​Beim Testspiel gegen Austria Wien (1:0) überraschte Lucien Favre beim ​BVB mit einer ganz bestimmten Personalie: Mario Götze. Der 26-Jährige begann die Partie im defensiven Mittelfeld. Doch kann der eigentlich als offensiver Freigeist bekannte Weltmeister von 2014 diese Rolle tatsächlich nachhaltig einnehmen?


Eigentlich ist Mario Götze in der Offensive zuhause. Dort machte er seine ersten Schritte unter Jürgen Klopp, dort wurde er bei Bayern München und in der Nationalmannschaft eingesetzt - und dort erzielte er das entscheidende Tor im WM-Finale gegen Argentinien. 


Doch im Laufe seiner Karriere hat sich Götzes Position innerhalb des Spielfeldes verändert. Vom 'Zehner' entwickelte er sich zur 'falschen Neun', nach der Rückkehr zum BVB erfolgte die Rolle rückwärts. Zunächst war er wieder auf seiner ursprünglichen Position zu finden​, doch zum Ende der abgelaufenen Spielzeit wurde er von Peter Stöger etwas nach hinten versetzt.

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     Auf der Suche nach der passenden Position: Mario Götze


Als 'Achter' zeigte er sich zum Schluss in guter Form, doch um eine Rolle für ihn ausfindig zu machen, wird es auch darauf ankommen, welches System Favre spielen lässt. Fakt ist jedenfalls, ​dass der Schweizer auch auf ein ordentliches Umschaltspiel setzen will, wofür er schnelle Spieler wie Marco Reus, Christian Pulisic oder Marius Wolf benötigt - Götze ist allerdings weniger für sein Tempo bekannt.


Viel mehr überzeugt er durch seine technische Finesse am Ball und seinen Qualitäten im Passspiel. So schrieb beispielsweise der ​Westfälische Anzeiger, Götze sei "extrem pass- und ballsicher und liebt die kurzen, schnellen Bewegungen, mit denen er dem Spiel eine andere Richtung geben kann."


Sechs Kandidaten für zwei Plätze


Sollte Favre also, wie schon gegen Austria Wien, weiterhin auf ein 4-4-2 setzen, fällt der klassische 'Zehner' weg. Im Sturm wird er womöglich ebenfalls nicht zu finden sein, wenn der Verein in den kommenden Wochen einen Neuzugang präsentiert. Deshalb blieben in der Theorie nur noch die beiden Plätze im zentralen Mittelfeld, doch dort ist die Konkurrenz groß: Julian Weigl, Mahmoud Dahoud, Nuri Sahin, Sebastian Rode und Neuzugang Thomas Delaney kämpfen ebenfalls um einen Platz in der Startelf.

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  Der eigentliche Ballverteiler des BVB: Julian Weigl


Bei Borussia Mönchengladbach bevorzugte Favre geteilte Aufgaben. Christoph Kramer war eher für den defensiven Part zuständig, während sich Granit Xhaka an der Offensive beteiligte, das Spiel mit seinen präzisen langen Bällen eröffnete und selber ab und an mit seinem wuchtigen Abschluss aufs Tor zielte. Mit Weigl und Dahoud gibt es bereits zwei Edeltechniker, wobei besonders ersterer in seiner Anfangszeit beim BVB als Spieleröffner überzeugte und unter Thomas Tuchel regelmäßig aufblühte. Wenn Weigl zu alter Form findet, dürfte er gesetzt sein und die schnellen Vordermänner in Szene setzen.

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  Thomas Delaney (r.) soll für die Robustheit sorgen, die der Mannschaft zuletzt fehlte


Der Däne Delaney wurde gerade deswegen verpflichtet, weil man in Dortmund noch einen Abräumer benötigt. Rode ist zwar ebenfalls solch ein Spielertyp, hatte in der Vergangenheit allerdings zu sehr mit Verletzungen zu kämpfen und will sich unter Favre unbedingt beweisen, was den Konkurrenzkampf zusätzlich verschärft. 


Jetzt oder nie: Mario Götze steht vor einer "entscheidenden Saison"


Götze, der im Gegenpressing unermüdlich arbeitet, würde jedoch eher eine offensivere Rolle einnehmen und sich möglicherweise an den Angriffen beteiligen. Doch neben der Frage, ob speziell das Modell 'Sechser' eines für die Zukunft ist, beschäftigen sich die Verantwortlichen in Dortmund bereits seit seiner Rückkehr vor zwei Jahren damit, welche Position die geeignetste für ihn ist. Überzeugen konnte der 26-Jährige seither selten, was allerdings auch an seiner Stoffwechselerkrankung lag.

Borussia Dortmund Training Session

  Hans-Joachim Watzke nimmt Götze in Schutz - weiß allerdings auch genau, worum es für seinen Schützling geht


An seiner Einstellung liegt es keineswegs, sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke im ​Bild-Podcast 'Phrasenmäher'. Doch viel Zeit bleibt dem einstigen Juwel nicht mehr: "Ich glaube, dass Mario ein kluger Junge ist. Er weiß genau, um was es geht. Er muss natürlich wissen: Das ist jetzt für ihn eine ganz entscheidende Saison."


Kann Favre eine Lösung finden?


Der 59-Jährige ist davon überzeugt, dass Favre versuchen werde, "ihm massiv zu helfen." Doch: "Den Rest muss Mario machen." Woran es allerdings bei Götze hakt, weiß offenbar niemand so recht: "Es liegt bei ihm ganz bestimmt nicht am Wollen. Er ist sehr professionell, er macht und und tut alles. Und trotzdem hat man ja den Eindruck, dass irgendwas fehlt."

​Dieses Problem könne Götze nur in Zusammenarbeit mit Favre lösen, der nun eine geeignete Rolle für seinen Schützling finden muss. Das defensive Mittelfeld war ein erster Versuch, doch es wird auch darauf ankommen, ob Götze auf längere Sicht mit dieser Rolle zurechtkommt - und ob er sich gegen die Konkurrenz durchsetzen kann.