Beim BVB soll Lucien Favre den Neustart einleiten. Der Schweizer gilt als detailversessen und akribisch. Steffen Korell arbeitete in Gladbach als Teammanager eng mit Favre zusammen. Der ehemalige Weggefährte erzählt in einer Anekdote aus einem Trainingslager, wie Favre wirklich tickt.


Als Steffen Korell 1991 seine ersten Profi-Spiele für den FC 08 Homburg absolvierte, war die zweite Bundesliga noch in eine Nord- und Südstaffel zweigeteilt. 1995 ging es für den ehemaligen Abwehrspieler weiter nach Freiburg, wo er für den Sportclub die ersten seiner insgesamt 117 Bundesligaspiele machte. Ab der Jahrtausendwende wurde Korell dann ein Fohle und trug bis 2005 das ​Gladbacher Trikot, bevor er mit 33 Jahren seine aktive Karriere wegen eines Knorpelschadens beenden musste.


Der Borussia blieb er dennoch treu: "Gladbach ist mittlerweile meine zweite Heimat geworden. Eine Herzensangelegenheit", sagt der gebürtige Pfälzer im Gespräch mit dem Fohlenpodcast. Gut zehn Jahre war Korell als Teammanager für die Organisation von Trainingslagern, Testspielen und der Integration von Neuzugängen zuständig. Seit 2011 in Doppelfunktion als Chefscout. Im vergangenen Sommer übernahm Ex-Torhüter ​Christofer Heimeroth das Amt des Teammanagers, Korell ist seither ausschließlich als Leiter der Scouting-Abteilung tätig.

In den Jahren zuvor hat Korell mit einigen Trainern zusammengearbeitet. Unter anderem viereinhalb Jahre mit Lucien Favre zwischen 2011 und 2015. Eine Zeit, die den 46-Jährigen prägte und seine Sichtweise auf den Fußball verändert hat. "Er hat mich zur Höchstleistung getrieben", schwärmt Korell über den Schweizer, auch wenn es mit Favre "total anstrengend" gewesen sei. "Weil viel gefordert wurde." 


Favre achtet millimetergenau auf die Rasenlänge


Der Ex-Profi hat eine Anekdote aus einem Trainingslager in Bayern auf Lager, die den Perfektionismus von Favre seht gut verdeutlicht. Der Schweizer gilt als äußerst akribisch, achtet auf jede Kleinigkeit. Korell kann das nur bestätigen: "Da ging es um die Rasenlänge in Millimetern. Die hatten keinen Spindelmäher, um den Rasen auf dreißig Millimeter zu kürzen. Was soll ich dann machen? Ich kann den nicht kaufen, ich kann den Rasen nicht selbst mähen", erzählt Korell. "Und der erste Satz, den Lucien Favre zu mir gesagt hat, war: 'Steffen, wir verlieren hier eine Woche Training, weil der Rasen zu hoch ist'", berichtet Korell. "Wenn du Teammanager bist, fühlst du dich verantwortlich. Das hört keiner gerne. Aus dem Nachbarort haben sie einen Spindelmäher aufgetrieben. Nach zwei Tagen war es dann zum Glück erledigt und das Trainingslager war gerettet", sagt er lachend.

FC St. Pauli v Borussia Moenchengladbach  - DFB Cup

Akribischer Arbeiter: Lucien Favre achtet auf jedes Detail.



Im Nachhinein ist er Favre sehr dankbar für die gemeinsame Zusammenarbeit. "Ich hatte eine sehr gute Beziehung zu ihm. Ich glaube auch, dass er mich geschätzt hat", so der Borussen-Chefscout. Favre habe ihm gezeigt, "dass ich meine Kriterien, die ich für mich hatte, auf ein noch höheres Niveau heben muss. Und dann ist das auch völlig okay, weil sich auch ein Teammanager ständig entwickeln muss. Das treibt einen an."


Entwickeln muss Favre nun die Borussia aus ​Dortmund, wo der Schweizer den ausgerufenen Neustart einleiten muss. Teammanager wird dort Sebastian Kehl - Favres hohen Ansprüchen muss jetzt der Ex-Nationalspieler gerecht werden. Hält er sich an Korells Worte, kann er davon nur profitieren.