​In neun Tagen rollt der Ball bei der ​WM in Russland. In unserem Countdown richten wir heute den Blick auf die spanische Nationalmannschaft. Der Weltmeister von 2010 gilt als einer der Top-Favoriten auf den Titel.


Die Furia Roja nimmt in Russland zum 15.-mal an einem WM-Turnier teil. In der Qualifikation setzten sich die Spanier in einer Gruppe mit Italien ungeschlagen als Spitzenreiter durch und zeigten, warum sie in den letzten Jahren zu den Top-Nationen im Weltfußball gehören. Für den Titel reichte es bislang allerdings nur bei der WM 2010 in Südafrika, als Andres Iniesta in der Verlängerung gegen die Niederlande für den goldenen Siegtreffer sorgte. Als Titelverteidiger schied die Seleccion dagegen in Brasilien bereits nach der Gruppenphase aus.

Es war die Fortsetzung der durchwachsenen WM-Ergebnisse des dreifachen Europameisters (1964, 2008, 2012). Bis auf 2010 wurden die spanischen Fans meist enttäuscht: Häufig als Mit-Favorit angereist, reichte es zuvor nur 1950 für das Halbfinale. Die spanischen Nationalteams waren dabei immer gespickt mit Stars des FC Barcelona und Real Madrid. Während Spanien auf Klubebene große Erfolge einheimsen konnte, funktionierte die Zusammenführung der Spieler aus den verfeindeten Teams im Dress der Nationalmannschaft lange nicht. 


Spätestens mit dem EM-Titel 2008 hat sich das geändert. Die Mannschaft von Trainer Julen Lopetegui will Wiedergutmachung für das frühe Aus in Brasilien und gilt als heißer Titelanwärter. In Gruppe B kommt es dabei zum Duell mit dem iberischen Nachbarn und amtierenden Europameister Portugal. Gleich zum Auftakt am 15. Juni treffen die beiden Gruppenfavoriten aufeinander (20 Uhr). Für Spanien folgen die Begegnungen mit Außenseiter Iran (20.6.) und Marokko (25.6.).

Spain v Switzerland - International Friendly

Álvaro Odriozola erzielte beim 1:1 im Test gegen die Schweiz in seinem zweiten Länderspiel den Führungstreffer.


Fun fact: In Spanien gibt es keine Diskussionen über Spieler, die die Nationalhymne nicht mitsingen. Die Marcha Real hat nämlich keinen Text.


Der Kader


Schaut man auf Spaniens Kader, wird schnell deutlich, warum die Furia Roja so hoch gehandelt wird. Neben den Top-Akteuren von Barça, Real und Atletico Madrid tummeln sich dort weitere internationale Stars. Aus der Bundesliga hat es lediglich Thiago in das 23-köpfige Aufgebot von Lopetegui geschafft. Klubkollege Javi Martinez blieb außen vor. Einen echten Star im Team ist schwer herauszupicken, der Kader ist breit und ausgeglichen besetzt, mit einer guten Mischung aus Routiniers wie Iniesta, David Silva, Sergio Ramos oder Gerard Pique und Talenten wie Marco Asensio oder Lucas Vasquez. Laut transfermarkt.de beläuft sich der Marktwert der 23 WM-Fahrer auf 1,04 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Das DFB-Aufgebot ist "nur" 885 Millionen Euro wert.

Der Trainer


Der frühere Barça-Keeper Julen Lopetegui trainierte bislang auf Klubebene den aktuellen Zweitligisten Rayo Vallecano, die zweite Mannschaft von Real Madrid und zuletzt eineinhalb Jahre den FC Porto. Dazwischen war er für die U20, U19 und U21 Spaniens tätig - und feierte mit den Junioren-Auswahlteams große Erfolge: 2012 den EM-Titel mit der U19, 2013 mit der U21.

Spain v Switzerland - International Friendly

Das A-Nationalteam übernahm er nach dem Achtelfinal-Aus gegen Italien bei der EM 2016, als Vicente del Bosque im Anschluss seinen Rücktritt bekannt gab. 19 Spiele hat er seither mit den Spaniern bestritten und dabei noch nie verloren. Die Bilanz: 13 Siege und sechs Remis, darunter das 1:1 im März gegen Deutschland.


Das spanische Nationalteam ist eines der besten Teams bei der WM in Russland und deshalb auch mit Frankreich, Brasilien und Deutschland der Top-Favorit auf den Titel. Zudem dürften die Spanier hochmotiviert in das Turnier gehen: 2014 setzte es das überraschende Gruppen-Aus als Titelverteidiger, bei der letzten EM musste man schon im Achtelfinale gegen Italien die Segel streichen. Die Gruppenphase dürfte für die Spanier überhaupt kein Problem sein, selbst gegen Europameister Portugal müsste die Lopetegui-Elf die klar bessere Mannschaft sein. Kommt man als Gruppensieger weiter, winkt ein "lockeres" Achtelfinale, womöglich gegen Gastgeber Russland. Im weiteren Verlauf könnten mit Argentinien im Viertel- und Frankreich im Halbfinale echte Prüfsteine auf die Furia Roja zukommen. Dann entscheidet sich, ob Spanien nach dem zweiten WM-Titel greifen kann.