Die Zukunft des FC Bayern sieht rosig aus, findet Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Der Kader sei bestens aufgestellt, an den Wechselabsichten von Robert Lewandowski nichts dran. Einen großen Transfer wollte er künftig nicht ausschließen. Der tief gefallene Renato Sanches soll unter Neu-Trainer Niko Kovac eine zweite Chance in München bekommen.


Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge glaubt weiter an die Vormachtstellung des FC Bayern im deutschen Fußball und sieht den Rekordmeister auch im internationalen Vergleich gut aufgestellt. Sportlich und wirtschaftlich stehe man bestens da: "Wir sind unter den besten Klubs in Europa, das ist Beweis genug. Ich sehe keinen Grund, warum das im nächsten Jahr nicht wieder der Fall sein soll. Ich sage heute voraus: Die Meisterschaft geht wieder nur über den FC Bayern", sagte der 62-Jährige in einem Interview mit der TZ.


Rummenigge zeigte sich begeistert von den Leistungen unter Jupp Heynckes. "Sechs Mal in Folge Meister zu werden, ist eine unglaubliche Leistung. Und wenn wir Pokalsieger werden, bin ich hochzufrieden", meinte der Vorstandsvorsitzende. "Eins Minus", so Rummenigge zur ​Bewertung der aktuellen Saison schon vor dem noch anstehenden Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt (Samstag, 20 Uhr). 

FC Bayern Muenchen v VfB Stuttgart - Bundesliga

Unter Jupp Heynckes feierte der FC Bayern seine sechste deutsche Meisterschaft in Serie


Dass es keine glatte eins wurde, lag am bitteren Halbfinal-Aus gegen Real Madrid in der Champions League. "Fußballerisch waren wir in beiden Real-Duellen auf Augenhöhe. In Madrid haben alle um mich herum auf der Tribüne in den letzten 20 Minuten hyperventiliert, weil sie Angst hatten, dass wir ein drittes Tor machen", berichtete er von seinem Erlebnis im Bernabeu. "Der Unterschied war, dass wir uns zwei katastrophale Fehler erlaubt haben. In dieser Beziehung müssen wir abgezockter sein", forderte er.


Rummenigge: Kein Problem mit Lewandowski - Mega-Transfer nicht ausgeschlossen


Rummenigge ging auch auf die Kaderplanungen für die kommende Spielzeit ein. Ein Fixpunkt soll Torjäger Robert Lewandowski bleiben, der zuletzt ​immer wieder mit Real Madrid in Verbindung gebracht wurde. "Ich sehe es wirklich so gelassen, wie ich es seit Wochen sage. Wir haben Verträge - und die werden bei Bayern erfahrungsgemäß eingehalten", bekräftigte der Bayern-Boss. "Robert verhält sich völlig loyal. Und wer die Gerüchte streut, ist uns nicht bekannt. Es ist auch egal. Wir saßen neulich zwei Mal mit Reals Verantwortlichen beim Mittagessen zusammen - es ist kein Wort über Lewandowski gesprochen worden."

FC Bayern Muenchen v VfB Stuttgart - Bundesliga

Mit 29 Saisontreffern wurde Robert Lewandowski erneut Bundesliga-Torschützenkönig



Anders als etwa bei Ousmane Dembélé in Dortmund glaube er nicht, dass der Pole zu einem Provokateur oder gar Streikfall werden könne. "Nullkommanull", ist sich Rummenigge sicher. "Man darf da generell keine Lücke lassen. Entscheidend ist die Laufzeit der Verträge. Und wenn ein Klub das durchziehen kann, sind wir das." Als bestes Beispiel führte er den Umgang mit Franck Ribery an. Der Franzose habe vor einigen Jahren auf einen Wechsel zum FC Chelsea gedrängt, wie Rummenigge nun verrät. "Da ging es um wahnsinnig viel Geld. Damals war er unglücklich, dass wir die Tür zu Chelsea zugemacht haben. Aber jetzt, zehn Jahre später, ist er happy. Der schließt ja nicht umsonst den Laden bei der Meisterfeier als Letzter ab - mit Shisha-Musik", sagte der 62-Jährige lachend.


Neben Lewandowski soll auch Thomas Müller weiterhin das Gesicht der Mannschaft bleiben. "Thomas ist unersetzbar, eine bayerische Identifikationsfigur. Für ihn gibt es kein Preisschild", betonte Rummenigge, der glaubt, dass sich der Transfermarkt in der WM-Pause abkühlt. "In dem Sommer wird sowieso nicht so dramatisch viel an Top-Spielern über den Tisch gehen. Weil die Vereine, die Top-Spieler haben, sie nicht leicht verkaufen. Denn dann hast du die Problematik, viel Geld zu haben, von dem aber die Konkurrenz weiß", prophezeite er.


Weitere Transfers beim FC Bayern wollte er aber nicht kategorisch ausschließen, "auch keinen großen Transfer". Bedarf bestehe aktuell zwar nicht, "aber wenn irgendwas Hochinteressantes auf den Markt kommen sollte, dann muss man sich möglicherweise damit befassen". Fest steht bereits, dass Serge Gnabry nach seiner Leihe nach Hoffenheim an der Säbener Straße aufschlägt, Confed-Cup-Sieger Leon Goretzka kommt ablösefrei vom FC Schalke.


Renato Sanches soll in München wieder in die Spur finden


Ein neuer Anlauf in München soll auch "Problemfall Renato Sanches" zugestanden werden. "Er kommt zurück. Kovac wird versuchen, ihn zu früherer Stärke zurückzuführen. Das ist eine spannende Aufgabe. Renato hat zwei schwierige Jahre hinter sich, die meines Erachtens mit seinem Aufstieg als 'Golden Boy' der EM 2016 zusammenhingen", analysierte er den Abstieg des gefeierten Mittelfeld-Juwels, der kürzlich bei seiner Leihstation Swansea City aus der Premier League abgestiegen war. "Wir waren vor zwei Jahren total überzeugt von ihm und werden jetzt nicht den Stab über ihn brechen", bekräftigte der Bayern-Boss.

Watford v Swansea City - Premier League

Renato Sanches (l.) erlebte in England bei Absteiger Swansea eine schwere Zeit



"Im Übrigen hätten wir ihn im Januar schon gerne zurückgeholt, wenn die FIFA-Statuten das zugelassen hätten. Jupp hatte das Ziel, den Jungen wieder nach vorne zu bringen. Er kennt ja die portugiesische Seele aus seiner Zeit bei Benfica Lissabon", so Rummenigge weiter. Nun muss sich Sanches unter Kovac im dicht gedrängten Bayern-Mittelfeld behaupten. Als Luxusproblem bezeichnete Rummenigge die Situation. Kein Vertrag laufe aus und aus finanziellen Gründen müsse man niemanden verkaufen. Ausschließen wollte er Abgänge, etwa von Arturo Vidal oder ​Sebastian Rudy, allerdings nicht.