Manchester United geäußert, dass er kein Verständnis für solche Ablösesummen habe: "Tatsächlich will ich das anders machen. Das würde ich sogar tun, wenn ich mehr Geld ausgeben könnte. An dem Tag, an dem das Fußball ist, werde ich meinen Job nicht mehr machen", hatte Klopp damals behauptet. Nun hat Klopp 2018 beim FC Liverpool die neuen Rekordtransfers für Innenverteidiger Virgil van Dijk (für 79 Millionen Euro von Southampton) und Torhüter Alisson (62,5 Millionen Euro plus Boni vom ​AS Rom) aufgestellt und seine Meinung diesbezüglich geändert: "Es interessiert uns nicht, was die Welt um uns herum denkt. Es ist immer nur eine Momentaufnahme. Habe ich meine Meinung geändert? Ja, das stimmt. Wir haben die Spieler, die wir wollten."