Gladbach-Juwel Mickael Cuisance hat alle überrascht: Der 18-jährige Mittelfeldspieler hat in seiner ersten Profi-Saison am Niederrhein direkt eingeschlagen. Mit seiner risikofreudigen Spielweise hat sich der französische Teenager in die Herzen der Gladbach-Fans gespielt. In der kommenden Saison soll der nächste Schritt folgen - und endlich der erste Treffer gelingen. 


Als Mickael Cuisance im vergangenen Sommer aus der A-Jugend des AS Nancy an den Niederrhein wechselte, kannten ihn hierzulande nur die eingefleischten Experten. In seinem ersten Jahr bei Borussia Mönchengladbach ließ der 18-jährige Mittelfeldspieler sein Talent bereits aufblitzen und war damit eine der wenigen Positiv-Erscheinungen in einer ​durchwachsenen Fohlen-Saison. 26 Pflichtpartien hat Cuisance in seiner ersten Profi-Spielzeit absolviert.


Statt in Gladbach wäre der französische U19-Nationalspieler ein halbes Jahr zuvor aber fast beim neuen Premier-League-Meister gelandet, wie er im Gespräch mit ​RP-Online erzählt. "Manchester City hätte mich im Winter kaufen können, es war ernst. Aber ich habe mir noch mal Gedanken gemacht. Ich wollte spielen. Ich habe mir einfach in Gladbach bessere Chancen ausgerechnet. Das war mir wichtiger, als gleich zu einem ganz großen Klub zu gehen", erklärt Cuisance seinen Wechsel zur Borussia. 

Bis dahin, die goldrichtige Entscheidung. Mit seiner risikoreichen Spielweise hat er nicht nur ​Fohlen-Coach Dieter Hecking verzückt, sondern sich auch in die Herzen der Anhänger gespielt. "Ich wusste immer, dass ich es schaffen kann, wenn ich hart an mir arbeite", sagt der Teenager selbstbewusst, auch wenn er nicht damit gerechnet habe, "dass ich so viele Spiele machen würde. Aber der Trainer hat viel mit mir geredet und gearbeitet - und wenn man dann reinkommt, denkt man nicht mehr nach, sondern spielt nur noch", so Cuisance weiter. 


Privat sei er ein "reservierter" Typ, "auf dem Spielfeld ist es eine ganz andere Sache". Dort glänzt er mit seinem jugendlichen Elan, hält nicht viel von Alibi-Pässen und geht gerne ins Risiko - aber nicht nur, wie er betont: "Ich mache natürlich nicht alles, was ich will und spiele nur instinktiv. Ich muss mich auch an die Vorgaben halten. Aber wenn es nach vorne geht, gibt mir der Trainer die Freiheit, auch ins Risiko zu gehen und meine Einfälle umzusetzen. Ich habe früher jede freie Minute auf der Straße gespielt, da macht man viel aus dem Bauch heraus. Das schult die Technik", erzählt er aus seiner Jugend im Elsas. 


Cuisance schwärmt von "Lehrmeister" Raffael


Einen Makel hat er trotz seiner starken Debüt-Saison dennoch ausgemacht. 24-mal Bundesliga, zweimal Pokal, aber kein Tor. Das wolle er in der kommenden Saison unbedingt ändern, meint Cuisance ehrgeizig. Eine bestimmte Anzahl an Spielen habe er sich im nächsten Jahr aber nicht in den Kopf gesetzt. "Ich will einfach so oft auf dem Platz stehen wie möglich. Es wird in der neuen Saison eine andere Situation sein, mit neuen Spielern und hoffentlich weniger Verletzten. Aber Konkurrenz ist kein Problem für mich. Dadurch wird man stärker. Ich versuche einfach, besser zu sein als die anderen, dann spiele ich auch", ist er sich sicher.

FBL-GER-BUNDESLIGA-SCHALKE-MOENCHENGLADBACH

In der Jugend nach eigener Aussage regelmäßiger Torschütze, wartet Cuisance noch auf seinen ersten Profi-Treffer.



Auf welcher Position ist ihm "eigentlich egal. Mir ist nur wichtig, eine Position im Zentrum zu spielen, da kann ich mich am besten entfalten". Die Konkurrenten um einen Stammplatz heißen Weltmeister Christoph Kramer, Denis Zakaria und auch Routinier Raffael. Von den dreien hat sich Cuisance schon in der abgelaufenen Spielzeit viele Tipps geholt. "Ich lerne jeden Tag im Training etwas dazu im Zusammenspiel mit Chris Kramer und Denis Zakaria, die mir Hinweise geben, wann ich mich wie verhalten muss", berichtet er. Besonders angetan hat es ihm Routinier Raffael: "Ich kannte Raffa schon aus dem Fernsehen, aber als ich ihn habe spielen sehen, war ich total beeindruckt. Wahnsinn, wie er mit dem Ball umgeht, da passt alles - da frage ich natürlich immer wieder nach."

1. FC Koeln v Borussia Moenchengladbach - Bundesliga

Von Routinier Raffael ist Cuisance besonders beeindruckt. 



Sollten die Tipps Früchte tragen und Cuisance auch in der kommenden Saison überzeugen - vielleicht dann auch mit eigenen Treffern - dürften ​Vereine wie Manchester City und Co. bald wieder Schlange stehen. Ob er deshalb die Borussia als Zwischenschritt betrachte, wollte Cuisance nicht eindeutig beantworten. "Borussia hilft mir sehr, ein besserer Spieler zu werden. Wenn wir alle an der Sache arbeiten, werden wir zusammen noch gute Spiele machen und erfolgreich sein. Darauf konzentriere ich mich und denke nicht über den nächsten Schritt nach. Ich habe die richtige Entscheidung getroffen und fühle mich wohl bei Borussia", sagte er ausweichend. Sein Vertrag am Niederrhein läuft noch bis 2022. Ob die Fohlen ihn bis dahin noch im Borussia-Trikot bewundern dürfen, bleibt angesichts seines enormen Potenzials eher fraglich.