​Sportdirektor ​Michael Reschke konnte zwar nach der abgelaufenen Saison schon früh gleich mehrere Neuzugänge für den ​VfB Stuttgart präsentieren, dennoch hat der 60-Jährige derzeit alle Hände voll zu tun. Neben dem französischen Shootingstar Benjamin Pavard müssen die Anhänger des VfB nun auch um einen Verbleib von Angreifer ​Daniel Ginczek bangen. Der bullige Stürmer soll einem Wechsel zum VfL Wolfsburg bereits zugestimmt haben, dabei wäre ein Abgang des Deutschen ein echter Verlust.


Zugegeben: die Trefferquote des 27-Jährigen war auch in der vergangenen Saison nicht herausragend. Acht Treffer in 25 Spielen sind ein ordentlicher Wert, aber nicht überragend. Insgesamt betrachtet konnte der 1,91-Meter-Hüne seit seinem Wechsel im Sommer 2014 vom 1. FC Nürnberg in 70 Pflichtspielen für die Schwaben jedoch immerhin 23 Treffer und elf Torvorlagen beisteuern. Diese nackten Zahlen werden dem Angreifer aber besonders in seiner Funktion unter Trainer Tayfun Korkut nicht gerecht.


Der deutsch-türkische Fußballlehrer legt viel Wert auf taktische Disziplin und in dieser Kategorie ist Ginczek ein echter Musterschüler. In der Doppelspitze mit Mario Gomez legt sich zwar auch der deutsche Nationalstürmer mächtig ins Zeug, im Spiel gegen den Ball ist der gebürtige Arnsberger aber stärker als der ehemalige Bayern-Angreifer. Auch der von den Fans für seine Schnelligkeit verehrte Anastasios Donis und der großen Formschwankungen unterworfene Chadrac Akolo sind hier unterlegen.


Nach der Rückkehraktion von Mario Gomez in der Winterpause zeigten sich die beiden als kongeniales Duo und waren maßgeblich an dem Siegeszug des VfB in der Rückrunde beteiligt. Bei den Fans steht Ginzek aufgrund seiner aufopferungsvollen Spielweise ohnehin schon immer hoch im Kurs. Dass die Wolfsburger auf der Suche nach einem Ersatz für Gomez nun ausgerechnet dessen jetzigen Teamkollegen auserkoren haben, finden sie hingegen weniger lustig.


Der Stürmer selbst soll nicht abgeneigt sein und nach Informationen der Wolfsburger Nachrichten einem Wechsel bereits zugestimmt haben. Bei den Stuttgartern sieht er seinen Stammplatz in Gefahr und will wohl nun dem Vernehmen nach endlich aus dem Schatten von Gomez treten. Stuttgarts Sportvorstand Michael Reschke erklärte aber der Sport Bild noch vor wenigen Tagen, dass er aktuell davon ausgeht, dass Ginczek auch in der kommenden Saison für den VfB auflaufen wird. Bei einem entsprechenden Angebot im zweistelligen Millionenbereich dürfte er dennoch ernsthaft über einen Transfer nachdenken.


Unklar ist bislang, wie stark der Wechselwunsch des ehemaligen U21-Nationalspielers ausgeprägt ist. Will er definitiv eine Luftveränderung, könnte es zu Unruhen kommen, wenn er zum Verbleib 'gezwungen' wird. Rein wirtschaftlich gesehen, würde ein Transfer für die Schwaben aber durchaus Sinn machen. Schließlich war der Torjäger in der Vergangenheit häufig verletzt und man könnte durch einen Verkauf ein deutliches Transferplus erzielen, da man im Jahr 2014 nur rund 2,5 Millionen Euro an die Nürnberger überwiesen hatte.


Den Ausschlag geben dürfte am Ende der Trainer Tayfun Korkut. Will der 44-Jährige auch in der kommenden Saison an seinem erfolgreichen System festhalten, dürfte Ginczek weiterhin unverzichtbar sein. Schließlich wachsen Spieler, die dieses Anforderungsprofil so ausgezeichnet erfüllen wie der Deutsche, nicht gerade auf Bäumen, auch wenn man durch einen Verkauf eine stolze Summe generieren könnte.