Vor etwas mehr als einem Jahr berief Joachim Löw Timo Werner erstmals in die Nationalmannschaft, seitdem ist der Stürmer von RB Leipzig nahezu unverzichtbar. Trotz seines jungen Alters und nach seinem kometenhaften Aufstieg ist er nun der wichtigste Baustein der Offensive, da er der einzige zu sein scheint, der die Lücke nach dem Rücktritt von Miroslav Klose angemessen schließen kann.


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14 Millionen Euro überwies RB Leipzig im Sommer 2016 an den damals frisch abgestiegenen ​VfB Stuttgart, um sich die Dienste von Timo Werner zu sichern. Bei seinem Jugendverein, für den er insgesamt 14 Jahre auflief, konnte er sein Potenzial in 103 Spielen für die erste Mannschaft andeuten, doch mit 14 Toren und elf Assists blieb Werner weit unter seinen Möglichkeiten. Nach einem guten Start flachten seine Leistungen etwas ab, nur in seiner letzten Spielzeit zeigte er sich spürbar torgefährlicher und beendete die Saison 2015/16 mit insgesamt zwölf Torbeteiligungen.


Nachdem er in Stuttgart mal auf der Außenbahn und mal im Angriff eingesetzt wurde, hatte Ralph Hasenhüttl eine klare Idee und machte den mittlerweile 22-Jährigen endgültig zum Stürmer. In der Doppelspitze mit Yussuf Poulsen und der aggressiven, offensiven Spielidee der Leipziger wurde Werner in eine Zone geführt, in der er seine Stärken voll und ganz ausspielen konnte. Seitdem besticht er durch sein Tempo, seine Fähigkeiten am Ball und im Abschluss sowie seiner unermüdlichen Laufleistung. Auf dem Platz gibt er in jeder Sekunde Vollgas, was sich sichtlich auszahlt: In seiner ersten Saison bei RB erzielte er in 31 Bundesligapartien 21 Tore.

RB Leipzig v VfL Wolfsburg - Bundesliga

  Bei RB Leipzig fand Timo Werner schnell in die Spur, mit Auswirkungen: Sein Marktwert stieg in den letzten beiden Jahren auf 60 Millionen Euro an


Im Folgejahr war er in der Liga nicht ganz so treffsicher, doch vor allem im europäischen Wettbewerb zeigte er sein Können und war maßgeblich daran beteiligt, dass die Sachsen in ihrer Premierensaison das Viertelfinale der Europa League erreichten. Wieder standen 21 Treffer auf dem Konto, wieder diente Werner auch als Vorlagengeber (zehn Assists). Bei seinem neuen Verein traf er bislang drei Mal so oft wie in Stuttgart, benötigte dafür allerdings 26 Spiele weniger. Joachim Löw, der ohnehin wieder nach einer klaren Sturmspitze suchte, blieb dies nicht verborgen.


Werner kam genau dann, als man einen wie ihn am dringendsten benötigte


Denn schon bei der Weltmeisterschaft 2014 kam die Kritik auf, dass sich die Nachwuchsarbeit in Deutschland zu sehr auf spielstarke, technische und wendige Angreifer fokussiere. Der klassische Stürmer verschwand langsam aber sicher in der Versenkung, weshalb der Bundestrainer vor vier Jahren noch einmal Miroslav Klose nominierte - mit Erfolg. Der heute 40-Jährige erzielte in seinem letzten großen Turnier zwei Tore, ist mit 16 Toren alleiniger WM-Rekordtorschütze und wurde Weltmeister. 

Germany v England - International Friendly

  März 2017: Im Signal Iduna Park läuft Werner erstmals im Dress der Nationalmannschaft auf


Seitdem suchte man nach einem neuen Angreifer, doch Löws Experimente, neben Mario Gomez auch mal Mario Götze oder Thomas Müller im Sturm aufzustellen, brachten trotz eines guten Abschneidens bei der Europameisterschaft vor zwei Jahren und einer erfolgreichen WM-Qualifikation nicht den gewünschten Erfolg. Bis Werner aufblühte: Am 22. März debütierte er gegen England, stand insgesamt 77 Minuten auf dem Feld. Ein Tor gelang ihm zwar nicht, aber der Bundestrainer hatte ihn weiter auf dem Radar, nahm ihn mit zum Confederations Cup nach Russland und schonte ihn lediglich im zweiten Gruppenspiel gegen Chile.


Löw fordert, Werner liefert


Am späteren Erfolg hatte auch Werner seinen Anteil: Mit zwei Toren schoss er die DFB-Elf am dritten Spieltag gegen Kamerun zum Sieg, gegen Mexiko war er beim 4:1 an zwei Toren direkt beteiligt. Das Siegtor im Endspiel gegen die Chilenen erzielte zwar Lars Stindl, doch Vorlagengeber war erneut der gebürtige Stuttgarter. Nachdem er auch in den beiden Qualifikationsspielen gegen Tschechien und Norwegen überzeugen konnte, danach jedoch aufgrund einer Halswirbelsäulenverletzung ausfiel, war klar: Timo Werner wird auch bei der Weltmeisterschaft im Juni eine Rolle spielen.


Zwar überraschte Löw vor der WM-Vorbereitung in Eppan mit der vorläufigen Nominierung von gleich drei Stürmern, doch Nils Petersen musste frühzeitig wieder seine Koffer packen. Mit Gomez hat Werner zwar einen treffsicheren und erfahreneren Angreifer im Nacken, doch seine Vorzüge machten sich vor allem beim ​letzten Test gegen Saudi-Arabien, in dem er von Anfang an auflief, bemerkbar. "Als der Löw-Elf Dynamik, Elan und Zielstrebigkeit abging, machte Werner einfach weiter. Er rannte und rannte und rannte. Und er erlief sich Pässe, die gar nicht zu erlaufen waren. Werner weiß mit dem Ball einfach etwas anzufangen", lautete die Kritik von ​n-tv

Jene Dynamik und Zielstrebigkeit ist etwas, was die Nationalmannschaft im Angriff benötigt - und Werner ist ein Spieler, der genau diese Elemente bedient. Nach langer Suche wurde klar, dass er der größte Hoffnungsträger der kommenden Jahre sein wird, mit acht Toren in 14 Spielen konnte er seinen Stellenwert untermauern. Doch die WM wird der erste, große Härtetest für Werner sein. Wenn er in Russland besteht, wird er auch in Zukunft unverzichtbar sein.