Jerome Boateng hat eine klare Meinung zur deutschen Mexiko-Pleite: Zu wenig Leidenschaft, schlechtes Zweikampfverhalten und zu viele Querpässe. Am Samstag gegen Schweden muss das alles besser werden, ins offene Messer dürfe das DFB-Team aber nicht laufen, fordert der Weltmeister.


Auch zwei Tage danach herrscht rund um das deutsche Team der Frust ​über die Auftaktpleite gegen Mexiko an. Erstmals seit 1982 ging das erste ​WM-Spiel einer deutschen Mannschaft verloren. Nach dem enttäuschenden Auftritt war Ratlosigkeit und vor allem Ärger über die eigene Leistung zu spüren. Der Titelverteidiger steht am Samstag (20 Uhr) im zweiten Gruppenspiel gegen Schweden gehörig unter Druck.


"Gegen die Schweden müssen wir alles reinwerfen und natürlich ein ganz anderes Gesicht zeigen. Aber es wird sicher nicht einfacher als gegen Mexiko", prophezeite Jerome Boateng im ​DFB-Interview. Es braucht einen Sieg gegen die Skandinavier, die ihr erstes Spiel gegen Südkorea mit 1:0 für sich entscheiden konnten. 


Andernfalls rückt das Achtelfinale in weite Ferne, Platz eins in der Gruppe wäre wohl in jedem Fall weg. "Jetzt haben wir noch Zeit bis Samstag zur Vorbereitung auf das nächste Spiel. Wir sollten nicht auf Unentschieden spielen. Aber wir sollten auch nicht auf Teufel komm' raus alle wieder nach vorne rennen", erklärte der Weltmeister die Marschroute. 

Damit sprach Boateng einen der Hauptgründe für die Pleite gegen Mexiko an. Dem deutschen Spiel fehlte es an Balance, die Mexikaner nutzten das mit zahlreichen Kontern immer wieder aus. Ein weiterer Punkt, den auch Boateng unumwunden anspricht, war das deutsche Zweikampfverhalten. 


"Dass wir in der Zweikampfstatistik hinten lagen, passt da einfach ins Bild", bemängelte der 29-Jährige. "Unser Zweikampfverhalten war gerade in der ersten Halbzeit zu schwach. Wir hatten so viel in den letzten Tagen besprochen, dass wir als Team zusammenarbeiten müssen, und auch dafür war es dann einfach nicht gut vor der Pause. Zumindest teilweise hat uns die Leidenschaft gefehlt", wurde Boateng deutlich.


Gerade an "solchen Tagen" an denen man "mal schlecht spielt" müsse zumindest "der Kampf da sein". Denn: "Fußball ist immer noch ein Spiel, bei dem sich zwei Mannschaften bekämpfen. Das war gestern in der ersten Halbzeit zu wenig", meinte der Innenverteidiger knallhart. Für ihn war der WM-Auftakt die erste Partie über 90 Minuten nach seiner mehrwöchigen Verletzungspause. 


Ausgerechnet der Bayern-Verteidiger war aber einer der wenigen, dem man Einstellung und Einsatz nicht absprechen konnte. "Ich war am Ende müde, aber ich habe mich dann durchgebissen. Ich wollte nicht runter, aber dann dachte ich auch, es kommt noch mal jemand Frisches, der mehr Kraft hat nach vorne."

Germany v Mexico: Group F - 2018 FIFA World Cup Russia

Boateng (l, neben Siegtorschütze Hirving Lozano) war mit 64 Prozent gewonnener Duelle einer der wenigen Deutschen mit einer positiven Zweikampfstatistik.


Kraft nach vorne hätte eigentlich ausreichend vorhanden sein müssen - allein, es fehlte die Durchschlagskraft. Für Boateng lag das vor allem an der mangelnden Zielstrebigkeit und zu wenig Risiko im letzten Spielfeldrittel. "Das war zu viel Querpass, zu viel rückwärts, zu wenig Bewegung, zu wenig Überraschung", befand er. "Wir müssen vor allem zielstrebiger spielen. Wir müssen im letzten Drittel mehr ins Risiko gehen, auch wenn man dann mal die Bälle verliert. Wir müssen mehr zum Torabschluss kommen", forderte der ​Bayern-Verteidiger. 


"Wir haben gesagt, die Spiele gegen Österreich und Saudi-Arabien waren nur Freundschaftsspiele. Aber das war der WM-Auftakt, da müssen wir einfach anders auftreten." Gegen Schweden bekommt der Titelverteidiger die zweite Chance - es ist womöglich die letzte.