​Nun ist es offiziell. Lucien Favre wird neuer Trainer von Borussia Dortmund. Nach zwei Jahren in Nizza kehrt der Taktikfuchs in die Bundesliga zurück. Der Schweizer könnte ein echter Glücksgriff für die Borussia werden, vereint er doch sämtliche Tugenden, die den Revierklub einst ausmachten.


"Die Verpflichtung von Lucien Favre als Trainer ist ein wichtiger Teil unseres sportlichen Neustarts in diesem Sommer. Er genießt bei uns hohe Wertschätzung für seine fachlichen Qualitäten, die er in der Bundesliga bei Hertha BSC und in Mönchengladbach - genau wie zuletzt in Nizza - auch schon mehrfach eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat", erklärte BVB-Sportdirektor Michael Zorc nach Bekanntgabe der Verpflichtung.



Nach zwei Meisterschaften mit dem FC Zürich verschlug es den heute 60-Jährigen 2007 zur Hertha aus Berlin. Dort führte er den Hauptstadtklub gleich auf Platz 4 der Tabelle. 2011 übernahm er Borussia Mönchengladbach im Abstiegskampf, hielt die Klasse und führte das Team vom Niederrhein in den Folgejahren bis in die Champions League. Ähnliches gelang dem Schweizer bei seiner letzten Station in Nizza. Favre führte das in Europa eher unbeschriebene Blatt OGC vor einem Jahr in die Europa League. 



Nun soll der ehemalige Kicker den BVB zu alter Stärke führen. Konnten die Akteure des Revierklubs in der abgelaufenen Saison nicht ansatzweise ihre Normalform abrufen, soll Favre die Spieler nun zu absoluten Top-Leistungen motivieren. Dies gelang ihm bereits in Berlin, Mönchengladbach und Nizza, wo seine Schützlinge stets über ihrem Zenit spielten. Bei den Schwarz-Gelben aber findet Favre erstmals absolute Top-Spieler vor, deren Ambitionen mindestens die Vizemeisterschaft und das Champions-League-Viertelfinale sein müssten. Zudem zeigte die "Causa Balotelli", dass er Spieler zu einstiger Stärke führen kann, was mit Blick auf Mario Götze ein Segen sein könnte. Außerdem brachte er das unbändige Gemüt des italienischen Nationalspielers zur Räson. 



Lucien Favre steht für Ballbesitz-Fußball und Kombinationsspiel. Mit Mario Götze, Shinji Kagawa, Marco Reus, Jadon Sancho und Co. findet er bei seinem neuen Arbeitgeber gleich eine ganze Riege von Spielern, die über ein herausragendes technisches Repertoire verfügen. Das präferierte System des Schweizers scheint geradezu prädestiniert für die Akteure des Revierklubs. Und dennoch passt Favre - anders als z.B. Peter Bosz - seine Philosophie dem ihm zur Verfügung stehenden Spielermaterial an.



Durch die frühe Verpflichtung hat Favre nun genügend Zeit sich "seinen" BVB zu bauen, ein Privilieg, das Vor-Vorgänger Peter Bosz nicht zuteil wurde. Der Niederländer fand in Dortmund eine schon fertig geplante Mannschaft vor. Favre kann nun entscheidenden Einfluss auf die Kaderplanung nehmen, wie im Fall von Stephan Lichtsteiner, bei dessen Transfer der Neu-Coach direkt einmal sein Veto einlegte. 


Der Trainerwechsel entfachte sogar eine neue Euphorie bei der Anhängerschaft. Während Peter Bosz und vor allem Peter Stöger bei ihrem Amtsantritt kritisch beäugt wurden, verbreitet die Verpflichtung Lucien Favres fast ausschließlich positive Stimmung - eine krasse Kursänderung im Vergleich zu den letzten Wochen. Mit dem bundesligaerfahrenen Coach könnte dem Revierklub der langersehnte "Turnaround" nun endlich gelingen. Die Vorzeichen für Borussia Dortmund stehen gut, nun muss man den Vorgaben und Zielen nur noch Taten folgen lassen. Denn im Revier gilt, wie überall in der Republik: Entscheidend ist auf'm Platz.