Die deutsche Nationalmannschaft bereitet sich auch am vierten Tag des Trainingslagers von Südtirol, bei dem mit Ausnahme von Toni Kroos mittlerweile alle Akteure ​des vorläufigen Kaders ​- egal ob individuell oder im Kreise der Mannschaft - an den Trainingseinheiten teilnehmen. Neben Co-Trainer Marcus Sorg waren auch Leon Goretzka und Sami Khedira auf der heutigen Pressekonferenz anwesend, sprachen über die Kritik nach dem Testspiel gegen Brasilien im März, die bei der WM erstmals erlaubten neuen Kommunikationsmittel sowie das heutige Champions League Finale.


Neben Manuel Neuer, ​der das Tor der de​utschen Nationalmannschaft in Russland definitiv hüten wird, wenn sowohl er als auch Joachim Löw der Meinung sind, dass er zum WM-Auftakt des DFB am 17. Juni fit sein wird, zählt auch Jerome Boateng zu den wenigen Fragezeichen innerhalb des Kaders. Der Innenverteidiger des FC Bayern ​reiste gestern nach Südtirol und soll in der kommenden Woche in das Mannschaftstraining einsteigen. Bis dahin werde der 28-Jährige allerdings keine Zeit verschwenden: "Jerome hat heute individuell trainiert", so Assistenztrainer Marcus Sorg auf der heutigen Pressekonferenz.


"Ich muss sagen, ein großes Lob an die medizinische Abteilung, die herausragende Arbeit leistet. Für mich ist es ein entscheidender Faktor, dass man Jerome zur WM spielfähig bekommt", führte 52-Jährige fort. Allerdings solle es Boateng in seinen Augen auch nicht überstürzen, um eine erneute Verletzung zu gefährden. "Für mich wäre es nicht so entscheidend, ob er einen Tag früher oder später ins Training einsteigt. Das Entscheidende wird sein, dass er zur WM spielfähig sein. 


Sorg äußerte sich auch zu den neuen Kommunikationswegen, die bei der Weltmeisterschaft erstmals erlaubt sein werden. Trainer und Co-Trainer dürfen nun über Headsets oder mobile Geräte während der Partie Informationen austauschen, um somit noch mehr Einfluss auf das Spiel nehmen zu können. Der ehemalige Coach des SC Freiburg beobachtet seit seinem Engagement bei der Nationalmannschaft im Jahr 2016 das Spielgeschehen von der Tribüne aus, um noch mehr Eindrücke erhalten zu können, und tauscht sich dann in der Halbzeitpause mit Löw aus, um entsprechende Gegenmaßnahmen entwickeln zu können.

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 Das Headset kennt Joachim Löw bereits von Pressekonferenzen. Nun könnte er es auch bei den Spielen während der Weltmeisterschaft benutzen, um relevante Informationen von Marcus Sorg zu erhalten


Man müsse sich "immer fortbilden und schauen, was es für Möglichkeiten gibt, um sich zu verbessern", so Sorg, der die neuen Regularien begrüßte: "Es ist für uns als Trainerteam ein gutes Tool. Es hat sich bewährt, in der ersten Halbzeit oben zu sitzen und gewisse Dinge im Überblick zu haben, die man von der Perspektive unten nicht erkennen kann. Durch den Ablauf jetzt hat man die Möglichkeit, dem Trainerteam Informationen direkter und schneller zukommen zu lassen." 


Allerdings warnte er auch davor, dass man seinen Partner an der Seitenlinie nicht mit neuen Erkenntnissen überfluten solle. "Der Trainer ist ja in seinen Möglichkeiten, während des laufenden Spiels Einfluss auf die Jungs zu nehmen, eingeschränkt." Daher werde man in Zukunft weiterhin hauptsächlich auf den Austausch in der Halbzeit zurückgreifen.


Leon Goretzka: Flexibilität als Trumpf?


Im weiteren Verlauf der Pressekonferenz wurde noch einmal die 0:1-Niederlage im Testspiel gegen Brasilien am 27. März thematisiert, vor allem in Bezug auf die harsche Kritik von Toni Kroos, der deutliche Worte für die eher magere Mannschaftsleistung fand. Für Leon Goretzka war das Thema jedoch bereits abgehakt: "Es ist immer wichtig, von wem Kritik kommt. Von Toni Kroos nehme ich die natürlich an. Wir haben nicht gut gespielt und ich auch nicht. In der Tat spornt so etwas an."


Der 23-Jährige hofft auf einen endgültigen Platz im Mittelfeld und sieht sich vor allem aufgrund seiner Variabilität als möglicherweise wichtiger Faktor. "Normalerweise bin ich im zentralen Mittelfeld zuhause, da habe ich die ganze Saison über gespielt. Ich denke aber schon, dass es auch ein Vorteil von mir ist, dass ich sehr variabel einsetzbar bin. Das ist in dem Turnier auch nicht so verkehrt. Ich würde mich freuen, wenn ich spiele. Wo, ist dann im Endeffekt auch egal", so der künftige Mittelfeldspieler von Bayern München. 

Kroos selbst ist allerdings noch nicht im Trainingslager von Eppan, stattdessen bereitet er sich mit Real Madrid auf das ​Champions League Finale gegen den FC Liverpool (20.45 Uhr) vor. Glückwünsche gab es von Sami Khedira: "Ich persönlich drücke ihm die Daumen. Ich wünsche meinem Ex-Verein Real Madrid, dass sie etwas Historisches schaffen." Dass Kroos' später Einstieg negative Folgen haben könnte, glaubte er derweil nicht: "Wenn man Toni ein bisschen kennt, weiß man, dass er sich von Erfolg oder Misserfolg nicht blenden lässt. Unabhängig vom Ausgang des Spiels weiß ich, dass er ab nächster Woche voll fokussiert auf das Turnier und auf unsere Mannschaft ist."