​Der Abstieg des 1. FC Köln war längst besiegelt. Am letzten Spieltag wollten sich die Geißböcke gebührend aus der Bundesliga verabschieden. Doch bei der 1:4-Pleite in Wolfsburg war es wie immer: großer Aufwand, wenig Ertrag. Was bleibt ist das gestärkte Wir-Gefühl, das den Effzeh im kommenden Jahr wieder ins Oberhaus tragen soll.


FC-Manager Armin Veh bekräftigte schon vor dem Bundesliga-Finale in Wolfsburg, dass man noch einmal "alles raushauen" und "keine Wettbewerbsverzerrung" betreiben wolle. Emotional habe man sich in den letzten Wochen mit dem Abstieg abfinden können, so Veh am Sky-Mikrofon. 


Auf der Trainerbank beim Effzeh saß zum letzten Mal Stefan Ruthenbeck. In der kommenden Zweitligasaison wird Markus Anfang das Ruder bei den Geißbock-Profis übernehmen. Ruthenbeck besitzt als U19-Coach allerdings noch einen Vertrag bis 2019. Den würde er gerne erfüllen und in die Kölner A-Jugend zurückkehren, wie der 46-Jährige zuletzt erklärte. Veh begrüßt das, wie er kurz vor Anpfiff des vorerst letzten Kölner Bundesligaspiels betonte. "Wenn er das so gesagt hat, dann ist ja alles prima. Wir freuen uns darüber", sagte Veh.


Köln versucht alles, bleibt aber unglücklich


Personell war also alles geklärt. Mit dem gelungenen Abschied taten sich die Kölner allerdings schwer. Die 1:4-Niederlage war dabei, wie so oft, ein Spiegelbild der Abstiegs-Saison. Köln war engagiert, spielte gut mit, am Ende fehlte aber die nötige Konsequenz vor dem gegnerischen Tor. Vor dem eigenen Gehäuse gab man die Gegentreffer zu einfach her. 

VfL Wolfsburg v 1. FC Koeln - Bundesliga

Traumtor zum zwischenzeitlichen 1:1: Jonas Hector hebt den Ball gefühlvoll über Wölfe-Schlussmann Koen Casteels hinweg.


Das sah auch Nationalspieler Jonas Hector so. "Wir haben wieder alles probiert, haben aber wieder unnötige Tore bekommen", meinte der FC-Kapitän, der den Geißböcken auch im Unterhaus die Treue hält. Über seinen genialen Treffer zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich wollte er sich nicht freuen: "Bringt ja nichts", meinte Hector nur lapidar.


"Zu Beginn schon nach einer Minute liegst du 1:0 zurück. Danach war es sehr offen in der ersten Halbzeit. Vor dem 2:1 müssen wir vorher klären. Dann war der VfL griffiger und man hat gespürt, dass sie noch etwas zu gewinnen haben und bei uns war die Luft raus", analysierte Ruthenbeck. "Wir hatten unsere Szenen, aber wir waren nicht so präsent im 16er. Wie sagt man so schön, man hatte das Gefühl, der Gegner wollte es etwas mehr", meinte der Köln-Coach weiter.

Über die Aussage von Manager Veh vor dem Spiel freute er sich, wollte seinen Verbleib in Köln aber noch nicht endgültig bestätigen. "Tolle Ansage von Armin Veh. Aber wir werden uns morgen nochmal darüber unterhalten", kündigte der 46-Jährige an.


Pizarro lässt Zukunft offen und will zur WM


Keine Zukunft in Köln hat wohl Claudio Pizarro. Sein 446 Bundesligaeinsatz war wohl der letzte. Ob der 39-Jährige seine Karriere beenden wird, ließ Pizarro aber offen. "Ich bin fit, ich fühle mich gut. Aber das ist nicht alles. Ich weiß noch nicht, ich werde in ein oder zwei Wochen eine Entscheidung treffen", so der beste ausländische Torschütze der Bundesligageschichte.


Zum Spiel hatte er eine ähnliche Meinung wie Kapitän Hector und sein Trainer. "Wir haben es versucht und teilweise gut Fußball gespielt. Die Abstände waren aber zu groß und Wolfsburg hatte leichtes Spiel", befand er. Ob Karriereende oder nicht, bei der WM will Pizarro noch einmal auf der ganz großen Bühne auflaufen. "Hoffentlich ja. Das ist die Idee", Pizarro zur Frage, ob man mit ihm bei der WM in Russland im Trikot der peruanischen Nationalmannschaft rechnen kann.


Effzeh-Familie steht zusammen


Trotz des erneuten Negativ-Erlebnisses in der Autostadt: Mannschaft und Fans haben den Abstieg längst verkraftet und zeigten auch in Wolfsburg, dass sie auch in schweren Zeiten zusammen stehen. Rund 4.000 Anhänger begleiteten ihr Team nach Wolfsburg und schwörten gesanglich "ihrem Effzeh" die Treue. Auf dem Platz lebte das einmal mehr Jonas Hector vor. Der FC-Kapitän ging als Vorbild voran und zeigte einen solch unermüdlichen Einsatz, als ginge es um den WM-Titel.

Der Nationalspieler und seine Ankündigung mit in die zweite Liga zu gehen, sind ein Hauptgrund für die Stimmungslage am Rhein. Neben Hector bleibt unter anderem auch Geburtstagskind Timo Horn seinem Jugendklub treu. 

So herrschte schon vor der Partie in Wolfsburg keine Abstiegstristesse, sondern ein gestärktes Wir-Gefühl, dass die Kölner direkt wieder in die Bundesliga bringen soll.