Benjamin Pavards Traumtor gegen Argentinien dürften die ohnehin schon großen Begehrlichkeiten am französischen Shootingstar noch einmal steigen lassen. Beim VfB Stuttgart will man Pavard dennoch unbedingt halten und auch bei Mega-Offerten standhaft bleiben - zumindest für diesen Sommer.


​Das ​Achtelfinale zwischen Frankreich und Argentinien war eines der packendsten Duelle der laufenden ​WM. 4:3 hieß es am Ende für die Equipe Tricolore, die einen 1:2-Rückstand zu Beginn der zweiten Hälfte binnen elf Minuten in eine 4:2-Führung drehen konnte. Eingeleitet wurde der Torreigen der Franzosen mit einem Wahnsinns-Treffer von Benjamin Pavard. 


Der 22-jährige Rechtsverteidiger nahm sich nach knapp einer Stunde ein Herz und drosch den Ball per Halbvolley unhaltbar in die argentinischen Maschen. Ein Sonntagsschuss am Samstagnachmittag von Kasan. An dem Ort, an dem auch die deutsche Nationalmannschaft die Segel streichen musste, schmiss Frankreich den zweiten Finalisten von 2014 aus dem Turnier. Pavards Traumtor war der Anfang vom argentinischen WM-Ende.

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Emotionen pur: Pavard (o. r.) rutscht auf Knien den jubelnden Reservisten entgegen


Beim ​VfB Stuttgart dürfte man stolz sein über die Leistungen des Youngsters. Der Dauerbrenner der vergangenen Spielzeit hat sich bei den Schwaben von einem Zweitliga-Spieler zum jetzt neunfachen National- und Stammspieler beim großen Titelfavoriten entwickelt. Schon vor dem Turnier in Russland war das Interesse an Pavard groß. Seine Auftritte bei der WM werden dieses noch einmal stark steigen lassen. 


Pavard soll noch nicht verkauft werden - auch nicht für 50 Millionen Euro


Das weiß auch Stuttgarts Sportvorstand Michael Reschke, der in diesem Sommer schon auf große Einkaufstour gegangen ist. Zuletzt kamen ​Gonzalo Castro vom BVB und ​Rückkehrer Daniel Didavi aus Wolfsburg als Neuzugänge Nummer sechs und sieben hinzu. 22 Millionen Euro hat der VfB bislang ausgegeben - auf der Einnahmensseite stehen gut 13 Millionen Euro, die zum Großteil aus den zehn Millionen Euro für Daniel Ginczek kommen. 


Geht es nach Reschke, sollen die Einnahmen aus Spielerverkäufen nicht mehr drastisch ansteigen - zumindest für diesen Sommer. Denn das würde bedeuten, dass ein Groß-Klub im Werben um Pavard Ernst macht. Bei 30 Millionen Euro liegt dessen Marktwert (transfermarkt.de) bereits, mit seinem Treffer gegen Argentinien dürften die Offerten bei 50 Millionen Euro aufwärts liegen. Eine Summe, bei der Reschke dennoch hart bleiben möchte. 


"Wir wollen den Spieler behalten", erklärt er gegenüber der Stuttgarter Nachrichten. "Wir werden Benjamin Pavard in diesem Jahr definitiv nicht für 50 Millionen Euro verkaufen“, so Reschke weiter. Der begehrte Franzose steht noch bis mindestens 2021 beim VfB unter Vertrag. Eine Ausstiegsklausel gibt es für diesen Sommer nicht. Dennoch schätzt Reschke die Lage realistisch ein: "Benjamin Pavard war als Bundesligaspieler schon im Fokus der ganz großen Klubs, das hat jetzt noch einmal zugenommen. Warten wir mal ab, was die nächsten Wochen und Monate bringen“, sagt der 60-Jährige. 

Nach der WM wolle der VfB-Sportvorstand "in aller Ruhe“ mit Pavard und dessen Berater sprechen. Dann soll der 22-Jährige mit einem möglichen Wechsel ein Jahr später zum Verbleib überzeugt werden. "Wir sind bereit, eine Lösung für den 1. Juli 2019 zu finden“, so Reschke. "Mit einem Klub, der sauber und korrekt mit uns zusammenarbeitet.“ Über kurz oder lang wird Pavard für einen internationalen Top-Verein auflaufen. Der Schritt soll aus Sicht des VfB aber noch eine Saison warten. "Benjamin Pavard wird einmal zu den besten Abwehrspielern der Welt gehören.“ 

Im kommenden Sommer könnte der VfB den Weltklasse-Verteidiger dann womöglich ohnehin nicht mehr von einem Wechsel abhalten. Die Süddeutsche Zeitung schreibt, dass Pavard dann eine Ausstiegsklausel besitzt. Dem Vernehmen nach soll diese zwischen 30 und 40 Millionen Euro liegen.