​Es passiert nicht selten, dass Torhüter auf dem Platz durch Patzer negativ auffallen und damit sogar einen Punktverlust für ihr Team verschulden. Einen unglücklichen Auftritt wie den von Loris Karius hat es aber auf der größtmöglichen Bühne des europäischen Fußballs lange nicht mehr gegeben.


Der gebürtige Oberschwabe verschuldete zuerst den 0:1-Treffer in der 51. Minute durch Karim Benzema, indem er dem Franzosen den Ball beim flachen Abwurf förmlich hinlegte. Die Chancen auf den Ausgleich verspielte Karius schließlich in der 83. Minute beim 1:3-Treffer, als er einen direkt auf seine Hände zufliegenden Fernschuss von Gareth Bale ins Tor ablenkte.

Für die 'Reds' waren es berechtigterweise extrem bittere Momente, die in dieser Partie den Unterschied ausmachten. Mit der frühen Auswechslung von Mohamed Salah war es ohnehin schwierig für Liverpool, in der Offensive Angriffe zu kreieren. Eine defensiv starke Leistung wurde allerdings durch individuelle Fehler wettgemacht. 


Karius war nach dem Spiel verständlicherweise erschüttert, Ermutigungen durch die Kollegen und Rivalen aus Madrid - zumindest durch die Presse - ließen jedoch nicht lange auf sich warten. Allen voran Liverpool-Kapitän Jordan Henderson, der Real als den verdienten Gewinner bezeichnete.


"Es geht nicht um ihn und die Fehler, die er gemacht haben könnte. Es geht um uns als Mannschaft, die gemeinsam hierher gekommen ist und nun gemeinsam verloren hat", so der englische WM-Fahrer. "Es geht nicht um eine Person, es geht um alle."

Manager Klopp sprach mit seinem Schützling aus der Heimat "nur sehr wenige Worte nach dem Spiel. Ich habe wirklich Mitgefühl mit ihm, niemand möchte so etwas, aber das ist die Situation. Die Fehler waren offensichtlich, wir müssen darüber nicht sprechen da ihm das schon klar ist. Jetzt muss er damit umgehen, wir alle müssen damit umgehen." Der 50-Jährige erklärte weiter, dass "alle bei ihm da sein werden, darüber gibt es keinen Zweifel."


Karius saß nach dem Abpfiff lange allein auf dem Rasen und ging schließlich zur Kurve mit den angereisten Liverpool-Fans, um seine eigene Schuld an der Niederlage zu signalisieren. Gegenüber den fragenden Journalisten war er untröstlich. 

"Ich fühle derzeit nichts, heute hab ich meinem Team das Spiel verloren und es tut mir leid", sagte der 24-jährige Keeper. "Wenn ich in der Zeit zurückgehen könnte, würde ich das tun. Ich weiß, dass ich heute meine Mannschaft im Stich gelassen habe. Es ist sehr schwer derzeit aber dies ist das Leben eines Torhüters. Du musst deinen Kopf wieder hochziehen."


Die Wut und der Frust sind derzeit groß, viele fordern einen Torhüterwechsel im Sommer. Man darf allerdings nicht vergessen, dass Karius vor allem in der zweiten Hälfte der Saison teilweise überragende Leistungen lieferte und dabei seinem Team maßgeblich zum Einzug ins CL-Finale verhalf. Aus dem harten Konkurrenzkampf mit Simon Mignolet ging er als der klare Sieger hervor. Die Perspektive darf demnach Karius trotz dieses bitteren Abends nicht verlieren. Dies sieht auch der erfahrenere Real-Keeper Keylor Navas so (via Real Total): "Torwart zu sein, ist sehr kompliziert. Hoffentlich kann sich Karius da rausziehen, seine Karriere ist noch lang."