​Zu Beginn noch von weiten Teilen der Fans eher kritisch beäugt, entpuppte sich ​Michael Reschke mittlerweile zweifelsohne als Glücksfall für den ​VfB Stuttgart. Der meinungsstarke Sportvorstand scheut nicht davor zurück, auch unbequeme Entscheidungen zu treffen und war damit ein wichtiger Faktor beim Aufschwung der Schwaben.


Als der Aufsteiger vor rund einem Jahr Michael Reschke als neuen Sportvorstand vorgestellt hatte, spaltete diese Entscheidung die Anhängerschaft in zwei Lager. Da waren zum einen die positiv Überraschten, die über die Verpflichtung des ehemaligen Chefscouts des großen FC Bayern München hellauf begeistert waren. Eine mindestens genau so großer Teil beäugte den 60-Jährigen jedoch ziemlich kritisch, schließlich hatte er zuvor stets im Hintergrund agiert.


Darüberhinaus folgte Reschke auf den größtenteils beliebten Vorgänger Jan Schnindelmeiser, der beim VfB viele verkrustete Strukturen aufgelöst hatte, sich aber letztendlich mit der Führungsriege überworfen hatte. Kein leichtes Pflaster also für einen in dieser Postion gänzlich unerfahrenen sportlichen Leiter. Insbesondere bei so manchem öffentlichen Auftritt war dem neuen starken Mann beim VfB zudem noch anzumerken, dass er sich erst daran gewöhnen muss.


Hatte Schnindelmeiser noch total und im Nachhinein betrachtet womöglich zu stark auf die Jugend gesetzt, lotste Reschke mit Dennis Aogo und Andreas Beck zunächst zwei gestandene Profis an den Neckar. Diese Entscheidungen, waren trotz der Rückkehr von Beck an seine alte Wirkungsstätte nicht gerade populär, stellten sich im Nachhinein aber als goldrichtig heraus. Schließlich spielten beide insbesondere unter Tayfun Korkut eine große Rolle.

Der erste echte Coup gelang dem erfahrenen Talente-Sucher aber mit der Verpflichtung von ​Santiago Ascacibar. Für acht Millionen Euro von Estudiantes de la Plata nach Stuttgart gelotst, spielte sich der 'Gift-Gaucho' durch seine bissige Zweikampfführung sofort in die Stammelf des Aufsteigers und etablierte sich in Windeseile. 

FC Schalke 04 U19 v Hertha BSC U19 - German A Juniors Championship Final

Michael Reschke ist rund um die Uhr auf der Suche nach Verstärkungen


Bis zum nächsten Knaller mussten sich die Fans dann zwar bis zur Winterpause gedulden. Die geglückte Rückkehraktion von Torjäger Mario Gomez war jedoch nicht nur in Baden-Württemberg ein echter Paukenschlag. Nicht viel unwichtiger war auch die Verpflichtung von Erik Thommy, der sich überraschend schnell als echte Verstärkung entpuppte.


Was nun folgte, war die wohl kritischste Phase in seiner bisherigen Amtszeit. Nach anhaltendem sportlichen Misserfolg, zogen die Schwaben und Aufstiegstrainer Hannes Wolf die Reißlinie und gingen getrennte Wege. Mit einem äußerst unglücklichen Auftritt beim ZDF Sportstudio hatte Reschke den jungen Trainer zuvor, wenn auch wohl ohne böse Absicht, öffentlich angezählt und zahlte in Sachen mediale Auftritte ordentlich Lehrgeld.


Mit Tayfun Korkut präsentierte er dann auch noch einen äußerst unpopulären Trainer, der für viele nicht annähernd das verkörperte, für das die Stuttgarter unter Hannes Wolf wieder stehen wollten. Jung und attraktiv, sollte erfolglosem Pragmatismus weichen. Bei der Vorstellung des Deutsch-Türken kam ein echter Shitstorm auf. Der "befürchtete" Pragmatismus stellte sich danach dann auch ein. Nur war er alles andere als erfolglos. Durch eine sensationelle Rückrunde unter Korkut schnupperte man am Ende sogar an der Europa-League-Qualifikation. Erneut hatte Reschke also ein goldenes Händchen bewiesen.


Die Erfolge haben sein Auftreten gegenüber der Presse deutlich souveräner werden lassen. Erfolg macht sexy, davon können sowohl Reschke, als auch Korkut ein Lied singen. Als der 60-Jährige dann auch noch vor ein paar Wochen in einer spektakulären Pressekonferenz gleich mehrere Transfers verkünden konnte, wurden selbst die letzten Kritiker überzeugt. 


Selten zuvor waren die Stuttgarter bereits so früh in den Vorbereitungen auf eine neue Saison so gut aufgestellt. Wenn nun auch diese Transfers und weitere bereits angekündigte Transferbemühungen einschlagen, dürfte der von den Kollegen von Elf Freude als zweitbester Manager der vergangenen Saison ausgezeichnete Sportvorstand auch in der kommenden Saison ein Anwärter auf den Manager-Thron der Bundesliga sein.