​In einer sehr turbulenten vergangenen Saison bei ​Borussia Dortmund war Shinji Kagawa stets eher eine ruhige Nebengeschichte, die ihren eigenen Verlauf nahm. Glanzleistungen wechselten sich mit müden Partien ab, natürlich kam noch der obligatorische Rückschlag durch eine Verletzung hinzu. Die anstehende Weltmeisterschaft in Russland ist für den japanischen Nationalspieler deshalb eine Chance, wieder die Konstanz in seine Fähigkeiten und Anerkennung der Welt zu bekommen.


Die vergangene Spielzeit Kagawas kann man grob in drei Teile einteilen: die Bosz-Ära, die Stöger-Ära und die Zeit der Sprunggelenksprobleme. Die in den letzten Spielen unter Trainer Peter Bosz erschlaffte Mittelfeld-Kreativität wurde durch eine größere Rolle für Kagawa unter Stöger wiederbelebt. Doch ausgerechnet bei seinem Formhoch wurde der Spielmacher für fast das komplette letzte Drittel der Saison außer Gefecht gesetzt.


In Dortmund überwiegen weiterhin die guten Erinnerungen an den Spieler, dem unter Jürgen Klopp der Durchbruch gelang. Unter den zahlreichen Mittelfeldspielern, die dem radikalen Kaderumbruch zum Opfer fallen könnten, wird überraschend selten sein Name genannt.


Kagawa soll also demnächst wieder seine einzigartigen Qualitäten voll zur Schau stellen und könnte vom Spielstil seines neuen Trainers Lucien Favre stark profitieren. Davor muss er aber mental die richtigen Voraussetzungen dafür schaffen. Und dies könnte durchaus bei der am heutigen Donnerstag beginnenden WM gelingen.


Wie bereits bei der letzten WM in Brasilien ist Kagawa der absolute Hoffnungsträger seiner Nation, in der er zu den bekanntesten Sportlern gehört. Rund um ihn herum kommen zudem bei den Japanern zahlreiche Spieler zum Einsatz, die über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügen. Besonders das Zusammenspiel mit Takashi Inui sollte der Gegner im Auge behalten. Kagawa ist endlich fit, spielt in einer eingespielten Mannschaft und wird sich einer Konkurrenz stellen, die man in der Gruppenphase durchaus bewältigen kann. Denn außer Kolumbien ist der zweite Platz in der Gruppe H zwischen Japan, Senegal und Polen völlig offen.

TSG 1899 Hoffenheim v Borussia Dortmund - Bundesliga

Stellte sich auch als Bankspieler voll in den Dienst der Mannschaft: Shinji Kagawa


Allein diese drei Spiele der Gruppenphase haben jeweils die Bedeutung und Intensität von zehn Pflichtspielen für den Verein. Die aufgebotene Kraft ist größer, aber der Ertrag ist unermeßlich. Kagawa hat die Chance wie viele anderen Spieler, Heldenstatus zu erlangen und somit unter anderem bei den BVB-Fans wieder eine große Euphorie rund um seine Person auszulösen.


Für den 29-Jährigen heißt es "jetzt oder nie", die geballte Kraft seines Talents auf den Rasen zu bringen und sich in eine zentrale Rolle auf der Bühne des Weltfußballs und Borussia Dortmund zu bringen. Wir haben bei weitem noch nicht genug von ihm gesehen.