Frankreich siegt dank einer starken Leistung von Youngster Kylian Mbappé in einem wilden Spiel mit 4:3 (1:1) gegen Argentinien und zieht ins Viertelfinale der WM ein. Das Topspiel bot vor allem in der zweiten Halbzeit ein packendes Hin und Her. Während Frankreich in der Gruppenphase vor allem mit defensiver Stabilität überzeugen konnte, zeigte die Equipe gegen die Albiceleste seine enorme offensive Power.


Frankreich - Argentinien 4:3 (1:1)
Tore: 1:0 Griezmann (13.), 1:1 di Maria (41.), 1:2 Mercado (48.), 2:2 Pavard (57.), 3:2 Mbappé (64.), 4:2 Mbappé (68.), 4:3 Aguero (93.)

Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps rotierte nach der erweiterten B-Elf im letzten Gruppenspiel zurück zur Startelf gegen Peru: Torwart Hugo Lloris kehrte ins Tor zurück, die Doppelsechs wurde von N'Golo Kanté und Paul Pogba gebildet, auf der linken Seite startete Blaise Matuidi und im Sturm spielte wieder Olivier Giroud. Während Griezmann und Mbappé im 4-2-3-1 in der Startelf standen, saß Ousmane Dembele nur auf der Bank. Deschamps blieb bei seiner Taktik, aus einer stabilen Abwehr auf die individuelle Qualität der Offensiven zu vertrauen.


Argentiniens Trainer Jorge Sampaoli veränderte seine Stammelf aus dem Sieg gegen Nigeria nur auf einer Position: Für Mittelstürmer Gonzalo Higuain rückte Außenspieler Pavon in die Startelf, dafür rückte Messi ins Sturmzentrum. Argentinien formierte sich so in einem 4-3-3. Somit saßen Higuain, Aguero und Dybala vorerst alle auf der Bank. Sampaolis Plan lautete, Messi in bessere Abschlusspositionen zu bringen.


In der Anfangsphase hatte Frankreich trotz weniger Ballbesitz große Chancen und ging schließlich in der 13. Minute in Führung. Die Franzosen ließen Argentinien kommen, die aber mit dem Ballbesitz nichts anfangen konnten, während Frankreich nach Ballgewinn schnell umschaltete und den schnellen Mbappé auf die Reise schickte. Nachdem dieser in der 8. Minute nach einem Solo noch kurz vor dem Strafraum gestoppt werden konnte und Griezmann den anschließenden Freistoß aus etwa 18 Metern noch an die Latte setzte, holte der Mbappé nach gut zehn Minuten einen Elfmeter raus, als der 19-Jährige bei einem Sprint über 60 Meter an mehreren Argentiniern vorbeizog, schließlich den Ball an Verteidiger Marcos Rojo vorbei legte, und von diesem im Strafraum gefoult wurde. Den fälligen Strafstoß für Frankreich verwandelte Griezmann souverän links unten zur 1:0 Führung. 


Argentinien mit dem Ball - aber ohne Ideen


Auch nach dem Tor hatte Argentinien mehr Ballbesitz, konnte daraus aber kein Kapital schlagen, vor allem weil das Zentrum nicht besetzt wurde. Der nominelle Mittelstürmer Messi wich immer wieder auf den rechten Flügel aus, sodass im letzten Drittel die Anspielstationen fehlten. Darüber hinaus zeigten sich die Südamerikaner zu ideenlos im Aufbauspiel. Frankreich setzte weiterhin darauf, aus einer stabilen Verteidigung heraus mit langen Bällen auf die schnellen Mbappé und Griezmann das Mittelfeld zu überbrücken. Allerdings kam auch die Equipe nicht zu Abschlüssen aus dem Spiel heraus. 


Nach einer halben Stunde hatte die Albiceleste 70 Prozent Ballbesitz - aber noch keinen Torabschluss. Allerdings wurden die Hereingaben in den Strafraum langsam präziser; einmal verzettelte Messi sich und einmal konnte der Stuttgarter Benjamin Pavard klären. Doch dann fiel in der 41. Minute quasi aus dem Nichts der Ausgleich für Argentinien. Nach einem Einwurf war der Rückraum nicht besetzt, und Angel di Maria versenkte den Ball aus 25 Metern zentraler Position per Traumtor oben rechts im Winkel. Der erste Abschluss Argentiniens war direkt drin. Zur Pause stand es damit Unentschieden 1:1, mit mehr Ballbesitz für die Südamerikaner und den besseren Chancen für Frankreich. 


Die Südamerikaner zeigten sich nach der Halbzeit aggressiver und kamen in der 48. Minute nach einem Freistoß zur Führung. Die Flanke ging einmal durch den Sechzehner, wo Messi aufzog und abschloss. Den eigentlich ungefährlichen Schuss fälschte Verteidiger Mercado unhaltbar ins kurze Eck ab. Doch die junge französische Mannschaft zeigte sich nicht beeindruckt und schaltete einen Gang hoch. Nachdem der argentinische Verteidiger Fazio kurz nach der Führung noch seinen Keeper in Bedrängnis brachte, als er Griezmann den Ball auflegte, erzielte der Stuttgarter Benjamin Pavard in der 57. Minute per Traumtor den Ausgleich für Frankreich. Eine Flanke von links kam bis zum Rechtsverteidiger durch, der den Ball aus 17 Metern perfekt über den Spann rutschen ließ, sodass der sich unhaltbar ins lange Eck senkte.


Frankreichs junge Wilde wie im Rausch


Nach dem Ausgleich wurde es ein wildes Spiel mit vielen Ballwechseln, allerdings spielte vor allem Mbappé wie entfesselt. Nur sechs Minuten nach dem 2:2 erzielte er in der 63. Minute sein erstes Tor, als er einen Abpraller verwertete und aus halblinker Position abschließen konnte. Der Ball ging zentral und haltbar auf das Tor, doch der argentinische Keeper Franco Armani konnte den Schuss nicht halten. In der 68. Minute konnte der 19-Jährige zum Doppelpack nachlegen, als er nach einer schönen Mittelfeld-Kombination Giroud den Ball auf die rechte Seite ablegte, wo Mbappé aus vollem Lauf ins lange Eck verwandelte.

Nach dem scheint 4:2 das Spiel durch - bis zur Nachspielzeit


In der Folge flaute das Spiel zunehmend ab. Während sich Frankreich auf eine stabile Defensive und Konter verlegte, glaubten die Argentinier nicht mehr so recht an ein Comeback. In der Schlussviertelstunde wechselten beide Mannschaften mehrfach, allerdings blieb dies ohne einen großen Effekt auf das Spiel. Stattdessen gab es einige hitzige Zweikämpfe. In der 85. Minute hatte Messi noch eine Gelegenheit, als er an zwei Verteidigern vorbeiging, sein Schuss aber zu zentral aufs Tor ging. Erst in der 92. Minute konnte Aguero nach einer Flanke den Anschlusstreffer erzielen. Am Ende wurde es nochmal eng und die Albiceleste kam zu einer Kopfballchance, doch das argentinische Aufbäumen kam zu spät.