​Nach einer langen Schweigezeit hat sich Mesut Özil am heutigen Sonntag erstmals zu Wort gemeldet. Der beim FC Arsenal unter Vertrag stehende Akteur rechtfertige sein Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, kritisierte einige deutsche Medien, Sponsoren, Partner und schließlich den Deutschen Fußballbund. Dies alles führte zur absehbaren Folge eines Rücktritts aus der DFB-Elf.


In seiner langen dreiteiligen Mitteilung erklärte Özil am Ende seinen Rücktritt aus der deutschen Nationalmannschaft, für die er in seiner Karriere 92 Mal zum Einsatz kam. Die Gründe dafür sind offensichtlich.


Özil wurde nach dem frühen Ausscheiden bei der Weltmeisterschaft in Russland von vielen als Hauptschuldiger ausgemacht, neben sportlichen Gründen wurde dabei oftmals auch das Theater rund um das Erdogan-Foto und seine fehlende Stellungnahme dazu vor und während des Turniers als Ursache beschrieben.


Was Anfangs eine rein sportliche Debatte über einen lange unumstrittenen Leistungsträger der DFB-Elf war, der aber wie viele seiner Kollegen an einem Formtief litt und nur selten seine Bestleistung abrufen konnte, wurde zu einem medial ausgerichteten politischen Krieg, bei dem Fans und Medien für das rechte oder linke Lager Stellung bezogen. 

Atletico Madrid v Arsenal FC  - UEFA Europa League Semi Final Second Leg

Auch beim FC Arsenal muss Mesut Özil einiges an Kritik einstecken 


Eines ist sicher: Özil musste sich in den letzten Monaten einem unglaublichen Überfluss an Kritik unterziehen, manchmal zu Recht und manchmal zu Unrecht. Dass letztendlich dabei noch die Unterstützung des Deutschen Fußballbundes fehlte, hat der ganzen Geschichte den Ausschlag gegeben.


Özil kritisierte in seiner Stellungnahme DFB-Präsident Reinhard Grindel heftig: "Während ich versucht habe, Grindel meine Herkunft zu erklären und wieso ich für das Foto posierte, war er viel mehr daran interessiert, seine eigenen politischen Meinungen zu erklären und meine Stellung herabzusetzen." Özil schrieb sogar folgenden Satz: "Ich werde Grindel nicht mehr erlauben, mich als Sündenbock für seine Inkompetenz darzustellen." 

Aber um zurück zum Fußballerischen zu kommen: der 29-jährige Özil hat bei dieser WM seinen Negativtrend im DFB-Dress endgültig bestätigt. Für den unumgänglichen Neuanfang ist sein Rücktritt eigentlich ein Segen. Jogi Löw braucht junge und hungrige Spieler, um wieder Schwung in das deutsche Spiel zu bekommen, das beim letzten Turnier so oft in der Offensive nur an Statik erinnerte. 


Es ist aber auch wichtig zu betonen, dass letztendlich bei den meisten Anhängern der DFB-Kicker ein Ereignis aus der Özil-Zeit bei der deutschen Nationalmannschaft in Erinnerung bleiben wird: Der Gewinn der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Diese Errungenschaft kann niemand dem begnadeten Spielmacher wegnehmen.